Unter den Sängern ist auch ein Junge mit blonden Haaren, offenem Gesicht und klarem Blick. Einer der Söhne Katharinas. Viel mehr als diese Gesangseinlage jedoch hatte der kleine Louis Christiansen in dem Film leider nicht. Und dann musste er noch diese ungemütliche spätmittelalterliche Kleidung tragen. "So einen komischen Wams", erzählt er bei einem Treffen mit der RUNDSCHAU im Friseursalon seiner Mutter in der Lübbenauer Karl-Marx-Straße. Andere Rollen hätten ihm besser gefallen. Diejenigen mit mehr Sprechanteil. Zum Beispiel bei "Kreuzfahrt ins Glück". Da spielte er den kleinen Marius, um den sich Adoptivmutti und richtige Mutti streiten.

Was bei Louis sofort auffällt, ist seine Ungezwungenheit und sein Redetalent. Vater Thilo Christiansen drückt es etwas weniger schmeichelhaft aus: "Er plappert unheimlich viel. Und er geht gern auf Menschen zu." Genau diese Eigenschaften sind auch dem Spreewaldkrimi-Drehteam aufgefallen, als Louis, gerade vier, in Lübbenau als Komparse mitgemacht hat. Das Produktionsteam suchte damals Kinder-Darsteller mit Fünfziger-Jahre-Frisur. Die Eltern fragten ihren Sohn, ob er Lust hat mitzumachen und ins Fernsehen zu kommen. Er hatte.

Auch heute noch. Auch noch nach fast 30 Drehtagen allein im vergangenen Jahr, unter anderem in Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Montenegro. Die Potsdamer Agentur Dietz Casting hat Louis als Kinderdarsteller gelistet. Das Casting (Auswahlverfahren) habe er damals mühelos durchlaufen, so der Vater, auch die folgenden für die jeweiligen Filme. Das Ehepaar Christiansen schaut indes schon darauf, ob die Filme auch ein gewisses Niveau haben, in denen ihr Sohn mitwirken soll, ob sie ernst zu nehmen sind. "Kreuzfahrt ins Glück", eine Sendereihe mit einem gewissen Kitsch-Anteil, sei da schon grenzwertig gewesen. Louis selbst sagt ganz ehrlich, der Film sei nichts für ihn. Er hat ihn sich auch noch nie ganz angesehen. "Der Fall Barschel", wo Louis den Sohn eines Reporters spielt, der Kurzfilm "Das Letzte" oder der Polizeiruf 110 Rostock mit Louis in der Rolle eines Hooligan-Sohns sind für Thilo Christiansen dagegen richtig gute Filme. Sein Sohn nickt zustimmend.

Hätte Louis nicht so viele Helfer, könnte er seinem schönen Hobby - denn nichts weiter ist es, so die Eltern - gar nicht nachgehen. Eltern und weitere Verwandte wechseln sich an den Drehtagen mit der Begleitung des Jungen ab. Die Traugott-Hirschberger-Grundschule, in der Louis die vierte Klasse besucht, erlaubt ihm die Abwesenheiten. Vor allem, weil der Schüler den Unterrichtsstoff, bisher jedenfalls, immer leicht aufholen konnte. "Lernen fällt ihm leicht", sagt Mutter Ricarda Christiansen, "er geht gern in die Schule." Darüber hinaus brauche er aber ständig "Futter für den Kopf". Seit er die Rollen spielt, ergänzt der Vater, sei das "Mathe-Kind" besser geworden beim Schreiben und Lesen. Sofort erzählt Louis, dass er gerade die Fantasy-Bücher "Percy Jackson" liest. Die Götter und Titanen, und was sie so anstellen, das findet er toll. Klavier spiele er aber auch gern, mit seinen Kumpels geht er schwimmen oder unternimmt mit ihnen irgendwas. Über seine Schauspielerei dagegen wird in der Schule und in der Freizeit gar nicht viel geredet. Louis selbst spreche das kaum an, sagt Thilo Christiansen: "Das juckt ihn gar nicht, dass er Kinderschauspieler ist."

Der 37-jährige Lübbenauer macht aber auch keinen Hehl daraus, dass sein Sohn vor der Kamera Kinderarbeit leistet. Eine Kinderarbeit allerdings, die streng überwacht wird. Höchstens fünf Stunden am Tag sind erlaubt. Jugendamt, Schule und Kinderarzt müssen grünes Licht geben. Höchste Kontrollinstanz sind die Eltern. Nur so lange Louis das auch will, Spaß daran hat und es seine schulische Leistungen nicht beeinträchtigt, dürfe er weiter schauspielern. Ein Beruf müsse daraus nicht werden. Mutter Ricarda vergleicht das mit Jungen, die gut Fußball spielen können, deswegen aber nicht gleich Profis werden. Dieses Jahr allerdings geht es erstmal weiter mit voraussichtlich wieder knapp 30 Drehtagen für das RTL-Serienpilotprojekt "Plötzlich Anwalt". Louis ist dabei, er wird Luca spielen - und freut sich schon drauf.