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| 15:51 Uhr

Reiseerinnerungen
. . . „und dann stand der Papst direkt vor mir.“

Detlef Gätz bei einer Begegnung in Rom.
Detlef Gätz bei einer Begegnung in Rom. FOTO: LR / privat
Rom/Lübbenau. Bleibende Eindrücke einer Pilgerwallfahrt nach Rom und in den Vatikan. Von Detlef Grätz

Seit nunmehr fast 30 Jahren habe ich eine umfangreiche Korrespondenz mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Dazu gehören auch die drei Päpste Johannes Paul II. Benedikt XVI. und Franziskus.
Es war immer mein Wunsch, den Papst zu sehen – ihn live zu erleben. Diese Hoffnung hat sich nun erfüllt – auf einer Wallfahrt nach Rom und in den Vatikan.

Diese Wallfahrt wurde von den Maltesern organisiert. Ich durfte am 3. Oktober live auf dem Petersplatz in Rom dabei sein und den Papst bei einer Messe erleben. Franziskus eröffnete die Jugendsynode im Vatikan. All die Bischöfe, Kardinäle und sonstigen Würdenträger aus aller Welt in ihren farbenfrohen Talaren zu sehen – einfach beeindruckend. Und mitten unter ihnen der Papst.

War es vor dem Gottesdienst unruhig – Stimmengewirr von Gläubigen aus aller Welt – herrschte während der Messe andächtige Stille. Nach dem Gottesdienst schickte Franziskus den Kraftfahrer allein über den Petersplatz, er selbst ging zu Fuß und begrüßte die Gläubigen. All das kannte ich aus dem Fernsehen – und jetzt war ich live dabei. Einfach nur beeindruckend. Daran werde ich mich noch lange erinnern. Der Papst blieb in unmittelbarer Nähe vor mir stehen. Vor lauter Freude vergaß ich, die Briefe für Benedikt und ihn an Franziskus weiterzugeben. Ich habe sie jetzt von Lübbenau nach Rom geschickt. Dieses Mal per Post – so wie in der Vergangenheit immer.
Im Vatikan habe ich die Sixtinische Kapelle mit dem berühmten Fresko „Die Erschaffung der Welt“ gesehen, und ich weiß jetzt, an welcher Stelle der „berühmte Ofen“ steht, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn ein neuer Nachfolger des Papstes gewählt wird.

Der Papst muss seine persönliche Zustimmung zum Besuch der Sixtina geben. Das war für mich neu. Hier begegnen einem auf Schritt und Tritt die Schweizer Gardisten, die hier die Schutzfunktion wahrnehmen. Leider durfte ich sie aus datenrechtlichen Gründen nicht fotografieren. Aber ich habe 60 Fotos dennoch im Gepäck auf meinem Handy.

Es gehören vier Kirchen der Stadt Rom zum Vatikan, in denen der Papst nach seiner Wahl predigen und sich den Gläubigen zeigen muss, erst dann gilt er als gewählt. Ich habe drei von ihnen besichtigt: Petersdom, St.Paul vor den Mauern, Maria Maggore. In allen Kirchen fanden festliche Gottesdienste statt, und ich war dabei. Ich entzündete eine Opfer-Dank-Kerze und nahm das Sakrament der Krankensalbung dankbar in mich auf.

Ebenso war ich Gast bei einem Empfang des Malteserordens und mit mir all die anderen Teilnehmer unserer Wallfahrt. Allein wegen des religiös spirituellen Teils hat sich die Reise für mich gelohnt. Dafür habe ich die rund 16 Stunden Busfahrt mit Unterbrechungen und 1000 Kilometer Weg gerne auf mich genommen.
Der Straßenverkehr in Rom, auch der ist eine Schau: Jeder fährt, läuft, schiebt wie er denkt durch die Stadt. Nur wer stehen bleibt, wird sein Ziel nicht erreichen. Der Polizist regelt mit Armen und Trillerpfeife ziemlich chaotisch den Verkehr über zahlreiche Kreuzungen hinweg. Und es funktioniert!!

Kleine, enge Gassen mit Gauklern, Straßenmusikern – einfach nur schön. Rom ist eine lebendige Stadt, die nie schläft. In den Trevi-Brunnen habe auch ich eine Münze rückwärts über die linke Schulter hineingeworfen, und wer weiß, vielleicht erfüllt sich auch mein nächster Traum. . . Man muss einfach alles mitmachen. Das Kolosseum von Rom, ich habe es gesehen, wenn auch nur aus der Ferne. Ich habe es auch auf meiner Kaffeetasse, die ich mir neben einer italienischen Staatsflagge, einer Sonnenbrille und einem T- Shirt als Souvenir aus Rom mitgebracht habe.
Nach einer Woche kann ich jetzt vorerst keine Nudeln, kein Weißbrot, keine Pizza mehr sehen. Aber auch hier gilt: andere Länder, andere Sitten, und man muss es erlebt haben.

Wirklich traurig und betroffen gemacht hat mich, dass die Kirchen mit Soldaten, das Gewehr griffbereit, geschützt werden müssen, während in den selbigen die Botschaft von Frieden und Versöhnung und Nächstenliebe verkündet wird. So ist sie nun mal, unsere Zeit.

Der Abstecher, eine Busfahrt entlang des Gardasees, wird mir ebenso in Erinnerung bleiben, wie die zahlreichen Berge Österreichs und die Alpen – wunderschön! Mein Leben ist reicher geworden, und ich habe mir meine Dankbarkeit und meine Achtung vor meinen Mitmenschen, aber auch vor mir selbst, bewahrt. Auch das ist für mich nach den vielen positiven Erlebnissen nicht selbstverständlich.

P.S. Von Herzen gern habe ich diese Zeilen geschrieben, und ich hoffe, dass ich den zahlreichen Bitten und Wünschen der Menschen ein kleines bisschen entgegenkommen konnte. Herzlichen Dank für die freudige, gönnerhafte Anteilnahme an meiner Romreise, liebe Lübbenauer. Ich bin überwältigt von so viel Sympathie! Danke an alle.

*Detlef Grätz mischt sich als sachkundiger Bürger in die Belange der Spreewaldstadt und in viele Bereiche der Kommunalpolitik ein.