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| 02:42 Uhr

Längst verschwunden: Raschkonitzer Mühle bei Boblitz

Blick vom Hochwasserschutzdamm zwischen Boblitz und Raddusch über die Raschkonitza, dem heutigen Südumfluter, in Richtung Jeschoa (auf dem Foto oben), der heutigen Unteren Boblitzer Kahnfahrt. Auf dem rechten Ufer der Raschkonitza stand die Wassermühle. Der Durchstich-Kanal (auf dem Foto links) wurde 1908 angelegt.
Blick vom Hochwasserschutzdamm zwischen Boblitz und Raddusch über die Raschkonitza, dem heutigen Südumfluter, in Richtung Jeschoa (auf dem Foto oben), der heutigen Unteren Boblitzer Kahnfahrt. Auf dem rechten Ufer der Raschkonitza stand die Wassermühle. Der Durchstich-Kanal (auf dem Foto links) wurde 1908 angelegt. FOTO: B. Marx/bdx1
Boblitz. Im Zuge der diesjährigen Erinnerungsfeiern zur historischen Ersterwähnung des Spreewalddorfes Boblitz, niedersorbisch Babelicz, vor 555 Jahren, gehen die Gedanken an die längst vergangenen technischen Gebäude, Bauwerke und Anlagen in der Gemeinde zurück. Zu den ersten technischen Errungenschaften im Dorf gehörten die Mühlen: zwei Wasser- und zwei Windmühlen. bdx1

Während das Gebäude der Wassermühle mitten im Ortskern, der Antrieb erfolgte durch die Wasserkraft des Flüsschens Dobra, noch als Bausubstanz vorhanden ist, sind die anderen drei Mühlen gänzlich verschwunden.

Die heutigen Dorfältesten können sich noch an die Bockwindmühle am Ortsausgang in Richtung Raddusch beziehungsweise Groß Lübbenau erinnern. In den Jahren 1953/54 wurden die Reste der bereits nicht mehr vollständig intakten Bockwindmühle beseitigt.

Die zweite Bockwindmühle stand noch im 18. Jahrhundert auf dem Flurstück Rugan, wie Eintragungen auf historischen Landkarten belegen.

Kaum noch bekannt ist die Wassermühle an der Raschkonitza. Sie befand sich seit dem Jahre 1770 an der Einmündung der Raschkonitza (seit 1937 als Leineweberfließ, heute als Südumfluter bekannt) und der Jeschoa (Untere Boblitzer Kahnfahrt). Da der Durchstich-Kanal erst im Jahre 1908 fertiggestellt wurde, flossen die Wasser der Jeschoa und der Raschkonitza anfangs in Richtung des Dorfes Boblitz. Nach etwa 300 Metern floss das Wasser erst in die westliche, dann in die nördliche Richtung und mündete in die Goroschoa.

Die Obere Boblitzer Kahnfahrt gewann erst nach 1890 an Bedeutung, als der Ausbau-Kanal östlich um das Dorf Boblitz herum angelegt wurde. Das Wasser der Dobra floss nun nicht mehr in Richtung der Lübbenauer Dammstraße, der Grund war das sehr tief gelegte Eisenbahngleis von Lübbenau nach Raddusch im Jahre 1866, sondern über den Ausbau-Kanal in Richtung der Goroschoa.

Die Wasserverhältnisse für die Raschkonitzer Mühle waren nicht sehr günstig. Die Raschkonitza war ein schmales Flüsschen und führte nicht diese großen Wassermassen heran, wie es heute beim Südumfluter der Fall ist. Die umfangreichen Arbeiten des Reichsarbeitsdienstes in den 1930er-Jahren und die Meliorationsarbeiten in den 1970/80er-Jahre haben die hydrologischen Verhältnisse gravierend verändert. Der Fachbaum an der Raschkonitzer Mühle führte nur aus etwa 30 Zentimeter Höhe das Wasser der Raschkonitza auf das unterschlächtige Wasserrad. In der hölzernen Arche waren drei Schutzwehre vorhanden, die bei Gefahr von Hochwasser geöffnet werden konnten. Bei Öffnung der drei Wehre konnte das Wasser in einer Breite von fünf Metern ablaufen, was auf die ungefähre Breite der Raschkonitza hinweist.

Die Mühle brannte im Jahre 1845 ab. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Nach über 170 Jahren sind die letzten Spuren der Raschkonitzer Wassermühle vollständig aus der Landschaft verschwunden. Nur die historischen Eintragungen in den Geschichtsbüchern weisen auf ein technisches Denkmal in Boblitz an der Raschkonitza hin.