Für die drei Cottbuser Architekten scheinen sich derzeit gleich zwei Träume zu erfüllen. Zum einen haben sich Thomas Hampel, Martin Tiede und André Noack am 1. Mai zu einem gemeinsamen Unternehmen zusammengeschlossen. Zum anderen haben sie nach eigenen Worten einen Auftrag erhalten, der zu ihren Wunschprojekten zählt: „Wir arbeiten jetzt am zweiten Bauabschnitt für das Blechen-Carré in Cottbus“ , sagt André Noack. „Dabei orientieren wir uns sehr stark an unserem Entwurf vom vergangenen Jahr – und wir werden ihn weiterentwickeln.“
Dieser Entwurf hatte bei den RUNDSCHAU-Lesern ein begeistertes Echo ausgelöst. Mehr als jeder Zweite favorisierte bei einer nicht repräsentativen Umfrage die Variante der Architekten „Hampel, Kotzur & Kollegen“ . So schwärmten Teilnehmer der Umfrage von „lieblich rundlichen Formen“ , die „modern, hell, freundlich, klar und einladend“ seien, und von der „schwingenden Fassadengestaltung“ (die RUNDSCHAU berichtete).
Der Geschäftsführer des Bauträgers CBC-Projekt GmbH René Becker bestätigt derzeit lediglich, dass die Cottbuser Architekten an einer Änderung des Bebauungsplanes arbeiten. Ambitionen zeigen die Architekten auch in der Rudolf-Breitscheid-Straße, wo sie neben dem ehrwürdigen Kino „Weltspiegel“ ein Geschäftshaus einrichten. Bei diesem Projekt und im Blechen-Carré kommt ihnen nach den Worten von Thomas Hampel der Zusammenschluss mit Martin Tiede zugute, dessen Entwurf für die Turnhalle an der Cottbuser Lutherstraße im vergangenen Jahr für den „Tag der Architektur“ ausgewählt worden war. „Innenarchitektur und die Pflege erhaltenswerter Bausubstanz zählen zu seinen Lieblingsthemen“ , erklärt Hampel. „Tiedes Kompetenz wird uns helfen, in Zukunft öfter Aufträge für interessante Großprojekten zu erhalten.“ Zu den bisherigen Referenzen von „Hampel, Kotzur & Kollegen“ zählen der Umbau des Oberstufenzentrums II in Sachsendorf, die Mensa der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus und die Neugestaltung eines alten GWG-Gebäudes in der Räschener Straße.
In einer „krassen Kombination von Altem und Neuem“ sieht auch Martin Noack die architektonische Zukunft von Cottbus. Als gelungene Beispiele für dieses Verschmelzen vermeintlicher Gegensätze nennt er den Cottbuser Altmarkt und das Dieselkraftwerk. Nach seinen Worten berücksichtigt der Plan für das Blechen-Carré ebenfalls die Tradition der Stadtpromenade. „Wir wollen die Geschichte mit modernen Ideen verknüpfen.“
Manchmal wachsen diesen Ideen aber auch Flügel, die manchen alteingesessenen Cottbuser irritieren könnten. „Wenn es nach mir ginge, würden wir den Cottbuser Bahnhofsberg abreißen und weiter westlich neu entstehen lassen“ , stellt André Noack fest. „Dann hätte Cottbus nämlich die Chance, den verborgenen schönen Kern der Bahnhofstraße richtig toll herauszuarbeiten.“

Hintergrund Pläne für
Blechen-Carré

 Fünf Architekturbüros hatten sich um die Planung für das bis zu 20 Millionen Euro teure Projekt beworben und ihre Pläne im Sommer 2007 im Cottbuser Stadthaus vorgestellt. Den Auftrag für die Planung erhielt jedoch damals keines der von den RUNDSCHAU-Lesern favorisierten Architekturbüros, sondern das Berliner Unternehmen Kahl Ernst Consulting (KEC). Persönliche Gründe hätten den Ausschlag dafür gegeben. KEC hat als Einziger während der gesamten Workshop-Phase Kontakt zu uns gehalten , hatte CBC-Geschäftsführer René Becker erklärt.