Von Daniel Preikschat

Mit festem Blick sieht Gabriele Glockauer dem Betrachter freundlich entgegen. Das Porträtfoto von Andy Glinkowski zeigt einen jungen Mann, der voll Zuversicht in eine Zukunft blickt, die Gutes für ihn verheißt. Die 47-jährige Köchin und der 27-jährige angehende Elektroniker, beide aus Calau, haben sich für eine Wanderausstellung fotografieren lassen, die seit vergangener Woche bei der Wirtschaftsentwicklungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wequa) im Gewerbepark 26 in Lübbenau zu sehen ist. Die Ausstellung stellt den Besuchern sieben erfolgreiche Teilnehmer an einem Integrationsprojekt für Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften vor.

Das Besondere dabei: So genannte „Integrationsbeauftragte“ leisten intensive Einzelbetreuung und begleiten die jeweiligen Programm-Teilnehmer ein Jahr lang, einige von ihnen sogar auch noch ein zweites Jahr. Je nach Bedarf können sich die Langzeitarbeitslosen alphabetisieren lassen, eine Grundbildung vermittelt bekommen oder Hilfe zur Selbsthilfe. Sie können an ihrer körperlichen Fitness arbeiten, sich qualifizieren lassen und beruflich ausprobieren. Auch psychologische Beratung, Selbstmarketing und Bewerbungstrainings werden angeboten.

Die beiden Teilnehmer aus Calau zeigen sich dankbar nach erfolgreicher Teilnahme. So lässt sich Andy Glinkowski auf seiner Ausstellungstafel wie folgt zitieren: „Ich habe einige Jahre im Heim gelebt und gar keine Unterstützung aus meinem Elternhaus erfahren, zu anderen Menschen hatte ich auch überhaupt keinen Kontakt mehr.“ In kleinen Schritten, begleitet von der Integrationsbeauftragten Diane Sawallisch, sei er vorangekommen. Die Frau von der Wequa vermittelte dem jungen Mann, der bereits nach der 8. Klasse die Schule verlassen und danach eine Maurerlehre abgebrochen hat, Minijobs im Messebau und im Rewe-Markt. „Das sind nicht meine Traumjobs gewesen“, so Andy Glinkowski, „aber immerhin ein Start.“ Mehr als nur ein kleiner Schritt für ihn war die Teilnahme am Programm „Praxis mit Führerschein“. Nur mit Führerschein konnte er überhaupt an der Umschulung zum Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik bei der Handwerkskammer teilnehmen. Hier laufe es gut für ihn, sagte seine ehemalige Integrationsbeauftragte.

Zehn Jahre erwerbslos war Gabriele Glockauer. Auch die alleinerziehende Mutter von drei Kindern hatte private Probleme, versteckte sich zu Hause und lebte in den Tag hinein, wie sie ehrlich bekennt. Diane Sawallisch von der Wequa indes erkannte „viel Potenzial bei Frau Glockauer“. Sie gehöre zu den Programmteilnehmern, die gar nicht so sehr unterstützt werden mussten. „Sie brauchte zunächst vor allem Zuspruch“, so die Integrationsbeauftragte. Nach dem dritten Treffen schon seien die Veränderungen sichtbar gewesen. Mit neuer Frisur und viel Elan nahm die gelernte Köchin ihre Aufgaben in die Hand – und überzeugte ihren neuen Arbeitgeber.

Küchenmeister Lutz Thiede betreibt in Lübben die Kantine im Landratsamt. Ganz bewusst habe er sich auf Empfehlung der Integrationsbegleiterin für eine alleinerziehende Frau im reifen Alter mit Kindern entschieden. Er habe die Erfahrung gemacht, dass sich solche Menschen besonders anstrengen und zuverlässig sind. Und siehe da, es passte. Anfangs noch unterstützt durch Diane Sawallisch bei den Formalitäten, fand sich Gabriele Glockauer gut ein. Verschütt gegangenes Fachwissen musste bei ihr nur wieder ausgegraben, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufgebaut werden, erzählt der Arbeitgeber. Ein wenig von dem, was sie kann, zeigte die wieder Berufstätige dann auch bei der Eröffnung der Wanderausstellung in Lübbenau. Das schmackhafte Buffet war auch ihr Werk.

Bärbel Hoffmann und Annett Müller vom Jobcenter in Lübbenau, beide bei der Ausstellungseröffnung ebenfalls zugegen, betonten, wie wichtig die freiwillige Teilnahme bei dem Projekt ist. Erfolg könne nur haben, wer selbst auch etwas ändern will. Das sei mit Mühen verbunden, allein das pünktliche Erscheinen für viele anfangs eine Herausforderung. Doch das Gute an der Wanderausstellung sei, dass sie anderen mit Erfolgsbeispielen Mut machen kann.

Wequa-Integrationsbegleiterin Diane Sawallisch sieht noch einen Vorteil, den die Ausstellung hat. Sie zeigt, dass die erfolgreichen Teilnehmer durchweg bei Unternehmen aus der Region Arbeit gefunden haben. Das Förderprogramm zeige auf, wie dem Fachkräftemangel eben auch begegnet werden kann – indem Potenial genutzt wird, das bereits vorhanden ist.z