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LMBV schlägt in Altdöbern eine Welle des Protests entgegen

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn waren alle Sitzplätze im Altdöberner Schützenhaussaal belegt.
Bereits eine halbe Stunde vor Beginn waren alle Sitzplätze im Altdöberner Schützenhaussaal belegt. FOTO: uhd1
Altdöbern. Was genau passiert am Altdöberner See? Bei einer Info-Veranstaltung der Gemeinde und der LMBV ist die aktuelle Situation in und um Altdöbern erörtert worden. Neben den Themen Grundwasserwiederanstieg und dem Bau des davor schützenden Südgrabens sorgten vorgetragene Überlegungen einer möglichen Einleitung von Eisenhydroxidschlamm (EHS) für heftige Anschuldigungen und Wortwechsel. Uwe Hegewald/uhd1

Dem massiven Ansturm auf den Schützenhaussaal war es geschuldet, dass die Veranstaltung mit etwas Verspätung begonnen werden musste. Viele Zuhörer hockten auf dem Parkett oder verfolgten die Informationen und bisweilen heftigen Dialoge im Stehen.

Gernot Lindemann aus Pritzen sah in der "ungenügenden Informationspolitik durch LMBV, Amtsverwaltung und Gemeindevertretung" die Gründe für das Besucherinteresse. Diesen Vorwurf ließ Altdöberns Bürgermeister Peter Winzer (SPD) nicht auf sich sitzen. Er konterte mit einer Stellungnahme des Gemeindeparlaments: "Die Abgeordneten lehnen die in Erwähnung gezogenen EHS-Vorhaben am Altdöberner See einstimmig ab. Im Namen der Gemeindevertreter und der Bürger der Region fordern wir die LMBV auf, andere Lösungen zu verfolgen."

Winzer haderte, dass der Ort bis heute die Folgen der DDR-Energiewirtschaft zu ertragen habe und das mit dem aktuellen Bau von riesigen Windkraftanlagen vor den Toren der Gemeinde erneut ins Landschaftsbild eingegriffen werde. "Immer separat betrachtet und ungeachtet der Belastungen für die Anwohner", kritisierte er. "Was ist ihnen der See wert? Sie opfern diesen, dabei sollten sie keinen einzigen See opfern", beklagte Matthias Heinrich (Berlin).

"Von Opferrolle kann keine Rede sein", antwortete Eckhard Scholz. Der Bereichsleiter Technik bei der LMBV betonte: "Es gibt keine Handlungsrichtung, die wir heute vorgeben. Wir sind hier, um Fragen zu beantworten und Lösungsvarianten im Umgang mit EHS darzustellen."

Demnach stünden für die jährlich rund 200 000 Kubikmeter anfallenden EHS-Mengen neben der Vermeidung, dem Verwerten und Deponieren auch EHS-Verspülungen im Raum. Im Spreetaler See werde das Verfahren seit 1998 erfolgreich praktiziert. Eckhard Scholz räumte aber auch ein: "Genehmigungsprozesse werden lang und nicht einfach."

Der von der Bürgerinitiative (BI) Altdöberner See hinzugezogene Berliner Rechtsanwalt Tim Stähle zeigte sich überrascht vom aktuellen Wissensstand der LMBV: "Wenn es sich erst um ein Konzept handeln soll, erstaunt es, dass sie schon jetzt mit Zahlen operieren können", befand er (siehe: Zum Thema).

Der Anwalt forderte, "den aktiven Prozess im Internet transparent zu machen". Zustimmung und heftigen Applaus ernteten die Altdöberner Gerd Lau, Olaf Mehnert und der Vetschauer Winfried Böhmer für die Forderung, EHS in die Kippen aktiver Tagebaue einzubringen. Diese Lösung werde vom Aktionsbündnis "Klare Spree" als bevorzugte Variante 2 unterstützt, so der Bündnisgrüne Böhmer.

An erster Stelle stehe das Deponieren des Schlammes, um aus diesem Überbleibsel später eventuell wertvolle Rohstoffe zu gewinnen. Wie Uwe Neumann vom Landesbergamt erklärte, biete das Bodenschutzrecht keinen gesetzlichen Rahmen EHS in aktive Tagebaue zu verbringen. "Wir werden das Thema aber noch einmal aufgreifen", beteuerte er und bekräftigte: Wir können davon ausgehen, EHS ist kein gefährlicher Abfall.

"Dann lasst ihn doch da, wo er ist", schallte es aus der Menge. Lutz Rebohle mahnte alle Entscheidungsträger und kündigte an: "Sie können mit dem erbitterten Widerstand der Bevölkerung rechnen."

Zum Thema:
Nach jetzigem Erkenntnisstand würde die Einleitung von EHS rund 72 000 Kubikmeter im Jahr betragen. Bei einer Sedimenterhöhung von etwa fünf Zentimetern pro Jahr würde das Speichervolumen des Altdöberner Sees für mehr als 500 Jahre reichen. Das entspräche rund fünf bis zehn Laster-Fahrten am Tag. Die bündnisgrüne Landtagsfraktion kritisiert die Pläne zur Verklappung und moniert die "Politik der Geheimhaltung" durch den Bergbausanierer. "Ökologisch intakte Seen mit gutem pH-Wert und wenig Eisenbelastung sollten nicht zu Abfallseen des Bergbaus verkommen", sagte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion Benjamin Raschke am gestrigen Freitag. Der Bergbausanierer stehe in der Pflicht darzulegen, warum man genau diesen See zur Endlagerung nutzen wolle.