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| 18:45 Uhr

Musik
Polka kennt kein Pardon

 Die luxemburgische Band „Schëppe Siwen“ sorgt am Gleis 3 für ordentlich Stimmung bei Polkabeats.
Die luxemburgische Band „Schëppe Siwen“ sorgt am Gleis 3 für ordentlich Stimmung bei Polkabeats. FOTO: Philipp Brendel
Polkabeats gehen in die nächste Runde: Im Lübbenauer Gleis 3 heizt eine gute Mischung aus Folk, Polka, Rock und Ska dem Tanzvolk ordentlich ein. Nächstes Jahr geht es weiter. Von Philipp Brendel

Von wegen: Polka ist langweilig. Von wegen: Polka klingt nach öder Volksmusik. Das haben die Gäste der Konzertreihe „Polkabeats“, welche schon vergangenes Wochenende in Lübben und Cottbus für Stimmung sorgte, auch in Lübbenau am Samstagabend auf eine bizarre Art erfahren dürfen.

Bizarr, weil sich die immense musikalische Bandbreite des modernen Polkasounds in kein eintöniges Schema pressen lässt. Dafür ist schon die erste Band des Abends das Paradebeispiel. Die luxemburgische Band „Schëppe Siwen“ eröffnet die Tanzfläche mit einer Gewürzmischung aus Volksmusik, Ska, Polka, Rock und Folk. Schnell sind die Gäste angesteckt, die Musik brennt unter den Sohlen und die Füße können nicht mehr vom Tanzen abhalten werden. Auch wenn die luxemburgischen Songs nicht jeder versteht, so ist die Botschaft entscheidend: Gemeinsam Spaß haben und zusammen Abtanzen.

Mit ihrer kecken Spitzbübigkeit bringt die Band Stimmung unters Tanzvolk: „Sieben Bier für die Band – das wär super!“ – so fordert frech der Frontmann der Band für eine Erfrischung für die wilde Truppe. So locker geht’s auch weiter mit dem sogenannten „Song ohne Refrain“, bei welchem die Gäste aufgefordert sind, ordentlich mit zu trällern. Zwischendurch wird auch ein bisschen Werbung gemacht für guten luxemburgischen Likör – speziell: Tannenzapfenlikör. Neben den treibenden Polkabeats, die selbst die Besucher auf den Bänken zum Hüpfen bringen, hält die Band einen Song bereit, der sogar auf der Titanic gespielt worden sein soll. Beweis? Braucht’s nicht! Immerhin heißt ja der Song „Titantic“ – kontert die Band ganz gewieft. Für die Gäste, welche schon nach der ersten Runde ausgepowert waren, spielt die Band zum Abschluss das passende Lied „Bin ich im Arsch.“

Zur Stärkung gibt es dazwischen entsprechend zur Musik Polka-
bratwurst, Polkaburger oder heiße Polkasohle – letzteres: ein deftiges Steak. Doch verschnaufen ist nicht angesagt: Mit der achtköpfigen Leipziger Band „Batiar Gang“ geht es in die zweite Runde: Die Geige fiedelt, das Akkordeon klimpert, die Trompeten geben ihren Senf dazu. Mit ihrem ausgelassenen Charme treiben sie es wild mit dem Tanzvolk bis Sonnenuntergang und weit in die Nacht.

„Das ist eben richtige Rumtobmusik“, sagt der Cottbusser Ralf Wolf begeistert. Er selbst ist durch das osteuropäische Filmfestival auf den Geschmack des Polkasounds gekommen und genießt den Reiz dieser Musik: „Es geht schnell und gut in die Beine und mir gefällt auch das Schräge an dieser Musik. Es ist Musik, die sich niemals in eine Schublade stecken lässt. Ich freue mich jedes Jahr wieder auf die Polkabeats.“ Auch Anke Rudolph ist extra aus Cottbus gekommen, um den Charme der Musik aufzunehmen: „Es ist der internationale Charakter, welcher mir so gut daran gefällt“. Früher verband sie mit dem Begriff „Polka“ das Klischee von Volksmusik, bis sie vor ein paar Jahren durch den modernen Polkasound angesteckt wurde: „Das hat wirklich mein Klischee von Polkamusik aufgelöst.“ Zudem sei es eine tolle Möglichkeit eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne zu schlagen, um der Jugend zu verdeutlichen, dass Volkstümliches immer noch mitreißend sein kann.

Dass die Polkabeats in den mittlerweile zehn Jahren ihres Bestehens ein Publikum in allen teilnehmenden Städten Cottbus, Lübben, Luckau und Lübbenau begeistert, zeigt sich auch in der zunehmenden Resonanz über die Jahre, wie Queenie Nopper, Mitorganisatorin im Kulturhof „Gleis 3“, verdeutlicht: „Die Musik birgt jedes Mal eine Überraschung. Polka ist und bleibt die ausgelassene beschwipste Cousine der Musik.“

Wer von den Tanzwütigen noch nicht genug vom Feiern hatte, bekam am darauffolgenden Sonntagmorgen die Gelegenheit nochmals das Tanzbein zu schwingen. Mit Frühschoppen um 10 Uhr, gehen die Polkabeats für die Fitgebliebenen in eine weitere Runde mit der Band „Jindřich Staidel Combo“, die mit ihrem tschechischen Charme und gewitzter Komik in den Tag begleiten. Und alle Polkabeatsfans können sich freuen, denn auch schon die nächste Konzertreihe für 2020 ist in Planung – orientiert wieder gegen Ende Mai, als schräg-würziger Auftakt in den Sommer.

 Die luxemburgische Band „Schëppe Siwen“ sorgt am Gleis 3 für ordentlich Stimmung bei Polkabeats.
Die luxemburgische Band „Schëppe Siwen“ sorgt am Gleis 3 für ordentlich Stimmung bei Polkabeats. FOTO: Philipp Brendel