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| 15:39 Uhr

Lehrermangel
Quereinsteiger fordern Lehrerteams

 Nicht jeder Seiteneinsteiger-Lehrer ist der Herausforderung gewachsen.
Nicht jeder Seiteneinsteiger-Lehrer ist der Herausforderung gewachsen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Lübbenau. Immer mehr Quereinsteiger probieren sich im Berufs des Lehrers. In den drei Lübbenauer Grundschulen macht man mit neuen Kollegen ohne pädagogische Ausbildung ganz unterschiedliche Erfahrungen. Von Daniel Preikschat

Brandenburgweit unterrichten immer mehr Quereinsteiger. Von 1474 Lehrern, die zum neuen Schuljahr unbefristet neu eingestellt wurden, ist jeder Dritte ein Seiteneinsteiger, heißt es in einer Pressemitteilung des Bildungsministeriums. In den beiden Schuljahren davor lag die Seiteneinsteiger-Quote bei 26,4 beziehungsweise 21,2 Prozent. Ein Erfolgsmodell also?

Die Leiterinnen der drei Lübbenauer Grundschulen würden diese Frage wohl mit „Jein“ beantworten. Dort hat man mittlerweile Erfahrung gesammelt mit Kollegen ohne pädagogische Ausbildung. Je drei Quereinsteiger versuchten sich im alten Schuljahr 2018/19 in der Traugott-Hirschberger- und in der Werner-Seelenbinder-Grundschule, zwei in der Jenaplanschule. „Zeitweise hatten wir aber sogar vier Seiteneinsteiger bei uns“, so Schulleiterin Petra Drews. Alle vier Neue hatten in puncto Methodik und Didaktik null Vorkenntnisse, so die erfahrene Grundschullehrerin. Zwei von ihnen konnten den Rückstand gut aufholen, sodass ihre Beschäftigungsverhältnisse laut Empfehlung der Schulleitung für das Staatliche Schulamt entfristet werden. Die beiden anderen Kollegen indes mussten einsehen, dass der Beruf für sie doch nichts ist. Sie haben in den Lerngruppen nicht für Disziplin sorgen und Inhalte nur schlecht vermitteln können, so Petra Drews.

Rückstand für Quereinsteiger nur schwer aufzuholen

Dabei wird im Team nach Kräften unterstützt, wie auch Petra Drews Kollegin Annett Kraak von der Werner-Seelenbinder-Grundschule bestätigt. Eine berufsbegleitende Qualifizierung im 500-Stunden-Programm und so genannte „Abminderungsstunden“ für ein Selbststudium reichten bei Weitem nicht aus, so die Pädagogin, um den Rückstand gegenüber ausgebildeten Lehrern aufzuholen. In der jeweiligen Fachgruppe der Schule müsse ständig unterstützt werden, was für das ganze Kollegium „extrem anstrengend“ ist.

Ohnehin lasse man die Seiteneinsteiger zunächst nicht in den wichtigen Kernfächern Deutsch und Mathematik unterrichten, wo künftig aufgrund bevorstehender Verrentungen der größte Lehrer-Bedarf herrscht, sondern eher in Sport, Naturwissenschaften und Englisch, so Annett Kraak. Auch schicke man die Neuen nicht in die ersten und zweiten Klassen, wo die Grundlagen gelegt werden für die Kinder. Das sollten dann doch eher erfahrene Profis übernehmen.

Quereinsteiger scheitern trotz Unterstützung

Trotz der Unterstützung und Rücksichtnahme scheiterte auch in der Werner-Seelenbinder-Grundschule eine Quereinsteigerin, sagt Annett Kraak. Die beiden anderen Neulehrer konnten sich einarbeiten, haben aber noch einiges aufzuholen. Die Neustadt-Grundschule besuchen viele fremdsprachige Kinder mit Migrationshintergrund und auch Kinder aus sozial schwachen Familien. Das fordere Lehrer noch mal besonders, so die Schulleiterin.

Das ist in der Traugott-Hirschberger-Grundschule in der Altstadt nicht in dem Maß der Fall. Vielleicht konnten sich die drei Seiteneinsteiger dort auch deshalb besser bewähren. Alle drei jedenfalls, so Schulleiterin Bettina Gulbin, machen in diesem Schuljahr weiter, und sind nun Teil des 13-köpfigen Kollegiums. „Bei uns ändert sich in diesem Schuljahr nichts.“

Umso mehr in der Jenaplanschule. Hier fangen in diesem Jahr zwei ausgebildete Lehrer an, wie Petra Drews erfreut berichtet. „Dafür haben wir sehr gekämpft“, sagt sie. Vielleicht sei das der Lohn dafür, im vergangenen Schuljahr als kleinere Grundschule vergleichsweise viele Quereinsteiger integriert zu haben. Ein Seiteneinsteiger freilich fange auch in diesem Jahr wieder an in der Jenaplanschule, ebenso wie in der Seelenbinder-Grundschule.