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| 02:32 Uhr

Lichtenauer pflanzen Baum mit Zukunft an der Tagebaukante

Arbeitsteilung – kräftige Männer schippen, Rudolf Latarius (Mitte) und Michael Stein (l.) achten darauf, dass die Eiche geradesteht.
Arbeitsteilung – kräftige Männer schippen, Rudolf Latarius (Mitte) und Michael Stein (l.) achten darauf, dass die Eiche geradesteht. FOTO: dpr
Lichtenau. Länger leben als Lichtenau alt ist, soll der Baum, den die Dorfbewohner am Samstag gepflanzt haben. Denn immerhin 1000 Jahre könne eine solche Traubeneiche werden, wie Fachmann Michael Stein, Chef einer Baum- und Grünservice-Firma, den mindestens 50 Lichtenauern erklärte. Daniel Preikschat

Sie hätte dann einen Stammumfang von zwei Metern und wäre etwa 25 Meter groß.

Schauplatz der zeremoniellen Pflanzaktion war neben dem Tornow-Gedenkstein an der ehemaligen Tagebaukante. Ein bereits vier Meter langer und zwölf Jahre alter Jungbaum lag neben einer ausgehobenen Grube, in die hinein mehrere Lichtenauer Männer den Baum setzten. Kräftig geschaufelt werden musste noch und 100 Liter Wasser in den Pflanzring gegeben werden - dann war das Werk vollbracht. Die Eiche, so Michael Stein, sei robust und standfest, komme mit relativ wenig Wasser aus, vertrage außerdem gut den ortstypischen sandigen Boden. Rudolf Latarius, ehemaliger Kittlitzer Bürgermeister, betonte in seiner kurzen Rede den Symbolwert des Baums. Wie die Lichtenauerin Inge Zeidler nach der Pflanzaktion im Festzelt auf einer Wiese in der Ortsmitte erklärte, sei Lichtenau laut erster urkundlicher Erwähnung 555 Jahre alt. In ihrer "kleinen Geschichtsstunde" machte die ehemalige Lehrerin auf einige markante historische Daten aufmerksam. So kaufte Graf Herrmann Maximilian zu Lynar das Rittergut Lichtenau 1869 zurück, nachdem es zuvor schon einmal einem zu Lynar gehört hatte.

1945 ging Lichtenau im Zuge einer Bodenreform in den Besitz von Kleinbauern und Neusiedlern über. Ab 1968, nachdem der Nachbarort Tornow abgebaggert wurde, war Lichtenau Ortsteil von Kittlitz. Heute ist der Ort mit den 21 Häusern, von denen eins der Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel bewohnt, Gemeindeteil von Kittlitz. Lichtenau sei immer größer geworden, so Inge Zeidler. Denn 1844 hatte der Ort nur neun Gebäude, 1861 waren es zehn, 1996 schon 16. Ihr Rückblick, sagte die Lichtenauerin bescheiden, mag zu weiterer Erforschung der Ortsgeschichte animieren. Heimatstube und ältere Bewohner könnten weitere Anregungen geben.

Am Samstag waren die Lichtenauer ganz auf das Hier und Heute konzentriert. Eine Kaffeetafel wurde eröffnet mit selbst gebackenem Kuchen. "Milena" alias Monika Baumgart aus Lübbenau erzählte über Sitten und Bräuche des Spreewaldes. Am Abend gab es Gesottenes und Gebratenes. Die Lichtenauer Kinder hatten auch ihre Freude. Hüpfburg, Rundfahrt mit der Feuerwehr und Abendtanz machten ihnen Spaß.