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| 13:52 Uhr

Angst und Ärger wegen Wölfen
Landwirte fordern Unterstützung

Zum zweiten Mal beteiligten sich Matthias und Peter Kurth von der Lindenhof GbR Craupe an einer vom Bauernbund Brandenburg initiierten und landesweit durchgeführten Wolfswache. Auch in Leibsch (LDS) wurde eine Wolfswache organisiert.
Zum zweiten Mal beteiligten sich Matthias und Peter Kurth von der Lindenhof GbR Craupe an einer vom Bauernbund Brandenburg initiierten und landesweit durchgeführten Wolfswache. Auch in Leibsch (LDS) wurde eine Wolfswache organisiert. FOTO: Uwe Hegewald
Craupe. Teilnehmerzuwachs bei symbolischer Wolfswache in Calauer Ortsteilen Von Uwe Hegewald

Wuchtige Baumstämme bilden ein Rondell rund um das Mahnfeuer am Ortsausgang von Craupe (Stadt Calau). Zum zweiten Mal folgen die Gebrüder Kurth von der Lindenhof GbR dem Aufruf des Bauernbundes Brandenburg zur Durchführung von Wolfswachen. Getränke und Speisen werden gereicht – wie bereits bei der „Wolfswache mit Mahnfeuer“ vor einem Jahr. „Wir werden das solange durchziehen, bis praktikable Lösungen gefunden sind“, kündigt Matthias Kurth an.

Die Unzufriedenheit des Landwirts, der einen Großteil seines Rinderbestandes in klassischer Weidetierhaltung aufzieht, begründet sich durch eine zunehmende Wolfsdichte und die sich daraus entwickelnde Sorge über Attacken auf Weidetiere. Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg, bemüht sich, zwei Protestschilder in den noch teilweise gefrorenen Boden zu rammen. „Schutzstatus lockern!“ und „Wolf contra Weidetierhaltung“ ist auf diesen zu lesen. „Am Milchgut Görlsdorf verzeichnen wir ständig Annäherungen von Wölfen. Selbst am helllichten Tag“, beklagt sie und stellt die oft angeführte Scheu von Isegrim vor Menschen in Frage.

„Naturnahe Weidewirtschaft ist gewünscht“, führt Heiko Terno an. Wie der Vizepräsident des Brandenburgischen Bauernverbandes betont, gehe es nicht allein um das gerissene Kalb, sondern auch um das aufwendige Einfassen von Koppeln. „Wir können doch zum Schutz gegen Wölfe nicht die komplette Landschaft einzäunen. Es genügt ein Blick in Tierparks, in denen Wölfe hinter großen Sicherheitsanlagen gehalten werden.

„Die will kein Mensch“, so Heiko Terno. Rund sechs Euro müssten Landwirte pro laufenden Meter Schutzzaun mit fünf Drähten und entsprechenden Metallpfosten hinblättern, schätzt Matthias Kurth. „Das mag bei privaten Flächen noch funktionieren. Auf allen Pachtflächen müssten zuvor Genehmigungen eingeholt werden“, erklärt er.

Vor Einbruch der Dunkelheit verliest der Landwirt dann seine Forderungen an die Politik: 100-prozentige Übernahme der Kosten für wolfssichere Zäune zum Schutz von Weidetieren; das Einrichten von wolfsfreien Zonen; die „Entnahme“ aller Wölfe, die sich bei den Weidetieren bedienen; die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sowie den 100-prozentigen Ersatz aller durch Isegrim getöteten, verletzten oder durch Frühabort geschädigten Weidetiere.

„Die Nachweispflicht liegt beim zuständigen Ministerium“, fügt Matthias Kurth an, dem eine weitere Sorge umtreibt: der Verlust der Lebensqualität der Landbevölkerung. Wie lange ist das Spazierengehen, Joggen oder Pilze sammeln im Wald noch möglich? Wer gestattet es noch Kindern allein im Wald zu spielen?

Paul Bertmaring kann die Bedenken nachvollziehen. „In meinem Revier sind immer seltener Spaziergänger anzutreffen. Die Leute trauen sich einfach nicht mehr in den Wald“, begründet der Jagdpächter. Teile seines Reviers erstrecken sich über die Babbener Heide, in dem mindestens ein Wolfsrudel ansässig ist. „Bei einer Umfrage zum Schutzstatus des Wolfes würden sich 70 Prozent der Landbevölkerung gegen die bestehenden Verordnungen aussprechen“, prophezeit der Radensdorfer Waidmann. „Ich kann die Glorifizierung des Wolfes nicht nachvollziehen“, so Bertmaring. Ihm ärgert es, wie die Landbevölkerung gegen Naturschützer und Städte ausgespielt wird.

Später stößt auch seine Gattin zu den Teilnehmern der Wolfswache, um von ihren Begegnungen mit fünf spielenden Wolfswelpen zu berichten. Zwischenzeitlich sind es über 35 Besucher, unter ihnen die CDU-Landtagsabgeordnete Roswitha Schier, das ehemalige SPD-Mitglied des Landtages, Werner-Siegwart Schippel und zu später Stunde auch Landrat Siegurd Heinze (parteilos).