Die Lausitzer Lesart widmet sich am 20. August dem Schriftsteller Hans Fallada und seinem Roman „Der Trinker“. Der Schauspieler Jörg Hartmann liest aus dem zeitlosen Dokument, in dem Fallada seine Sucht verarbeitet und eine dunkle persönliche Lebensphase in eine literarische Form brachte.

„Der Trinker“ - Erschütternder Klassiker Falladas

Sein Bericht eines Trinkers ist inzwischen ein erschütternder Klassiker, der unter widrigen Umständen entstand und bis heute eine Mahnung für die Gefahren und Abgründe der Sucht ist. Der Germanist und Literaturhistoriker Peter Walther wird die Lesung moderieren und wichtige Hintergründe zu Falladas Werk geben.
Schon die Entstehungsgeschichte des „Trinkers“ ist einen eigenen Roman wert. In gut zwei Wochen des Jahres 1944 schrieb Fallada sein wohl persönlichstes Buch. Zu dieser Zeit lebte er auf richterlichen Beschluss für dreieinhalb Monate in der Strelitzer Landesanstalt. Umgeben von Kriminellen, Wärtern und Pflegern schrieb Fallada diesen und weitere Texte. Um das Manuskript zu schützen, tarnte er es durch Unleserlichkeit: fertige, eng beschriebene Manuskriptblätter stellte er auf den Kopf und schrieb – wie in einer Geheimschrift – in den Zwischenräumen zurück. In monatelanger Entzifferungsarbeit wurde der Roman nach Falladas Tod im Aufbau-Verlag schließlich rekonstruiert und 1950, drei Jahre nach Falladas Tod, veröffentlicht.

Falladas eigene Abgründe und persönliche Krisen

Die Geschichte um den Trinker Erwin Sommer ist also unter ähnlich widrigen Umständen entstanden, die später auch den Protagonisten im Buch ereilen sollten. Die Parallelen sind nicht zufällig, ist der Roman doch eine Auseinandersetzung von Falladas eigenen Abgründen und persönlichen Krisen. Eine Krise – ein Streit mit seiner geschiedenen Frau, der mit einem Pistolenschuss eskalierte – hatte ihn zu der Haftstrafe geführt. Hier entsteht die Leidensgeschichte um Erwin Sommer, der zu Anfang bekennt, eigentlich nicht immer getrunken zu haben und sich früher gar vor Alkohol ekelte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Erwin Sommers Niedergang setzt ein, während der Alkohol zu einem immer dominanteren Faktor wird. Ihm entgleitet das Leben, je mehr er sich dem Alkohol ergibt. Fallada zeichnet diesen Niedergang präzise und schonungslos nach und entwirft damit das mahnende Portrait eines Süchtigen, der immer tiefer in sein Verderben gerät.

Der Dortmunder Kommissar

Der Schauspieler Jörg Hartmann – bekannt als Dortmunder Tatort-Kommissar Peter Faber – liest aus dem zeitlosen Dokument, das – heute wie damals – ein Lehrstück darüber ist, wie die Sucht ihren unerbittlichen Griff um ein Menschenleben legen kann und ihre zerstörerische Wirkung entfaltet. Zuerst langsam und fast unsichtbar, später immer schneller und unaufhaltsam.
Die Lausitzer Lesart ist eine Veranstaltungsreihe des Brandenburgischen Literaturbüros, der Lausitzer Rundschau und Schloss Lübbenau. Beginn der Lesung ist um 19 Uhr auf Schloss Lübbenau. Tickets sind im Vorverkauf auf www.schloss-luebbenau.de oder direkt im Schloss erhältlich.

Zur Person


Jörg Hartmann, geboren 1969 in Hagen/Westfalen, wurde einem größeren Publikum mit Rollen in TV- und Kino-Produktionen, wie den Serien „Weissensee“, „Bella Block“, „Der blinde Fleck“, „Homeland“, „Wilde Maus“ und in diversen „Tatort“-Folgen bekannt, bevor er 2012 als Dortmunder Tatort-Kommissar Peter Faber zu ermitteln begann. Er erhielt den Deutschen Fernsehpreis 2011 als bester deutscher Schauspieler, die Goldene Kamera sowie den Grimme-Preis im Jahr 2016.