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Lieke besteht auf Honorar für Studie

Honorar und Ehrenamt: Erwin Lieke (l.) will für seine Studie Honorar. BI-Sprecher Uwe Pielenz stützt diese Forderung nicht.
Honorar und Ehrenamt: Erwin Lieke (l.) will für seine Studie Honorar. BI-Sprecher Uwe Pielenz stützt diese Forderung nicht. FOTO: jg
Lübbenau. Der Lübbenauer Bauingenieur Erwin Lieke hat seine Forderung nach Honorar für seine Ideen zu den Bahn-Lösungen bekräftigt. Er beziffert sie auf knapp 10 000 Euro. Doch selbst die Mitstreiter in der Bürgerinitiative sehen den Vorstoß skeptisch. Jan Gloßmann

"Ich lasse da nicht locker." Erwin Lieke nimmt seinen Hut - und mancher wünscht sich wohl, dass dies nicht ausschließlich wörtlich gemeint und auf den Mittwochabend gemünzt ist. Der Lübbenauer Bauingenieur hat erneut die Fragestunde der Stadtverordnetenversammlung genutzt, um auf die seiner Ansicht nach gerechtfertigte Forderung nach Honorar für seine Ideen zu den Bahn-Lösungen in Lübbenau zu verweisen. Doch der Ton wird rauer: "Mein geistiges Eigentum ist ungerechtfertigt in Anspruch genommen worden."

Bürgermeister Helmut Wenzel als derart Angesprochener will solche Sätze nicht überbewerten. Er bleibt bei der Auffassung der Kommune: "Es gab und gibt kein Vertragsverhältnis." Somit ließen sich auch keine Honorarforderungen ableiten. Die Deutsche Bahn reagiert ähnlich zurückhaltend: In die Planungen seien "eine Vielzahl von Ideen und Lösungsvorschlägen eingeflossen", die fortlaufend und in vielen Diskussionen erarbeitet worden seien. Die Bahn könne und wolle "nicht bewerten, welche konkreten Sachverhalte dabei Herrn Lieke zuzuordnen sind", so ein Sprecher.

Derzeit vermag niemand zu sagen, ob aus Liekes Forderung ein juristisches Problem entsteht oder ein moralisches Dilemma.

Lieke nimmt für sich in Anspruch, der Stadt in der lange blockierten Diskussion über mögliche Umbauten an den Bahnübergängen "über die Hürden geholfen" zu haben. Unbestritten ist, dass die Ideen und Lösungsvorschläge des Rentners und Bauingenieurs vor nunmehr sechs, sieben Jahren manch Bremse lösten. In der RUNDSCHAU sind sie im Januar 2009 als "bahnbrechend" bezeichnet worden. Niemand stellt in Abrede, dass Erwin Lieke gehörig zu den Lösungen beigetragen hat. Honorarforderungen aber gehen selbst den Mitstreitern in der Bürgerinitiative "Drüber oder drunter" zu weit. Sprecher Uwe Pielenz: "Wir verstehen unser Engagement als freiwillige Leistung für die Stadt. Da verlangt man kein Geld." Liekes Forderung - er ist Mitglied der BI - werde somit von der Initiative nicht unterstützt.

Lieke sagt, er habe seine Idee in eine Studie vom März 2007 gegossen, die den Vorgaben der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure entsprechen. Daraus leitet er seine Forderung ab, die sich auf etwa 10 000 Euro belaufen. Diese Forderung habe er jedoch erst im vergangenen Jahr erheben können. "Es musste erst die Kreuzungsvereinbarung unterzeichnet sein." Die Unterschriften gab es Ostern 2013; mit der Kreuzungsvereinbarung zwischen Bahn, Landkreis, Land und Stadt gilt die Finanzierung des voraussichtlich etwa 27 Millionen Euro teuren Vorhabens als gesichert. Seine Rechnung sei aber abgelehnt worden, dabei - so hat es Erwin Lieke in einem Rechtsratgeber gefunden - komme ein Vertrag "durch Angebot und Annahme" zustande. Doch auch das ist, wie so vieles in der Geschichte, äußerst strittig.

Man habe sich, sagt ein Beteiligter, durchaus vorstellen können, nach dem Bau einen Straßenabschnitt nach Erwin Lieke zu benennen und so seinen Anteil nochmals und für lange Zeit zu würdigen. "Das reißt er gerade ein." Lieke aber will weiterkämpfen, um Anerkennung und Geld.