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| 15:30 Uhr

Lausitzer Bauern büßen Boden ein

In der Lausitz sind 33 480 Hektar Land gesperrt. Auf einem Teil dürfen Bauern mit Verhaltensregeln arbeiten – so wie hier in Kittlitz.
In der Lausitz sind 33 480 Hektar Land gesperrt. Auf einem Teil dürfen Bauern mit Verhaltensregeln arbeiten – so wie hier in Kittlitz. FOTO: jag
Calau/Senftenberg. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) will 1700 Hektar ehemalige Bergbauflächen dauerhaft sperren. Betroffen sind 17 Landwirte. Der Bauernverband Südbrandenburg spricht von kalter Enteignung und will sich wehren. Jan Augustin

Wie um der umstrittenen Entscheidung noch einmal Nachdruck zu verleihen, rutschte in Nachterstedt in dieser Woche wieder ein Stück Erde ab. Nicht so schlimm wie vor sechs Jahren, als rund 4,5 Millionen Kubikmeter im Concordia-See verschwanden, aber ein dickes Ausrufezeichen alle Male. Zwei Bergbaumaschinen stürzten ab, ein Arbeiter konnte sich knapp in Sicherheit bringen. Die LMBV will solche Szenarien unbedingt vermeiden.

Für die Lausitz hat der Bergbausanierer nun angekündigt, 1700 Hektar (ha) landwirtschaftliche Fläche dauerhaft zu sperren. Das bestätigt Pressesprecher Uwe Steinhuber auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Zum Vergleich: Das betroffene Gebiet entspricht der Größe von 2380 Fußballfeldern. Bisher zahlte die LMBV für die gesperrten Flächen eine jährliche Entschädigung. "Künftig soll dieser Wert durch einmalige Entschädigung abgelöst werden", erklärt die Leiterin Flächenmanagement, Evelyn Künzler. Jeder der betroffenen 17 Landwirte werde bei der Schadensminimierung als Einzelfall angesehen. Einzelgespräche würden derzeit geführt.

Der Bauernverband Südbrandenburg ist von dem Sperr-Plan nicht begeistert. "Dagegen werden wir uns wehren", sagt Geschäftsführerin Carmen Lorenz. Sie spricht von einer kalten Enteignung und hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) um ein Gespräch gebeten. Das größte Problem sei der Landverlust auf Dauer. "Bauernland in Bauernhand", sei die Maxime. Zwar können die Landwirte auch Kompensationsflächen von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH erwerben. Doch reichen diese Flächen nicht aus und seien oft zu weit entfernt. Außerdem seien sie oft zu teuer, sagt Borjana Dinewa vom Bauernverband: "Es wird immer schwieriger, landwirtschaftliche Flächen zu kaufen." Erschwerend hinzu komme, dass immer mehr berufsfremde Menschen Land erwerben, nur um ihr Geld anzulegen.

Auf ehemaligen Tagebauflächen wirtschaftet auch Robert Häußler aus Groß Jehser bei Calau. Bei ihm geht es um 400 Hektar Fläche, die er von der LMBV vor 15 Jahren gekauft hat. Die Fläche ist seit sechs Jahren gesperrt. Häußler bekommt dafür eine jährliche Entschädigung. Nun sei er von der LMBV gebeten worden, den Boden wieder zu verkaufen. Stimmt das Verhandlungsergebnis, sei das auch denkbar, sagt Robert Häußler, für den der Verlust nicht so schwer wiegen würde. Unter Sicherheitsauflagen bewirtschaftet er 1150 Hektar Land. Getreide, Raps, Sonnenblumen, Luzerne und Mais wachsen auf seinen Äckern. Für die Entscheidung der LMBV habe er Verständnis. Das Rutschungs-Risiko sei nach wie vor hoch.

Insgesamt gesperrt sind in der Lausitz derzeit 33 480 Hektar Fläche. "Die Gewährleistung der Sicherheit ist unverändert das oberste Ziel der bergbaulichen Sanierungstätigkeit", betont LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Grundsätzlich sei es zwar technisch möglich, die Sicherheit herzustellen. In den zurückliegenden Jahren hat die LMBV dafür die Technologie der schonenden Sprengverdichtung entwickelt. "Dennoch ist projektkonkret die Erforderlichkeit und Angemessenheit jeder Sanierungsmaßnahme abzuwägen." Schwerpunktprojekte, wie in den vormaligen Tagebaubereichen Schlabendorf/Seese oder Spreetal mit komplexen Sanierungsinhalten, werden nicht vor 2040 dauerhaft gesichert sein, kündigt er an.

Die LMBV hat in Abstimmung mit den Bergbehörden in Sachsen und Brandenburg derzeit rund 33 480 Hektar gekippte Flächen in der Lausitz gesperrt. Diese befinden sich in Brandenburg mit 20 690 ha und in Sachsen mit 12 790 ha. Davon sind auch 4038 ha Landwirtschaftsflächen betroffen. Im Auftrag und unter Mitwirkung der LMBV ist eine komplexe Bewertung der Innenkippenflächen in der Lausitz erfolgt. Danach besteht auf etwa 20 600 ha ein geotechnisches Sanierungserfordernis. Auf www.lmbv.de sind unter der Rubrik Bergschäden und Sperrungen mehrere Lagepläne zu den Bereichen einsehbar.

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Die LMBV hat in Abstimmung mit den Bergbehörden in Sachsen und Brandenburg derzeit rund 33 480 Hektar (ha) gekippte Flächen in der Lausitz gesperrt. Diese befinden sich in Brandenburg mit 20 690 ha und in Sachsen mit 12 790 ha. Davon sind auch 4038 ha Landwirtschaftsflächen betroffen. Von diesen liegen 2867 ha in Brandenburg und 1171 ha in Sachsen. Im Auftrag und unter Mitwirkung der LMBV ist eine komplexe Bewertung der Innenkippenflächen in der Lausitz erfolgt. Danach besteht auf etwa 20 600 ha ein geotechnisches Sanierungserfordernis. Auf www.lmbv.de sind unter der Rubrik Bergschäden und Sperrungen mehrere Lagepläne zu den Bereichen einsehbar.