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Landpartie mit Schreckmomenten

Steffen Hoffmann (Werchow) und Frank Jakubasch (Bolschwitz) bildeten den Angriffstrupp. Ihre Aufgabe bestand darin, aus dem verqualmten Gebäude eine leblose Person (Dummy) zu retten und anschließend eine Propangasflasche zu bergen.
Steffen Hoffmann (Werchow) und Frank Jakubasch (Bolschwitz) bildeten den Angriffstrupp. Ihre Aufgabe bestand darin, aus dem verqualmten Gebäude eine leblose Person (Dummy) zu retten und anschließend eine Propangasflasche zu bergen. FOTO: Hegewald/uhd1
Calau/Craupe. Den Samstagvormittag wollte sich Frank Jakubasch eigentlich anders gestalten: "Zuerst den Rasen mähen und anschließend den Trecker reparieren", erzählt der Feuerwehrmann aus Bolschwitz. Aber Pustekuchen. Uwe Hegewald / uhd1

Um 9.25 Uhr heulen in sechs Dörfern der Stadt Calau die Sirenen, wenig später auch noch in Groß Jehser. "Da uns nicht genügend Atemschutzgeräteträger zur Verfügung standen, mussten wir nachalarmieren", begründet Marco Pötsch. Der Zugführer (Calau/Zug IV) ist gleichzeitig Initiator der Einsatzübung und Übungsverantwortlicher.

Das Szenario: Kinder kokeln im Sozialgebäude eines Landwirtschaftsgebäudes, aus dem dicker Qualm dringt. Eine Person gilt es zu retten sowie eine Propangasflasche aus dem Gebäude zu holen. "Brand, Gebäude groß" lautet das Einsatzstichwort, das Feuerwehrleuten per Pieper oder Fax übermittelt wird. 25 Minuten nachdem Frank Jakubasch seinen sprießenden Rasen und zu reparierenden Traktor zurücklässt, stürmt der 42-Jährige als Angriffstruppmann ins Gebäude.

An seiner Seite Angriffstruppführer Steffen Hoffmann (36) von der Freiwilligen Feuerwehr Werchow. Nachdem sich weder bei den zuerst anrückenden Kameraden aus Craupe (fünf Minuten) und Gollmitz (zwölf) Atemschutzgeräteträger befinden, liegt die Verantwortung beim Duo Jakubasch/Hoffmann. Übungsverantwortlicher Pötsch führt den selbstauswertenden Charakter der Einsatzübung an: "Stehen an einem Samstagvormittag genügend Atemschutzgeräteträger und Führungskräfte zur Verfügung?" Immerhin: 45 Einsatzkräfte zieht es zur sehr speziellen Landpartie nach Craupe, wo Lucas Fiedermann die Einsatzleitung übernimmt. "Meine erste Einsatzleitung überhaupt. Ich bin nicht nur in kaltes, sondern in eiskaltes Wasser geworfen worden", beschreibt der Oberlöschmeister seine Gefühlslage.

Aus Zinnitz kommend rechnete er fest damit, dass bereits anwesende und gestandene Führungsleute mit entsprechenden Qualifikationen die Einsatzleitung übernommen haben. Aber auch diese Mal Pustekuchen. "In diesem Fall kommt es umso mehr auf ein geschlossenes Auftreten an", betont Marco Pötsch, der einen besonderen Dank an die Lindenhof GbR richtet. Der Landwirtschaftsbetrieb hat sein Areal zur Verfügung gestellt, so der 40-Jährige, der in der Calauer Feuerwehr als Ausbilder tätig ist. GbR-Geschäftsführer Matthias Kurth begrüßt das gelegentliche Durchführen von Einsatzübungen in Landwirtschaftsbetrieben. "In Verbindung mit Tieren kann es dort zu heiklen Situationen kommen. Geraten Tiere in Panik, kann das erhebliche Verluste herbeiführen", bemerkt er. Feuerwehrleute müssten in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahren und darauf achten, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. "Einem flüchtenden, zentnerschweren Bullen sollte man sich besser nicht in den Weg stellen", erklärt Matthias Kurth an einem Beispiel.

Zum Ende der Übung ist der Landwirt Ohrenzeuge der Auswertung, in der Marco Pötsch den 45 Kameraden erklärt, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden müsse. Seine verbalen Respektäußerungen gegenüber Premieren-Einsatzleiter Lucas Fiedermann münden in einem heftigen Applaus aller.

Es sei ihm hoch anzurechnen, dass er sich ausgerechnet an seinem 24. Geburtstag eingereiht und die Einsatzleitung übernommen hat, würdigte Pötsch das selbstlose Engagement seines Zinnitzer Kameraden.