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| 15:03 Uhr

Planer unter Zugzwang
Lübbenau braucht eine neue Kita

Ehemalige Kindertagesstätte "Diesterweg" im Lindenweg. Sie soll bis August diesen Jahres reaktiviert werden.
Ehemalige Kindertagesstätte "Diesterweg" im Lindenweg. Sie soll bis August diesen Jahres reaktiviert werden. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Mehr Geburten und Zuzüge als prognostiziert zwingen die Stadt zu handeln. Von Daniel Preikschat

Die ehemalige Kita „Diesterweg“ im Lindenweg in Lübbenau wird umgetauft. Kita „Zukunft“ soll sie ab August heißen und kurzzeitig „reaktiviert“ werden. Der Grund dafür ist an sich erfreulich. Unerwartet viele Geburten und Zuzüge in der Spreewaldstadt zwingen die Kitaplatz-Planer im Rathaus, kurzfristig einen hoch schnellenden Bedarf zu befriedigen. Sind sie bisher davon ausgegangen, dass in der Stadt im Jahresdurchschnitt 115 Kinder Anspruch auf einen Platz haben, müssen sie mittlerweile für die nächsten Jahre mit 129 Kindern planen.

Wie Rathaus-Mitarbeiterin Claudia Schultz kürzlich in den Fachausschüssen für Soziales und Bildung weiter ausführte, wurden mit Stichtag 1. Dezember 2017 von 248 Betreuungsplätzen in Lübbenau für Kinder im Alter von unter einem Jahr bis drei Jahre zwar nur 234 genutzt. Insgesamt aber gebe es in der Spreewaldstadt sogar 388 Kinder in dieser Altersgruppe. Bedeutet: 140 Jungen und Mädchen blieben unversorgt, würden alle Eltern den Anspruch einfordern. Die Tendenz sei eher noch steigend, so Claudia Schultz. Die Arbeitsmarktsituation und angekündigte sozialpolitische Maßnahmen wie die Elternbeitragsbefreiung ließen darauf schließen. Andererseits dürften viele Mütter oder Väter weiterhin die Elternzeit in Anspruch nehmen. All das bedenkend hält man im Rathaus 30 bis 60 zusätzliche Plätze für ausreichend.

In dieser Situation kann sich die Stadt glücklich schätzen, über die ehemalige Kita „Diesterweg“ verfügen zu können. Das Gebäude leistete bereits gute Dienste, als dort die Kinder aus der Kita „Wichtel“ vorübergehend betreut werden konnten. In der Zwischenzeit konnte deren eigentliche Tagesstätte in der Friedrich-Engels-Straße modern ausgebaut werden. Kurzfristig bis August, ist man im Rathaus sicher, könne in dem Gebäude eine Kita „Zukunft“ mit 30 Plätzen eingerichtet werden. Vier Erzieher- und eine Leiterstelle müssten dazu geschaffen, weiterhin 40 000 Euro unter anderem für Mobiliar und Beschäftigungsmaterial angeschafft werden.

Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine schnelle Zwischenlösung. Dauerhaft soll die Kita „Zukunft“ in der Noch-Traugott-Hirschberger-Grundschule in der Poststraße untergebracht werden. Entsprechend der bereits beschlossenen Schulentwicklungsplanung für Lübbenau ziehen die Grundschüler in das benachbarte größere Jenaplanhaus. Die alte Schule soll als Hort der Grundschule genutzt werden. Wobei aber noch genügend Platz wäre für die Kita „Zukunft“. So viel Platz, dass die Kapazität hier von 30 auf 60 Plätze aufgestockt werden könnte. Entsprechend müssten drei weitere Erzieher eingestellt und nochmals 45 000 Euro für ergänzende Möblierung und Ausstattung ausgegeben werden.

Aus Sicht von Claudia Schultz und des stellvertretenden Bürgermeisters Rainer Schamberg hätte der Standort mit seiner zentralen und dennoch ruhigen Lage einiges für sich. Die Stadt ist Eigentümer. Das Gebäude verfüge über genügend Räume, die bei Bedarf zusätzlich genutzt werden könnten. Das Außengelände sei bereits kindgerecht gestaltet und müsse nur geringfügig verändert werden. Das pädagogische Konzept für die neue Einrichtung solle die Leiterin vorlegen, so Rainer Schamberg. Es stritt nicht ab, dass eine gewisse „Eilbedürftigkeit“ bestehe und man etwas unter Druck stehe. Es wäre gut, wenn es im Mai für eine Beschlussvorlage im Hauptausschuss grünes Licht gibt.

Die Stadtverordneten sahen das auch so. Schon jetzt, so Norbert Badack (CDU), komme das Betreuungspersonal in den Kitas an seine Grenzen. Ob so schnell so viel Personal zu bekommen sei, fragte Roswitha Schier (CDU). Hier wies Rainer Schamberg auf den guten Ruf Lübbenaus als Kita-Standort hin und auf die guten Kontakte zum Ausbilder AWO. Dennoch sagte die Landtagsabgeordnete: „Wir schlagen ganz schön mit den Flügeln.“ Dabei erinnerte sie an den gescheiterten Versuch, eine Kita in Eisdorf einzurichten. Jörg Renaud (Linke) interessierte, was aus der ehemaligen Kita „Diesterweg“ wird, nachdem die Kita „Zukunft“ dort wieder auszieht. Rainer Schamberg wies auf die noch anstehende Sanierung der Einrichtung „Spiel und Spaß“ in der Neustadt hin. Kinder und Erzieher dort könnten dann ebenfalls zwischenzeitlich im Lindenweg untergebracht werden.