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| 02:41 Uhr

Lebensfreude und Musik im Blut

Siegfried Herzog, Siegfried Janzen, Klaus Lehmann und Hugo Schäfer (von links) trafen sich dieser Tage, um an die Gründung der Schalmaienkapelle im Spreewalddorf Groß Lübbenau im Jahre 1956 zu erinnern.
Siegfried Herzog, Siegfried Janzen, Klaus Lehmann und Hugo Schäfer (von links) trafen sich dieser Tage, um an die Gründung der Schalmaienkapelle im Spreewalddorf Groß Lübbenau im Jahre 1956 zu erinnern. FOTO: Bernd Marx/bdx1
Groß Lübbenau. Freunde der Schalmaienmusik haben sich in Groß Lübbenau getroffen. Vor 60 Jahren sahen sich die Musiker zum ersten Mal, als sie eine Kapelle gründeten. Seitdem hält die Freundschaft. Bernd Marx / bdx1

Vor 60 Jahren waren den Einwohnern der Stolz und die Freude gleichzeitig anzusehen. "Wir haben eine eigene Kapelle in unserem Dorf", ging es im Ort wie ein Lauffeuer rum. Die Idee zur Gründung der Schalmaienkapelle hatte seinerzeit der Lehrer Siegfried Janzen (Jahrgang 1931). "Ich hatte bereits im Jahre 1953 im benachbarten Dorf Groß Beuchow eine Schalmaienkapelle gegründet", erläutert der Senior, der des Berufes wegen von Groß Beuchow nach Groß Lübbenau wechselte.

Siegfried Janzen brauchte damals in Groß Lübbenau nicht lange die Werbetrommel zu rühren, um Musiker um sich zu scharen. Die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war geprägt von der Sehnsucht nach Lebensfreude und Frohsinn, Abwechslung und Eigeninitiative.

Eisenbahner, Schlosser, Polizisten, Verkäufer, Lehrlinge und Schüler waren schnell bereit mitzumachen. Noch heute treffen sich die Musiker. Hugo Schäfer, Klaus Lehmann, Siegfried Herzog, Erhard Mlosch, Harry Jank, Erich Zittler und Joachim Schulze schwelgen dabei in den Erinnerungen der Vergangenheit.

Die Not in den Dörfern war damals noch groß, sodass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt werden konnte. "Die Musikinstrumente haben wir damals durch Preisschießen im Dorf finanziert", berichtet Hugo Schäfer (74). Das gesamte Dorf fieberte mit, ob die Gründung der neuen Kapelle und der Kauf der wichtigen Musikinstrumente auch gelingen würden. Und es klappte.

Nicht nur mit ihren nagelneuen Musikinstrumenten machten die 15 Mitglieder der Kapelle von sich Reden, auch ihre Kleidung war etwas Besonderes. Mit Frack, Fliege und Zylinder wurde beim Zampern und den Fastnachtsumzügen aufgespielt.

Geübt wurde einmal in der Woche. Mal im Schloss, mal in der Gaststätte von Kurt Glas. Auftritte gab es für das Musikteam nicht nur im Heimatort, sondern auch in Lübbenau, Calau, Neupetershain, Seese, Kückebusch, Zinnitz, Tornitz und vielen weiteren Dörfern rund um das Spreewaldgebiet.

"Wir waren bei allen Maifeiern und den Stadtfesten in Lübbenau gefragt", sagt Klaus Lehmann (78), der sich an viele Auftritte von damals erinnert. Aber nicht nur er. Auch Siegfried Herzog kann so manche Episode zum Besten geben: "Beim Fastnachtsumzug im Jahre 1957 sind uns die Musikinstrumente eingefroren", so der 73-Jährige, der damals bei den Familien Klauschk und Liebsch um Hilfe am heißen Ofen bat.

"Es war immer eine tolle Sache, wenn die Schalmaienkapelle mit fröhlicher Musik durch den Ort marschierte", kann sich auch Christa Janzen (74) erinnern. Die Jugendlichen waren mit Hut und Sträußchen geschmückt. Die verheirateten Erwachsenen waren kostümiert.

Einige der Musikinstrumente existieren noch. Wenn das Fußballteam von Energie Cottbus spielt, sind manche auf den Zuschauerrängen zu hören.