ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:04 Uhr

Prävention im hohen Alter
Lange mobil und sicher zu Hause

Diese knapp 20 Bürger sind bei der landesweiten Initiative "Lange mobil und sicher zu Hause" ausgebildet worden zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention im hohen Alter. Bei der Abschlussveranstaltung im Calauer AWO-Wohnpark gab es für die Teilnehmer Zertifikate. Nun dürfen die Geschulten zu Senioren in ihre Wohnungen, um mit ihnen zu reden und sie zu beschäftigen.
Diese knapp 20 Bürger sind bei der landesweiten Initiative "Lange mobil und sicher zu Hause" ausgebildet worden zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention im hohen Alter. Bei der Abschlussveranstaltung im Calauer AWO-Wohnpark gab es für die Teilnehmer Zertifikate. Nun dürfen die Geschulten zu Senioren in ihre Wohnungen, um mit ihnen zu reden und sie zu beschäftigen. FOTO: LR / Rüdiger Hofmann
Vetschau/Calau. Bürger werden in Vetschau und Calau ehrenamtlich ausgebildet, Senioren in deren Wohnung zu besuchen. Um sie zu beschäftigen, mit ihnen zu reden und sie vor Stürzen zu bewahren. Von Rüdiger Hofmann

„Was benötigen wir zum Backen?“, wird in der Seminargruppe gefragt. Die Antworten reichen von Mehl über Zucker bis zu Milch. Etwa 20 Teilnehmer sitzen in einem Kreis. Wenig später werden sie Bälle in ihren Händen kreisen lassen. Gesungen wird auch. Was auf den ersten Blick wie eine Seniorenweihnachtsfeier aussieht, ist auf den zweiten Blick eine Gruppe von Bürgern, die sich schulen lässt. „Im OSL-Landkreis führen wir die Seminarreihe zum ersten Mal durch“, sagt Ingrid Witzsche, Projektinitiatorin vom Förderverein Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg. „Wir gehen dann später mit den Ausgebildeten auf Ältere zu, die nicht mehr aus ihren eigenen vier Wänden herauskommen“, so Witzsche. Im Kurs würden die ehrenamtlichen Teilnehmer die theo­retischen Grundlagen erlernen. Künftig sollen sie das Erlernte in die Praxis umsetzen und zu den Rentnern nach Hause gehen, sie einzeln oder in Gruppen betreuen. Mit ihnen reden, ihre Selbstständigkeit fördern und sie wieder zu mehr Vitalität, Kraft und Balance anregen. Die Auftaktveranstaltung der vierwöchigen Ausbildung fand in Vetschau, der Abschluss in Calau statt.

Eine der Kursteilnehmerinnen ist Marlies Skomda aus Gosda (Luckaitztal). „Nach fünf Jahren Rente wollte ich wieder etwas Nützliches machen, mit Menschen zusammenarbeiten, mich einbringen“, sagt Skomda, die vor ihrem Renteneintritt 2012 im Handel und im öffentlichen Dienst tätig war. Die Fortbildung sei eine „ungemeine Bereicherung“ für sie gewesen. „Ich finde auch die Mischung der Gruppe sehr gut“, sagt Skomda. Sich hinein versetzen in Menschen, die ein entsprechendes Alter erreicht haben und nicht mehr so fit sind, das ist aus ihrer Sicht wichtig. Berührungsängste hat sie keine, betont aber, dass es passen muss zwischen Betreuer und Betreutem. Immerhin muss Vertrauen aufgebaut werden, denn die Ehrenamtler verbringen dann viel Zeit mit den Senioren in deren privaten Wohnungen.

Gemeldet hat sich Marlies Skomda vor etwa einem Jahr zunächst bei der AWO, um anschließend einen mehrtägigen Lehrgang in Cottbus zu absolvieren. Nun hat sie sich – wie die gesamte Gruppe – den November über ausbilden lassen. Zum Abschluss erhält sie wie alle ein Zertifikat. „Bewegungsförderung und Sturzprävention bei ehrenamtlichen Besuchen zu Hause und in Betreuungsgruppen“ heißt das Modul, das vom Netzwerk „Lange mobil und sicher zu Hause“ in 24 Unterrichtseinheiten angeboten wird.

„Inhaltlich geht es um Möglichkeiten, wie man ältere Leute zu mehr Bewegungen und Selbstständigkeit motivieren kann. Da hilft manchmal eine Selterflasche, die man in der Hand bewegen kann, oder ein kleiner Ball für Fingerübungen“, sagt Andrea Richter von der AWO Brandenburg Süd. Auch kleinere Musik- und Tanzelemente können helfen, um fit zu bleiben. „Es geht auch darum, das Wohnumfeld auf Sicherheit zu prüfen, um Stürze in der Häuslichkeit zu vermeiden“, so Andrea Richter. Gemeinsam mit Ute Richter von der AWO sind sie die Träger des Netzwerks und Projektkoordinatorinnen. Beide haben den Großteil der Mitwirkenden vorgeschlagen, sie zu schulen – wie Marlies Skomda. Die agile Rentnerin überlegt nun sogar, eine Bewegungsgruppe aufzubauen. „Erste Interessenten habe ich bereits in Hinterhand“, so Skomda.