| 02:44 Uhr

Laien wollen auf Kirchenkanzel

Birgit Welzel aus Calau ist eine von fünfzehn Teilnehmern des Lektorenkurses im Kirchenkreis Niederlausitz.
Birgit Welzel aus Calau ist eine von fünfzehn Teilnehmern des Lektorenkurses im Kirchenkreis Niederlausitz. FOTO: Dorn
Calau. Mit einer Ausbildung für Laienprediger will der Kirchenkreis Niederlausitz dem strukturellen Wandel begegnen und das Leben kleiner Kirchengemeinden stärken. red/SvD

Birgit Walter-Goers aus Mochwo, Heike Bloch und Sonja d´Heureuse aus Kuschkow sowie Birgit Welzel aus Calau sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in ihren Kirchengemeinden. Sie wollen mehr - sie wollen als Lektoren Gottesdienste halten. Gemeinsam mit anderen Christen aus dem Kirchenkreis drücken sie deshalb bis zum November dieses Jahres zweimal im Monat in Lübben die Schulbank. Darüber berichtet Franziska Dorn, Pressesprecherin des Kirchenkreises. Wie viele andere Kursteilnehmer wirkt Birgit Welzel aus Calau bereits jetzt in Gottesdiensten mit, zum Beispiel mit Lesungen oder bei der Fürbitte. Sie ist außerdem im Gemeindekirchenrat aktiv und Sängerin im Kirchenchor. An verschiedenen Stellen in der Kirchengemeinde mitwirken zu können, empfindet sie als große Bereicherung für ihr Leben. "Wenn ich später selbständig Gottesdienste halten werde, kann ich etwas zurückgeben.", sagt die 50-Jährige am vergangenen Montag in Lübben, wo Superintendent Thomas Köhler den professionellen Umgang mit Bibeltexten lehrte. Sich in einer Gruppe mit der Bibel auseinanderzusetzen, sei für sie eine interessante Erfahrung. Das sagt auch Kursteilnehmer Gerd Kaufmann aus Luckau. Er ist beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) in Luckau in der Jugendarbeit aktiv. Für ihn steht die theologischen Auseinandersetzung im Mittelpunkt. In weiteren Modulen sollen Themen wie Gottesdienstaufbau, das Abendmahl oder die Liturgie folgen. Welches das richtige Lied zur richtigen Zeit im Kirchenjahr ist und wie man die Gemeinde im Gesang anleitet, werden die Kursteilnehmer bei Kreiskantor Andreas Jaeger lernen. Am Ende des Lehrplanes steht ein Probegottesdienst.

Dass die Anzahl der Pfarrer aufgrund des demografischen Wandel immer geringer wird, sei bekannt, betont Superintendent Thomas Köhler. "Gut ist es, dass unser Angebot angenommen wird und damit der Gottesdienst, das zentrale Element im Gemeindeleben, auch in personell schwierigen Zeiten gesichert ist. Viel wichtiger ist für mich allerdings, dass die Gemeindemitglieder offenkundig ihre Mündigkeit erkennen und aktiv werden. Das wird das Gemeindeleben in kleinen Orten unseres Kirchenkreises stärken", sagt er.

Wenn die Teilnehmer ihren Kurs erfolgreich beendet haben, dürfen sie als Lektor selbständig Gottesdienst halten und das Abendmahl austeilen. In einer Predigt eine Bibelstelle auszulegen, bleibt allerdings den Theologen vorbehalten. Lektoren greifen auf vorgefertigte Texte, auf sogenannte Lesepredigten zurück. Im Kirchenkreis Niederlausitz gibt es 100 Kirchengemeinden, die gegenwärtig von 21 Pfarrern und dem Superintendenten betreut werden. Mit den ausgebildeten Lektoren wird es leichter, ein flächendeckendes Gottesdienstangebot zu gewährleisten.