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| 01:29 Uhr

Lübben will „Betonkopf“-Kritik nicht auf sich sitzen lassen

Lübben. Als aus dem Zusammenhang gerissen und „der Sache nicht dienlich“ hat Lübbens Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU) die Gründe für die Nominierung zum „Betonkopf 2010“ durch den Allgemeinen Behindertenverband Brandenburgs zurückgewiesen. Der Verband hatte der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald vorgeworfen, bei der Sanierung des Schlossturms den Anbau eines Fahrstuhls verhindert zu haben (die RUNDSCHAU berichtete). Jan Gloßmann

Die Stadt Lübben als Eigentümer des Schloss-Ensembles sieht sich gleichermaßen im ,,Betonkopf"-Boot und will die Kritik nicht auf sich sitzen lassen.

Bretterbauer hält dem Verband vor: ,,Im Innern des Schlossturms wurde bis jetzt keine Sanierung oder Umgestaltung vorgenommen, sodass die Überlegungen zum Einbau eines Fahrstuhls auch noch nicht weiter und vertieft verfolgt werden konnten."

Dass der Turm nicht barrierefrei ist, sei bekannt. Vor der Außensanierung des Turms in den zurückliegenden zwei Jahren sei der Anbau eines Fahrstuhls geprüft worden. Das habe sich als bautechnisch sehr schwierig und aufwendig erwiesen. Probleme gebe es beispielsweise durch die Stärke der Wände, aber auch durch einen notwendigen Umbau-Aufwand im Innern des Turms. Mit einem Außenfahrstuhl, so Bretterbauer, könnten Betroffene nur den Wappensaal erreichen, nicht jedoch das Eheschließungszimmer und das Galeriegeschoss.

Diese Lösungsmöglichkeit sei mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises diskutiert worden. Diese habe jedoch ,,mündlich eine Zulässigkeit des Vorhabens nicht in Aussicht gestellt" - genau das hat der Behindertenverband moniert.

Laut Bretterbauer seien die Pläne danach nicht mehr weiter verfolgt worden, zumal der Einbau eines Fahrstuhls oder Treppenliftes im Innern des Turms ,,weiter geprüft werden muss". Dies sei einer betroffenen Lübbenerin umfassend mitgeteilt worden. ,,Der Verband verwendet jetzt nur einen Satz aus den Schriftstücken", so das Stadtoberhaupt.

Bretterbauer verwies außerdem darauf, dass das Schloss und der Marstall bereits behindertengerecht ausgebaut worden sind. Dort gebe es Fahrstühle, sodass Behinderte die Angebote ohne Hilfe erreichen können. Die Kosten allein für die Fahrstühle beliefen sich nach Angaben der Stadt auf 55 000 Euro (Schloss) und 38 000 Euro (Marstall). Der Bürgermeister machte deutlich, dass ein Fahrstuhl am oder im Schlossturm deutlich teurer werden würde. Am Turm werde Betroffenen durch den Betreiber TKS geholfen.

Der jährliche ,,Betonkopf"-Preis wird für 2010 am heutigen Montag in Potsdam vergeben. Der Verband will damit auf Ignoranz gegenüber den Belangen von Behinderten aufmerksam machen.