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| 02:59 Uhr

Lübbenau verteidigt Funkmast-Standort in Zerkwitz

Lübbenau. Im Streit um den Funkmast in Zerkwitz sucht Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) jetzt die kontrollierte Offensive. Die Heftigkeit der Proteste der Zerkwitzer hat die Stadtverwaltung und auch den Bauherrn offenbar überrascht. Jan Gloßmann

"Wir haben die Reaktionen wohl unterschätzt", räumt Wenzel ein. Das kommt vermutlich auch daher, dass es in der Stadt bereits mehr als ein Dutzend Antennenträger, teilweise an Funkmasten angebracht, und Abertausende Handys gibt - allerdings gehen die Meinungen auseinander, wie hoch die Belastung des Menschen durch Strahlung durch die einzelnen Frequenzen, die großen Antennenanlagen oder Handys in Jackentaschen und Rucksäcken oder auch auf Nachttischen ist.

Gleichzeitig verteidigt der Bürgermeister den Bau und die Standortwahl für den Mast, der zum Netz des Digitalfunks für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sein wird. Dieser Digitalfunk soll einige analoge Netze ersetzen und dabei leistungsfähiger und zuverlässiger sein, heißt bei den Landesbehörden. Bauherr ist der Zentraldienst der Polizei des Landes Brandenburg, die Baugenehmigung wurde durch das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft erteilt.

Wenzel hat seine Planer den Vorgang aufarbeiten lassen, der das Rathaus konkret zwischen

2009 und 2011 beschäftigte. Damit wird auch klar, warum derzeit nur noch etwa sieben Prozent des Netzes in Brandenburg noch nicht fertig sind - darunter auch der Standort Lübbenau. Dieser sei aus Sicht der Projektorganisation Digitalfunk-BOS für den nördlichen Spreewald sowie die Stadt mit ihren Ortsteilen "von entscheidender Bedeutung". Dabei beruft sich die städtische Recherche auf das Innenministerium, das den Spreewald "mit der höchsten Versorgungskategorie" ausgewiesen hat. Grund ist die große Zahl der Touristen, die jährlich in die Region strömen. Wenzel: "Wir dürfen bei allen Diskussionen nicht verkennen, dass es sich bei dem Netz um den Funk von Rettungsdiensten handelt, die schnell und zuverlässig im Spreewald helfen sollen." Insgesamt seien in der Stadt zehn Standorte untersucht worden. Wenzel: "Dazu hat es Vorgaben gegeben, beispielsweise die funktechnische Eignung, Bau auf öffentlichen Grundstücken und die Auflage, dass keine bestehenden fremden Anlagen mitgenutzt werden dürfen." Unter den zehn Alternativen (siehe Grafik) sei der ehemalige Lagerplatz des Bauhofes in Zerkwitz der einzige Standort ohne Ausschlusskriterium gewesen. Wenzel: "Das war, wie so oft, ein Kompromiss."

Drei Standorte - nahe Bischdorf, Kittlitz und Hindenberg - fielen durch, weil sie funktechnisch nicht geeignet sind. Andere wurden aus Gründen des Naturschutzes und nicht verfügbarer Grundstücke abgelehnt. Am meisten Diskussionen löst in Zerkwitz das Argument aus, dass die Masten nicht zu dicht an eine Wohnbebauung rücken sollen. Damit wurden Standorte wie südlich der Kreuzung Chausseestraße/Luckauer Straße, der Lärmschutzwall Am Burjauer und die Feuerwehr in der Straße des Friedens verworfen. Bei Letzterem wurde zudem berücksichtigt, dass ein Teil der Flächen nahe der Huttung für eine mögliche Erweiterung oder Ergänzung des Spreeweltenbades zur Verfügung stehen sollen. Vor allem dieser Standort war von den Zerkwitzern angesichts vergleichbarer Entfernung zu Wohnungen ins Spiel gebracht worden. Bauherr und Stadt sehen in Zerkwitz deutlich weniger Betroffene, die in einem Radius von 200 bis 300 Metern vom Mast wohnen. Der Mast soll den Informationen der Stadt zufolge in der zweiten Woche der Herbstferien auf dem Standort in Zerkwitz errichtet werden. Es werde sich um einen 50 Meter hohen Stahlbetonmast handeln mit einem etwa zehn Meter hohen Aufsatzrohr mit den Funkantennen.

Eine umfangreiche Übersicht über das Verfahren der Standortsuche will Wenzel voraussichtlich am 22. September in den Lübbenauer Stadtnachrichten veröffentlichen. Darin werden auch Informationen zu den Umweltbelangen und dem Gesundheitsschutz enthalten sein.

Sorgen um mögliche gesundheitliche Auswirkungen machen sich auch die Zerkwitzer. Im Internet finden sich viele Informationen, aber auch Vermutungen und Theorien. So fordert die Gewerkschaft der Polizei in verschiedenen Beiträgen, die gesundheitlichen Auswirkungen des Digitalfunks zu untersuchen. Diese Sorgen werden auch in Zerkwitz aufgegriffen - allerdings beziehen sich die Forderungen der Polizei eher auf die Folgen des Funks durch im Auto installierte Geräte oder die Handys am Mann, nicht auf die Funkmasten. Bei diesen sucht der Aufbaustab, die Unsicherheit und Sorgen der Bürger zu zerstreuen. Nach Angaben der Behörde, dargelegt in einem im Internet verfügbaren Flyer, liegen die Grenzwerte für Strahlung durch die Masten "um das 50fache unterhalb der Wirkungsschwelle" . Basis ist die Bundesimmissionsschutz-Verordnung. Die dort festgelegten Grenzwerte würden sichern, dass "bei deren Einhaltung keine gesundheitliche Beeinträchtigung durch elektromagnetische Felder möglich ist". Die Kommune verweist zudem darauf, dass einige der Funkantennen im Stadtgebiet "oftmals kleiner als 50 Meter" Abstand zu Wohnungen haben. Dennoch dürfe auch von diesen Antennen keine Gefahr für die Anwohner ausgehen.

Fraglich bleibt, ob damit die Unsicherheiten und Zweifel der Zerkwitzer tatsächlich ausgeräumt werden können.