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Hallo Nachbar
Lindengrün an der ehemaligen Krawall-Piste

Roland Schleuß genießt die Momente in seinem Billard-Paradies. Garage und Werkstatt hat er zu einer wettkampffähigen Anlage umgestaltet und Lindenfeld über die Grenzen der Gemeinde Neu-Seeland hinaus bekannt gemacht.
Roland Schleuß genießt die Momente in seinem Billard-Paradies. Garage und Werkstatt hat er zu einer wettkampffähigen Anlage umgestaltet und Lindenfeld über die Grenzen der Gemeinde Neu-Seeland hinaus bekannt gemacht. FOTO: Uwe Hegewald
Lindenfeld. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Lindenfeld. Von Uwe Hegewald

Die RUNDSCHAU-Dörferserie „Hallo Nachbar“ neigt sich dem Ende. Nicht der imposanteste, einwohnerstärkste oder erfolgsverwöhnteste Ort bei „Unser Dorf hat Zukunft“ bildet den Abschluss, sondern Lindenfeld. Immerhin trägt die Siedlung bei Bahnsdorf in seiner Ortsbezeichnung den Namen des Lausitzer Charakterbaumes: die Linde. Stattliche Exemplare zieren das Dorf, das so manche Kuriosität bereithält und von der eine gleich am Ortseingang zu erleben ist: So liegen sich das erste und das letzte Wohngrundstück mit den Hausnummern 1 und 18 vis-á-vis gegenüber. Eigentümer der Zwillingsgrundstücke sind Renate und Roland Schleuß, die mit zuverlässiger Regelmäßigkeit für neue Lindenfelder Kuriositäten sorgen.

Mit ihren Brieftauben tragen sie dazu bei, dass das Bild von kreisenden Formationen über Dorfdächern erhalten bleibt, das vielerorts bereits verloren ist. Auch hält und züchtet das Paar seit vielen Jahren Pfaue. Als älteste Ziervögel wurden sie bereits in den Sagen der griechischen Antike erwähnt. „Uns ist sogar schon Spektakuläres gelungen“, sagt Roland Schleuß und erzählt von einer Aufzucht, die sogar die Fachwelt aufhorchen ließ. So habe ein Pfauenweibchen außerhalb des Grundstückes gebrütet und wurde Opfer eines Raubtieres. Kurzerhand wurden die Eier unter einer Hühnerglucke geschoben, die den Job vorbildlich ausübte. „Sogar bei der Aufzucht des dreiköpfigen Nachwuchses zeigte sich die Glucke als äußerst zuverlässig. Gegenüber normalen Hühnerküken, die sich vom ersten Tag an selbst ihr Futter suchen, werden Pfauenküken ähnlich wie bei Singvögeln vom Muttertier gefüttert“, erklärt Roland Schleuß die komplizierten Zusammenhänge. Jedoch nicht zu kompliziert für die Lindenfelder Tierliebhaber, auf deren Hof neben Tauben, Pfauen und Hühnern auch noch Enten, Kaninchen, Katzen und Hund „Fels“ leben. „Trotz Abgeschiedenheit lebt es sich ganz gut in Lindenfeld. Die Post kommt täglich, das Bäckerauto zweimal wöchentlich, freitags der Fleischer und die Müllabfuhr vergisst uns auch nicht“, teilt Renate Schleuß mit.

Wer nicht mehr kommt, sind russische Soldaten vom benachbarten, ehemaligen Militärstützpunkt, dem heutigen Flugplatz Welzow. „Gelegentlich haben sich Soldaten vom Objekt weggeschlichen und sich nicht genehmigten Ausgang verschafft“, erinnert sie sich. Über Jahrzehnte bestimmte der Flugplatz das Leben in Lindenfeld, wo an Flugtagen das eigene Wort nicht mehr zu hören war. „Mit dem Abzug der Truppen ist Ruhe eingekehrt, es sei denn, dass einer der Kunstflieger trainiert und den ganzen Tag für Lärmbelästigung sorgt“, skizziert Roland Schleuß die aktuelle Flugplatzsituation.

Über Lindenfeld hinaus ist er als handwerkliches Supertalent bekannt, was auf seine Leidenschaft für den Billardsport zurückzuführen ist. Bereits im Jugendalter vom Kegel-Billard fasziniert, errichtete er seinen eigenen Billardraum. Wie er berichtet, hat er im Winter 1998 die ehemalige Garage zur Spielstätte verwandelt – inklusive Tresen/Bar und einem abgeschlossenen Clubraum für Zuschauer, die den Spielverlauf hinter einer langgezogenen Glaswand verfolgen können. „Anfang 2016 ist noch die Werkstatt geopfert worden, um darin ein Poolbillard aufzustellen“, erzählt Roland Schleuß mit nachvollziehbarem Stolz. Als eine Sektion des SV Blau-Weiß Bahnsdorf spielen die Lindenfelder „Kegel-Billardiere“ aktuell in der Kreisliga Finsterwalde/Senftenberg des Kreisfachausschusses (KFA) Niederlausitz. Laut Sektionsleiter Schleuß sind es Seelenverwandte aus Hörlitz, Schipkau (beide Oberspreewald-Lausitz) sowie aus Kirchhain, Finsterwalde, Sonnewalde und Lindena (alle Elbe-Elster), mit denen sich die Lindenfelder und Bahnsdorfer die Billard- Queues kreuzen.

„Zuletzt durften wir die KFA-Einzelmeisterschaften mit 33 Spielerinnen und Spielern im Nachwuchs-, Frauen- und Männerbereich austragen, wie auch den Regional-Pokalwettbewerb“, erzählt der passionierte Kegelbillard-Sportler. Von den angereisten Teilnehmern und Betreuern haben wir große Anerkennung erhalten“, sagt er zurückblickend. Das Lob richteten die Gäste an die Anlage sowie an die Rundumversorgung. „Wenn Turniere anstehen, genügt ein Anruf und schon steht Helga Lache auf der Matte. Gemeinsam machen wir uns ans Werk, um unsere Gäste zu Mittag, zur Kaffeetafel oder zum Abendessen angemessen zu verpflegen“, erzählt Renate Schleuß. Sie gilt als ein Urgestein von Lindenfeld, das früher auch Vorwerk genannt wurde. Die Erwähnung einer ursprünglichen Schäferei reicht bis in das Jahr 1731 zurück.