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| 07:19 Uhr

Mann lagerte Handgranaten und Co. jahrelang Zuhause
Waffenarsenal in Calauer Wohnung zieht Großeinsatz nach sich

Hier hat die Polizei die Leiche des 46-Jährigen und Teile der Munition gefunden: In einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in der Straße der Jugend in Calau. Die Bewohner des Blockes mussten wegen der aufgefundenen Kampfmittel und des Abtransportes vorübergehend evakuiert werden.
Hier hat die Polizei die Leiche des 46-Jährigen und Teile der Munition gefunden: In einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in der Straße der Jugend in Calau. Die Bewohner des Blockes mussten wegen der aufgefundenen Kampfmittel und des Abtransportes vorübergehend evakuiert werden. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. 46-jähriger Mann tot aufgefunden. Polizei findet Munition in Wohnung und Garage. Von Rüdiger Hofmann

Vor dem Mehrfamilienhaus in der Straße der Jugend in Calau wird einen Tag nach der schrecklichen Entdeckung einer Leiche getuschelt. Nachbarn stehen draußen und versuchen zu erklären, wer der 46-Jährige war, warum er verstarb und vor allem, warum er so viele Waffen bei sich gelagert hat. „Er war ein Eigenbrötler“, sagt ein Nachbar, der drei Eingänge weiter wohnt. „Und er hat beim Kampfmittelbeseitigungsdienst in Lübben gearbeitet.“

Das mag zumindest ansatzweise erklären, wie er an die Munition und die Kriegswaffen gelangen konnte, die die Polizei am Sonntagnachmittag in seiner Wohnung und in der Garage in der Jahnstraße gefunden hat. Ein Familienangehöriger hatte den 46-Jährigen am Sonntag leblos aufgefunden und den Notruf gewählt. Nach bisherigen Ermittlungen ist der Mann wegen zahlreicher Vorerkrankungen eines natürlichen Todes gestorben. „Er hatte einen Zuckerschock“, mutmaßt einer der Nachbarn. Der Verstorbene soll Diabetiker gewesen sein.

Polizei und Rettungsdienst jedenfalls fanden nicht nur den leblosen Mann, sondern auch die gefährlichen Kampfmittel – in der Wohnung des Verstorbenen, im Keller und in einer nahen Garage. Dabei handelt es sich laut Polizei um eine große Menge an Munition, Kriegswaffen, Handgranaten und Übungsbomben. „Um 13 Uhr wurde dem Bürgermeister am Sonntag gemeldet, dass in der Wohnung eines verstorben aufgefundenen Mannes verdächtiges Material gefunden wurde“, sagt Stadtsprecher Jan Hornhauer. Gegen 15.30 Uhr sind auf Hinweis weitere Kampfmittel in der Garage sichergestellt worden.

„Um eine Gefährdung für Anwohner und Einsatzkräfte auszuschließen, wurde dieser Bereich zuerst evakuiert“, so Hornhauer. Ein aus Eberswalde anrückender Kampfmittelbeseitigungsdienst traf gegen 17 Uhr die Entscheidung, ebenfalls die Straße der Jugend 11 bis 16 zu evakuieren. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung, der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes erfolgte bis zum Eintreffen von Spezialisten zur Sprengstoffentschärfung des Landeskriminalamtes die Absperrung der Objekte und des Umfeldes.

Insgesamt mussten rund 80 Bewohner ihre Wohnungen verlassen. Untergebracht wurden einige in der Stadthalle Calau, die Mehrzahl der Bürger kam bei Bekannten und Verwandten unter. Bei den Evakuierungen waren rund 40 bis 50 Kameraden der Ortswehren der Stadt Calau – unter anderem aus Calau, Werchow, Zinnitz, Saßleben und Bolschwitz – mit acht bis zehn Fahrzeugen im Einsatz.

Auch in der nun versiegelten Garage in der Jahnstraße befanden sich Waffen des Verstorbenen.
Auch in der nun versiegelten Garage in der Jahnstraße befanden sich Waffen des Verstorbenen. FOTO: Rüdiger Hofmann

„Um 20 Uhr wurde die Evakuierung der Jahnstraße wieder aufgehoben, gegen 21 Uhr dann auch die in der Straße der Jugend“, so der Pressesprecher. „Etwa 22 Uhr erfolgte auf einem Feld bei Werchow die Sprengung eines Teils der gefährlichen Gegenstände“, teilt die Polizei mit. Alles verlief reibungslos.

„Noch in Wohnung, Keller und Garage befindliche ungefährliche Kampfmittelreste müssen jetzt beräumt werden“, teilt die Stadt mit. „Wir werden eine Fachfirma mit der Entsorgung beauftragen. Ein Gefährdungspotenzial geht von diesen Resten nicht aus“, sagt Jan Hornhauer. Die Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz werden die Polizei noch weiter beschäftigen.

Indessen sind die Bewohner der Straße der Jugend aufgerüttelt. „Wenn solche Waffen in einer Nachbarwohnung gefunden werden, fühlt man sich schon unsicher“, sagt eine Mieterin. „Wer weiß, was der Mann damit vorhatte.“