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Landwirt beklagt Hürden der Bürokratie

Reinhard Mich (l.) und Kerstin Deckert (Mitte) zeigten Minister Jörg Vogelsänger (3.v.r.) und Sylvia Lehmann (2.v.r.) den Betrieb.
Reinhard Mich (l.) und Kerstin Deckert (Mitte) zeigten Minister Jörg Vogelsänger (3.v.r.) und Sylvia Lehmann (2.v.r.) den Betrieb. FOTO: Daniel Preikschat
Klein Radden. Kerstin Deckert arbeitet im Gemüsebaubetrieb Spreewald in Klein Radden weder auf dem Feld noch im Hofladen noch im Lager. Dennoch hat sie in dem Familienbetrieb mit 140 Hektar Anbaufläche gut zu tun. Daniel Preikschat

Die Betriebsberaterin der LAB (Landwirtschaftliche Beratung der Agrarverbände Brandenburg GmbH) mit Sitz in Luckau nimmt Geschäftsführer Marcel Mich weitgehend den Papierkram ab. Kerstin Deckert stellt Agrarförderanträge, dokumentiert akribisch den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, hilft - wenn nötig - den Betrieb umzustrukturieren, steuert den Einkauf, wägt Investitionen ab.

Mit Senior-Chef Reinhard Mich gab die Fachfrau kürzlich Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) und der SPD-Bundestagskandidatin Sylvia Lehmann Einblick in die landwirtschaftliche Praxis. Durchaus wollten Gemüseanbauer und Betriebsberaterin dabei auch das Problembewusstsein des Ministers schärfen. Denn Probleme habe ein Betrieb wie der in Klein Radden einige zu bewältigen.

Geeignete Arbeitskräfte, so Mich, seien kaum mehr zu bekommen. Vom Mindestlohn, fuhr er fort, profitierten die Erntehelfer wenig. Essen und Unterkunft, zuvor kostenfrei, berechne der Arbeitgeber nun, um die Mehrkosten auszugleichen. Zudem gingen vom Lohn Sozialabgaben und Rentenzahlungen ab.

Immer strengere Pflanzenschutzrichtlinien und Einschränkungen durch die neue Düngeverordnung, fuhr Mich fort, lohnten den Anbau bestimmter Fruchtsorten kaum. Weißkohl etwa wachse in der Region nicht mehr. Bei Anträgen, Dokumentationen und Nachweisen, ergänzte Betriebsberaterin Kerstin Deckert, müsse man genau sein wie ein Vermessungsbüro. Sie frage sich, welcher Landwirt das neben seiner eigentlichen Arbeit leisten kann. Vogelsänger versicherte eher allgemein, die Hinweise zu beherzigen und zu helfen, soweit er das könne. Darüber hinaus lobte er "die beeindruckende Vielfalt" des Gemüseanbaubetriebs, der seit Generationen in Familienhand ist. Es gebe kein vergleichbares Unternehmen im Land.

Dank der vom Minister gewürdigten Vielfalt, so Kerstin Deckert, sei der achtköpfige Betrieb mit Hofladen und Verkaufsständen recht gut aufgestellt. Seit Anfang der Zweitausender Jahre bauten die Michs neben einer Reihe von Gemüsesorten Getreide an. Mittlerweile werde, auch aufgrund von Preisentwicklung und Bürokratisierung, sogar mehr Getreide als Gemüse angebaut. Gurken könnten nur noch in der Region an Verarbeiter wie Krügermann oder Spreewaldrabe verkauft werden. Von einst 70 Hektar schrumpfte die Anbaufläche auf nur noch zehn Hektar. Hätte Reinhard Mich nicht eine besondere Vorliebe für dieses Gemüse - es würde in Klein Radden gar nicht mehr erzeugt.

Zugute, so Kerstin Deckert, komme dem Anbauer auch Reinhard Michs Kompetenz und seine Kontakte. Der Gartenbauingenieur ist Mitglied im Bundesausschuss Obst und Gemüse, Leiter der Fachgruppe Gemüsebau im Gartenverband Berlin-Brandenburg, zudem in leitender Funktion beim regionalen Arbeitskreis Gurken. Kommunalpolitiker kennen Mich als AWG-Stadtverordneten in Lübbenau sowie als Mitglied im OSL-Kreistag.

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Im Gemüsebaubetrieb Spreewald in Klein Radden fiel der Erdbeer-Ertrag aufgrund des späten Frosteinbruchs im April und sogar noch im Mai um etwa 30 Prozent schlechter aus als in den Vorjahren. Bei der Gurkenernte hingegen habe es keine Einbußen gegeben, da das Gemüse in Klein Radden erst relativ spät, bis Ende April, gepflanzt worden ist. Von gravierenden Hagelschäden sei man in diesem Jahr verschont geblieben. Bis in den November werde in dem Betrieb noch geerntet, hieß es bei dem Besuch von Minister Jörg Vogelsänger.