ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:32 Uhr

Lausitzer Dorf mit vielen Geschwistern

Karotte gefällig? Mit Mohrrüben versuchen Buckower Mini-Landwirte, das Heidschnucken-Trio der Familie Niebisch zu sich zu locken. Halter André Niebisch hatte sich die vierbeinigen Rasenmäher zugelegt, nachdem er für seine drei Mädels (Lebensgefährtin und zwei gemeinsame Töchter) den elterlichen Wohnsitz ausgebaut und erweitert hatte.
Karotte gefällig? Mit Mohrrüben versuchen Buckower Mini-Landwirte, das Heidschnucken-Trio der Familie Niebisch zu sich zu locken. Halter André Niebisch hatte sich die vierbeinigen Rasenmäher zugelegt, nachdem er für seine drei Mädels (Lebensgefährtin und zwei gemeinsame Töchter) den elterlichen Wohnsitz ausgebaut und erweitert hatte. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Buckow. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Buckow (Stadt Calau). Uwe Hegewald / uhd1 uhd1

Die Einwohner von Buckow tragen es mit Fassung. Dass sie sich ihren Ortsnamen mit anderen Kommunen teilen müssen, ficht sie nicht an: Buckow in der Märkischen Schweiz, Buckow in der Prignitz, im Havelland, in der Schorfheide, Buckow vor den Toren von Dame/Mark, selbst im Berliner Bezirk Neukölln trägt ein Ortsteil den vielfachen Namen. Wie in vielen der Geschwister-Orte leitet sich der Name Buckow vom sorbischen Wort buk ab, das für die Buche steht. Kein Laubbaum kommt in Deutschland so häufig vor wie die Buche, sagt das "Gartenjournal". Da wundert es nicht, wenn der 240 Arten umfassende Baum so oft als Ortsnamen herhalten muss.

Doch wie ticken die Einwohner im Calauer Ortsteil und wie die Menschen in den Namensvetter-Dörfern? Antworten wurden 2008 gefunden, als das hiesige Buckow seine erste urkundliche Erwähnung vor 600 Jahren feierte. "Freiwillige Feuerwehr und Heimatverein organisierten das Jubiläum gemeinsam und haben zu diesem auch Feuerwehrleute aus den anderen Buckower Orten eingeladen. Sieben Kommunen entsandten Vertreter, denen unser Fest gefallen hat", erzählt Ruth Kuritz. Mehr noch: Fünf Delegationen hielten ihr Versprechen, zum 100-jährigen Bestehen der Feuerwehr (2014) ins südbrandenburgische Buckow zurückzukehren, so die Ortsvorsteherin. Eine Dorf-Chefin mit Tradition, immerhin datiert die Übernahme der Interessenvertretung der Dorfbevölkerung auf den 1. Oktober 1982. "Zur nächsten Kommunalwahl werde ich nicht mehr kandidieren", kündigt Ruth Kuritz an und erntet für diese Ansage vorwurfsvolle Blicke von Marita Kasprick. Als Vorsitzende des Buckower Heimatvereins kann sie diesen Entschluss nicht gutheißen. Noch seien nicht alle Vorhaben und Wünsche restlos erfüllt, begründet sie mit einem Augenzwinkern. So gibt es eine Stelle, wo den Buckowern der Schuh besonders drückt - und das schon seit Längerem. Was dem Dorf fehlt, ist eine Begegnungsstätte, die allen Generationen zugemutet werden kann. Zwar gebe es einen Büro- und Versammlungsraum, der auch als Wahllokal genutzt wird, allein der Besuch der Räumlichkeit über eine wacklige Treppe ins Obergeschoss erweist sich als heikel. "Für Senioren und junge Familien mit Kleinkindern ist das schon fast eine Zumutung", hadern Ruth Kuritz und Marita Kasprick. Aufgrund der Gegebenheiten blieben Mitbewohner bei den monatlichen Seniorentreffen oder der jährlichen Senioren-Weihnachtsfeier fern. "Alles was im Dorf passiert, geschieht dort oben oder unter freiem Himmel", betonen sie.

Noch immer hängen Erinnerungen an die gute alte Zeit, als Alwin Pachtmann zu Feierlichkeiten oder zum klassischen Feierabendbier die Türen zu seinem Gasthause "Zur guten Quelle" öffnete. Gesellige Treffen finden heute auf dem Fest- und Sportplatz statt, was einen hohen logistischen Aufwand nach sich zieht. "Wir müssen alles dorthin transportieren und uns auch darüber im Klaren sein, dass alles irgendwie wieder zurück muss", schildert Marita Kasprick. Im gleichen Atemzug zieht die Heimatvereinsvorsitzende symbolisch den Hut vor "ihre" Buckower. "Wer Interesse am Dorfleben hat, der hilft. Die Leute packen an, wenn es erforderlich ist. Man ist nicht allein und kann sich auf seine Mitbürger verlassen." Buckow pflegt Tradition und Geselligkeit, was regelmäßiges Zupacken erforderlich macht. Neujahrsgrillen, Osterfeuer, das von der Jugend organisierte Flechten des Maikranzes und Aufstellen des Maibaumes zählen zu den Höhepunkten, wie die Ostereiersuche für Kinder, die Frauentagsfeiern, das Dorffest (Anfang Juni), Halloween oder das Grillen mit den Rentnern im Dorf, an einem lauen Augustabend. Nur einmal gehen die Buckower fremd, wenn es sie nach erfolgreicher Zampertour zum Eierkuchenessen in Elkes Dorfklause nach Plieskendorf verschlägt. Nach fast 35 Dienstjahren kommt Ruth Kuritz zum Fazit: "Feiern können die Buckower, aber arbeiten können sie auch." Junge Familien haben das Dorf zum Lebensmittelpunkt erhoben, was auch auf die kurzen Entfernungen zur Kernstadt Calau und zur naheliegenden Autobahnanschlussstelle zurückzuführen ist. Von dort kommen Berufspendler oder Ausflügler zügig in die Metropolen Berlin und Dresden. "Oder nach Potsdam-Babelsberg, wohin unser Heimatverein in diesem Jahr eine Busreise unternommen hat", ergänzt Marita Kasprick. Radtouren oder Kahnfahrten im Spreewald zählen schon zum Standardprogramm des Dorfvereins. Ebenso gelegentliche Fahrten der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes zu den Seelenverwandten, die in den gleichnamigen Buckows ehrenamtliche Dienste schieben.

Alle Folgen nachlesbar unter: www.lr-online.de/hallo-nachbar

Zum Thema:
In Buckow leben derzeit158 Personen. 1990 waren es 167 und im Jahr 1946 aufgrund der Flüchtlingswelle des Zweiten Weltkrieges 308 Frauen, Männer und Kinder. Die im 14./15. Jahrhundert erbaute Kirche gehört zu den Baudenkmalen von Calau. An der linken Turmtürfassung befindet sich die mystische Teufelskralle. Nicht weniger geheimnisvoll ist das Sühnekreuz aus dem Dreißigjährigen Krieg an der Ecke Dorfstraße/Säritzer Weg. Die freiwillige Eingemeindung nach Calau erfolgte am 31. Dezember 2001. 2008 feierte Buckow seine erste urkundliche Erwähnung vor 600 Jahren, obwohl es noch eine ältere Erwähnung um 1376 gibt. Der Heimatverein und Ortsbürgermeisterin Ruth Kuritz gingen der Sache auf den Grund und erkundigten sich beim Brandenburgischen Landesarchiv in Potsdam. Dieses bestätigte dann, dass für die Ersterwähnung von Buckow das Datum 29. November 1408 steht. uhd1