ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:56 Uhr

Landkreise erwarten Flüchtlingswelle

Das Asylbewerberheim in Waßmannsdorf (Nord-LDS) soll saniert werden. Zunächst aber werden Zwischenlösungen gebraucht.
Das Asylbewerberheim in Waßmannsdorf (Nord-LDS) soll saniert werden. Zunächst aber werden Zwischenlösungen gebraucht. FOTO: LDS
Lübben/Senftenberg. Krisen und Kriege in der ganzen Welt klopfen an die Türen von Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz. Beide Kreise richten sich auf eine steigende Zahl von Flüchtlingen ein. Für die Asylbewerberheime in Sedlitz und Waßmannsdorf zieht das Konsequenzen nach sich. Ingvil Schirling

Gerade hat der Landkreis Dahme-Spreewald sich auf die Sanierung des Asylbewerberheims in Waßmannsdorf nahe Berlin eingerichtet, einer ehemaligen NVA-Kaserne, da überrollen ihn die Ereignisse. Waren es im März noch 193 Männer und Frauen, die in den stark renovierungsbedürftigen Häusern wohnten, liegt die aktuelle Zahl bereits bei 216. Mitte Juli, so Sozialdezernent Carsten Saß (CDU), werden es voraussichtlich 243 sein, und bis Jahresende wird die Kapazität von 250 Plätzen mit weiteren 117 Asylbewerbern endgültig überschritten sein.

In Waßmannsdorf treffen dabei verschiedene Probleme knallhart aufeinander: Der Sanierungsstau im Gebäude, der ansteigende Flüchtlingsstrom vor allem aus der Russischen Föderation, Tschetschenien, Serbien und dem Tschad - und die Denkmalschutzbehörde. Wie Landrat Stephan Loge (SPD) im Kreisausschuss diese Woche informierte, ist diese mit den Überlegungen des Landkreises nicht einverstanden. Um die ehemalige Kaserne sanieren zu könne, plante die Verwaltung, die Asylbewerber in Wohn-Containern auf dem Gelände unterzubringen. Das lässt die Behörde aber aus Denkmalschutzgründen nicht zu - und stellt den Landkreis damit vor Probleme.

Auch Oberspreewald-Lausitz erwartet steigende Flüchtlings-Zahlen. Wie LDS rechnet der Kreis damit, dass bereits im Lauf dieses Jahres nicht mehr alle Spätaussiedler und Flüchtlinge im Sedlitzer Heim untergebracht werden können - und dabei versuchen beide Kreise seit langem, Familien in Wohnungen zu vermitteln. OSL will seine Gemeinschaftsunterkunft in Sedlitz vor diesem Hintergrund für rund 620 000 Euro erweitern und diskutiert seit dieser Woche in den Gremien darüber.

Derweil macht sich die Landkreisverwaltung Dahme-Spreewald über Alternativen Gedanken - und Sorgen darüber, wie sie die Pflichtaufgabe der Unterbringung und die Sanierung erfüllen kann. Dem Landesdenkmalamt soll vorgeschlagen werden, mobile Unterkünfte zu bauen, die mit Wohncontainern praktisch nichts mehr zu tun haben. Wenn es weiterhin gelingt, Asylbewerber auch in Wohnungen unterzubringen, wäre eine Lösung für 80 Menschen vorerst ausreichend.

Doch da lauert die nächste Unwägbarkeit. Problem Nummer eins ist, dass die Vermietungsquote im nördlichen Dahme-Spreewald-Kreis nahe Berlin kurz vor 100 Prozent liegt, wie Landrat Loge deutlich machte. Problem Nummer zwei ist, dass Großvermieter wie die kommunalen oder privaten Wohnungsbaugesellschaften vom Landkreis Mietgarantien über sechs Monate verlangen. In der Diskussion wurde deutlich, dass einige davon offenbar nicht übermäßig kooperativ sind. Kerstin Rubenbauer (Die Linke) ging im LDS-Kreisausschuss diese Woche daraufhin auf die Barrikaden. Das mache sie "ganz doll traurig. Ich lasse aber auch nicht locker", nahm sie auf Leerstände in Bestensee Bezug.