Von Daniel Preikschat

Helmut Wenzel muss schon das Handgelenk ge­schmerzt haben. Rund 250 Unterschriften hatte er diese Woche zu leisten als Bürgermeister von Lübbenau. Die dazugehörigen Schriftstücke füllen zehn Aktenordner. Wobei es sich um die so genannten „aktualisierten Planfeststellungsunterlagen“ für eines der größten Infrastrukturprojekte in Lübbenau handelt. Fleißig unterschreiben mussten auch Susanne Haase von der DB Netz AG und Sachgebietsleiter Jörg Franke vom Landesbetrieb Straßenwesen als Vertreter für ihre am Projekt beteiligten Behörden. Im Anschluss wurden die Aktenordner dem Landesbetrieb übergeben, da er Genehmigungsbehörde ist.

Beantragt wird die Errichtung von gleich mehreren Bauwerken, mit deren Hilfe der Verkehr in Lübbenau künftig die Bahnlinie über- beziehungsweise unterqueren kann. In der Stadtmitte soll ein Tunnel, am Ortsausgang Richtung Cottbus eine Brücke entstehen. Außerdem notwendig sind vier Kreisverkehre mit entsprechenden Zufahrten und die Umverlegung der L 49. Samt Planung dürfte das Verkehrsprojekt insgesamt etwa 28 Millionen Euro kosten – laut einer Schätzung, die bereits fünf Jahre alt ist. Wahrscheinlicher sind Kosten von letztendlich mindestens 30 Millionen Euro, von denen die Stadt Lübbenau voraussichtlich sieben Millionen Euro beisteuern muss. Den Rest zahlen Bund und Bahn, einen kleineren Anteil leisten Land und Landkreis.

Bürgermeister Helmut Wenzel sprach am Donnerstag von einer „wichtigen Etappe“. Er schätzt, dass es zwei Jahre dauern dürfte, bis die Baugenehmigung erteilt ist. Die Unterlagen müssen geprüft, ausgelegt, mögliche Hinweise eingearbeitet werden. Nicht vor 2022 sei mit dem ersten Spatenstich zu rechnen, so Wenzel. Dennoch sei „eine wichtige Etappe“ nun erreicht.

Euphorischer als Wenzel waren am Donnerstag Carola Krahl und Uwe Pielenz von der Bürgerinitiative (BI) „Drüber oder Drunter“. Pielenz sprach von einem „Meilenstein“. Wohl nur der unbedingte Wille eines großen Teils der Bevölkerung, die Teilung der Stadt Lübbenau durch Bahnschranken nicht mehr länger hinzunehmen, habe diesen Erfolg ermöglicht. 8000 Unterschriften kamen vor zehn Jahren bei der Gründung der BI zusammen. In den Folgejahren tagte der Arbeitskreis der Projektbeteiligten 46-mal. In oft zähen Verhandlungen wurden die entscheidenden Fragen geklärt: Wie sieht die bauliche Lösung aus? Wer genehmigt das Projekt? Wie soll es bezahlt werden? Parallel wurden die Bürger regelmäßig informiert, über Jahre hinweg.

Für Pielenz erklärt sich die Behaarlichkeit der Lübbenauer auch durch den Leidensdruck. Von Unternehmern in der Stadt weiß der BI-Vorsitzende, der auch Stadtverordnetenvorsteher ist: „Von acht Stunden Arbeitszeit verbringt man eine Stunde wartend vor den Schranken.“ Rettungsfahrzeuge und Feuerwehren verlieren wertvolle Zeit. Kinder müssen täglich die Bahnübergänge queren, um zu ihrer Schule zu gelangen, Touristen fühlen sich abgeschreckt, auch die Neustadt zu besuchen und verzweifeln an der schwer durchschaubaren Verkehrsführung.

Anwohner leiden ebenfalls, so Pielenz weiter, denn das ständige Abbremsen und Anfahren der Autos an den Übergängen erzeugt Staub und Lärm. Wird die Güterbahnhofstraße wie geplant zur L 49 können Hunderte Anwohner aufatmen, weil sich der Hauptverkehrsstrom von ihnen weg verlagert, führt der Lübbenauer weiter aus. Zwar bekommen dann die Hausbewohner in der Güterbahnhofstraße die Emissionen ab, doch seien das im Vergleich viel weniger betroffene Menschen.