Von Rüdiger Hofmann

Lübbenau ist das Vaterland der sauren Gurken. So schreibt es Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Spreewald-Christl nimmt das an diesem verregneten Donnerstagnachmittag wörtlich, holt einen Behälter hervor und bietet den Gästen des Rundgangs saure Gurken an. Eingeladen hatte LR-Reporter Daniel Preikschat zu einem „LR vor Ort“ auf den Spuren des Dichters in die Lübbenauer Altstadt. Der gereichte Spreewald-Bitter wandert in die Tasche, man ist ja im Dienst.

Begleitet wird Christl, die sonst zweistündige thematische Fontane-Spaziergänge für die Gäste anbietet, von Daniel Schmidgunst von der Touristinformation und Stefan Heinz, Direktor des Spreewald-Museums sowie einigen Bürgern aus Groß und Klein Klessow. Die Kulturbeflissenen unter uns wissen: Fontane hat 1859 vom 6. bis 8. August Lübbenau einen Besuch abgestattet. Seinen Spuren folgt der Tross um Spreewald-Christl, vorbei geht es am Rathaus der Stadt und in die Nikolaikirche.

Später wird der Dichter die Reise in poetischer Lautmalerei zusammenfassen. „Fontane hatte einen besonderen Schreibstil, er nutzte viele Adjektive, schrieb sehr detailreich, und auf einen Hauptsatz folgte Nebensatz um Nebensatz“, so Spreewald-Christl, die beim Rundgang immer wieder aus historischen Dokumenten zitiert, Fotos zeigt, Gedichte reimt und in besagter Kirche auch einen Gesang anstimmt.

So beschreibt Theodor Fontane die Spreewälder des 19. Jahrhunderts

Der Gottesdienst hat es Fontane seinerzeit besonders angetan, über die dort anwesenden Leute schreibt er in kaum nachzuahmender Weise: „Ein männlicher Ausdruck ist vorherrschend, auch bei den Frauen. Mager, streng, lederfarben, in Ausdruck und Haltung voll Würde, erinnerten sie mich an die Unkas und Chingachgooks, womit die Cooperschen Romane vor fast 30 Jahren unsere Phantasie bevölkerten.“

So zitiert es auch Spreewald-Christl, bevor es weiter geht Richtung Topfmarkt und Torbogen. Auch das ist historisch verbrieft: „Wir fahren durch den hochgewölbten Torweg eines Hauses, das nebenbei die Dienste eines Stadttors verrichtet, in Lübbenau hinein.“

Im Spreewald-Museum kehrt die Gruppe ein, es gibt eine interessante Diskussionsrunde darüber, welche Strahlkraft das Fontanejahr auf Besucher hat. Doch auch Einheimische sollen den Dichter neu entdecken. „Fontane ist heute noch Lesestoff an Schulen“, heißt es aus dem Publikum. John Maynard sei leichter zu lernen als Goethes Faust, und eine Effi Briest sowieso zeitlos. Den heutigen Tourismus mit damals vergleichen, könne man aber nicht.

Im März 2019 beginnt die Sonderausstellung zu Fontane in Lübbenau

„Fontane lebte ja auf einer Ebene der Kultur, auf der sich nicht viele bewegten“, so eine Zuhörerin. Bei seinen Streifzügen durch die Mark hat der Dichter auch nicht die heutigen Hilfsmittel wie Digitalkamera oder Smartphone nutzen können. „So war er ja gezwungen, mit bloßem Auge zu beobachten und später zu beschreiben“, sagt Stefan Heinz, der zugleich auf die Sonderausstellung „Fontane erlesen“ hinweist, die vom 30. März bis 31. Oktober im Freilandmuseum in Lehde stattfindet. „Textfragmente und Zitate Fontanes im Kontext der Lebensumwelt um 1900 können sich Besucher beim Spaziergang durch das historische Spreewalddorf an authentischem Ort erschließen“, so Heinz. Fotografien aus der Zeit lassen die Texte lebendig werden.

Auch Daniel Schmidgunst von der Touristinformation erhofft sich durch den diesjährigen Rummel um den Dichter mehr Besucher. „Wir stellen Fontanes damalige Kahnfahrt vom Großen Spreewaldhafen zum Gasthaus Eiche im Hochwald nach“, sagt Schmidgunst. Wie seinerzeit zu sechst und mit kleinem Proviantkorb an Bord wird gereist. „Im Gasthaus wird dann der von Fontane einst so hochgelobte Hecht in Spreewaldsoße serviert“ (Rezept siehe Infobox).