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| 18:28 Uhr

Wanderungsbewegungen im Spreewald
Luckau tanzt bei Zuzügen aus der Reihe

 Umzug
Umzug FOTO: LR / Schubert
Lübben/Lübbenau/Calau/Luckau/Unterspreewald. Im gesamten Spreewald wird ein Plus an Bürgern gemeldet. Lübbenau ist dabei besonders attraktiv für Polen. Die Berstestadt bildet aber eine Ausnahme. Von is/abr/rdh/dpr

Als im Amtsausschuss vor etlichen Jahren die Pläne für die Kita Regenbogen in Lübben auf den Weg gebracht werden sollten, wurde sie platzmäßig deutlich verkleinert. Und das war schon ein Kompromiss. Eine vehement vorgetragene Forderung von damals hieß, angesichts der allgegenwärtigen Prognose sinkender Einwohnerzahlen dorthin eine Pflegeeinrichtung zu bauen.

Knapp 20 Jahre später hat sich das Bild komplett gewandelt. Die heutige Kita platzt seit Jahren aus allen Nähten und steht ebenso wie die benachbarte Schule vor der Erweiterung. Doch wie sieht diese neue Realität im Spreewald-Vergleich aus?

Lübben zielt auf die 15 000 Einwohner im Jahr 2030. Anfang 2018 zählte die Paul-Gerhardt-Stadt 14 134 Einwohner, Ende des vergangenen Jahres waren es 14 202. Betrachtet man nur die Kernstadt ohne Ortsteile, beträgt das Plus aus Geburten- und Sterbefälle, Zuzügen und Wegzügen 70 Personen. Mit den Ortsteilen sind es 64. Das bedeutet, dass das Wachstum in dieser Momentaufnahme nicht gleich verteilt ist. Radensdorf zum Beispiel hat 2018 eher Einwohner verloren. Lubolz dagegen ist gewachsen – und ist auch der Ortsteil, der über einen eigenen Bahnanschluss verfügt und der Autobahn am nächsten gelegen ist.

Deutlich wird in der Statistik, dass die Sterbefälle nach wie vor die Geburtenzahlen übersteigen. Allein in Calau sind 2018 dreimal so viele Menschen verstorben (145) wie geboren worden (55). Bei den Ausländern geht die Sterberate gen Null, was nicht verwunderlich ist, kommen doch eher junge Menschen aus fernen Ländern in den Spreewald. Die reinen Zuzüge liegen in der Witzestadt insgesamt mit 353 deutlich über denen der 288 Wegzüge. Nahezu konstant geblieben ist in Calau die Einwohnerzahl mit 7839 Ende 2018, zum Jahresbeginn 2018 waren es 25 mehr. In Lübben gab es im vergangenen Jahr 659 Zuzüge, was die Zahl der Wegzüge ebenfalls deutlich übersteigt (485). Der „Gewinner“ der innerspreewäldischen Wanderungsbewegungen ist Lübbenau. 26 Lübbener schnürten 2018 ihre Bündel und zogen in die Schwesterstadt. Schaut man auf die Ausländer, so sind aktuell 375 Polen in Lübbenau gemeldet, heißt es aus dem Rathaus. Aus keinem anderen Land gab es auch nur annähernd so viel Zuzug. Polen ist das nächstgelegene Nachbarland, und vor allem in der Logistikbranche gibt es in der Stadt Arbeitskräftebedarf. Bei Kaufland Logistik kommt nach Angaben von Geschäftsführer Martin Zock ein Großteil der 400 mit Werkvertrag Beschäftigten aus Polen. Wie Waldemar Lesnik weiß, arbeiten viele Polen in Lübbenau aber auch im Logstikzentrum von Edeka in Mittenwalde, 40 Minuten Fahrzeit im Auto von Lübbenau entfernt. Außerdem finden junge Polen Jobs in Gastronomie und Wäscherei.

Im Vergleich zum OSL-Kreis ist im Landkreis Dahme-Spreewald die Wanderungsstatistik deutlich erfreulicher. Zwischen Lübben und Wildau sind laut den Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 1256 mehr Menschen zu- als weggezogen. Der OSL-Kreis kann für diesen Zeitraum aber immerhin auch ein kleines Plus verzeichnen: Den 1245 Zuzügen stehen nur 1089 Wegzüge gegenüber. Etwa die Hälfte der Menschen, die im ersten Halbjahr 2018 in den OSL-Kreis gezogen sind, haben zuvor bereits im Land Brandenburg gelebt.

Etwas anders sieht es für Dahme-Spreewald aus. Fast zwei Drittel der Zuzügler dort haben zuvor nicht im Land Brandenburg gewohnt. Das könnte auf Zuzug aus dem nahe gelegenen Berlin schließen lassen.

Fazit: Wer günstig an der Infrastruktur von Straße und Schiene liegt, wird um die Erweiterung seiner Kapazitäten für die Einwohner nicht herumkommen. Dieser Prozess hat bereits begonnen.

Etwas hinten an steht bislang noch Luckau. Nach einigen Jahren mit Bevölkerungswachstum ist die Zahl der Einwohner 2018 erstmals wieder leicht gesunken. Laut Einwohnerstatistik sind es aktuell 9640 (Stand: 13. Dezember) inklusive Ortsteile – 127 weniger als das Jahr zuvor. Stellt man Wegzug und Zuzug gegenüber, so hält sich die Wanderung beinahe die Waage, wobei der Wegzug mit 552 leicht überwiegt. Dennoch sind 495 Personen nach Luckau gezogen. Dabei profitiert die Stadt vor allem von der Nähe zu Berlin. Ein Zehntel der Zuzügler stammt aus der Hauptstadt. Aber auch Lausitzer aus Cottbus (13), Golßen (12) oder Lübbenau (15) zog es in die Berstestadt.