Von Daniel Preikschat

Einen ungewöhnlichen Minibagger-Einsatz gab es kürzlich im Gewerbegebiet im Lübbenauer Ortsteil Kittlitz zu beobachten. Reißen Minibagger sonst das Pflaster von den Gehwegen mit ihrer Schaufel auf oder graben Löcher, damit Leitungen verlegt werden können, verhielt es sich in diesem Fall mal ganz anders. Statt einer Schaufel war am Kranarm eine große rotierende Drahtbürste angebaut. Selbige ließ der Baggerfahrer über stark verunreinigtes Gehwegpflaster schrubben. Danach war der Gehweg sauber, befreit von Bewuchs und Ablagerungen. So zumindest sah es auf den ersten Blick aus.

Ein Jahr habe er gebraucht, um diese Pflasterbürste für den Mini-Bagger zu entwickeln, erzählt Sylvio Orsin. Der gelernte Autoschlosser ist Chef einer kleinen Firma für Verkehrs-, Landschafts- und Sportplatzbau in Boblitz, die auch einen Mini-Bagger-Vertrieb anbietet. Orsin klappt die Hecktür seines Autos hoch und holt einen Karton vor mit dicken Stahlseilenden. In regelmäßigen Abständen sind Aluminiumklammern angebracht. 27 solcher Stahlseilstränge, erklärt er, werden auf einen Drehteller montiert, der wiederum an den Kranarm eines Minibaggers angebaut.

Patent ist bereits angemeldet

In Kittlitz, wo Orsin für die Stadt Lübbenau knapp drei Kilometer Gehweg gesäubert hat, war ein 2,5-Tonnen schwerer Bagger im Einsatz. Er entwickle derzeit aber auch einen Drehteller für einen nur 1,2 Tonnen schweren Bagger. Mit dem komme man dann auch schmalere Weg lang, beispielsweise hin zu Hauseingängen von Wohnblöcken. Bei einer Vorführung sei der Straßenmeister der Stadt Lübbenau „begeistert“ gewesen. Auch mit der Wohnungsbaugenossenschaft in Lübbenau sei er schon ins Geschäft gekommen sowie mit mehreren Gastronomen in Lübbenau, deren Gehwege und Terrassen er mit seiner Erfindung gesäubert hat. Er bekomme nur „total positive Reaktionen“, sagt Orsin, der für seine Erfindung bereits ein Patent angemeldet habe. Das Verfahren laufe noch. Die Drahtstränge lasse er sich von einem Unternehmen im bayerischen Coburg anfertigen. Vertraglich sei geregelt, dass mit dieser Spezialanfertigung nur die Boblitzer beliefert werden dürfen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Wer sich im Internet umschaut, stößt auf viele verschiedene Angebote von Firmen, Pflasterflächen zu säubern. Zum Beispiel wird eine Heißwassermethode mit integrierter Schmutzabsaugung angepriesen, Hochdruckverfahren und Reinigungsmittel. Ein so genannter „Wildkrautbesen“ ähnelt der Konstruktion von Orsin ein wenig. Für den Hausgebrauch gibt es auch Pflasterbürsten-Aufsätze für Akkuschrauber, Motorsensen, Freischneider oder Handbohrmaschinen.

Der Boblitzer Autoschlosser ist sich sicher, in der Region mehr als genug Aufträge zu bekommen. Er werde weitere Mitarbeiter benötigen, vor allem Baggerfahrer. Zumal er noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten sieht. Mit der Mini-Bagger-Pflasterbürste können auch Stufen und Schrägen gereinigt werden, Parkplätze, die Böden von Abfallbehälterhäuschen. Orsin kann sich auch vorstellen, verunreingte Wände beispielsweise von Kirchen zu säubern oder mit dem Mini-Bagger Hecken zu schneiden. Wer will denn solche Arbeiten noch manuell ausführen, sagt er. Gerade in einer Region, in der immer mehr ältere Menschen leben, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Das Gute sei ja auch, dass er keine Chemie einsetzt. Die Technik sei weitestgehend umweltschonend. Nach dem Bürsten müsse freilich noch die Kehrmaschine über die Pflasterflächen fahren. Und der Bagger, der braucht heute noch Dieselkraftstoff.