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| 02:32 Uhr

Kunstzimmer beleben den Bahnhof

Susann Bahnemann, Mitarbeiterin im Spreewelten-Bahnhof, im Zimmer "Unter und über dem Wasser", gestaltet von Egidius Knops.
Susann Bahnemann, Mitarbeiterin im Spreewelten-Bahnhof, im Zimmer "Unter und über dem Wasser", gestaltet von Egidius Knops. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Der Bahnhof in Lübbenau ist mehr als nur das. Dank eines Pensionsbetriebs mit künstlerisch gestalteten Zimmern kann das denkmalgeschützte Gebäude kostendeckend betrieben werden. Die Erfolgsgeschichte begann vor nunmehr genau zehn Jahren. Daniel Preikschat

Soll es das "Gemach des Wendenkönigs" sein oder doch lieber der "Spreewaldexpress - Abteil Miss Marple"? Elf Zimmer laden im Spreewelten-Bahnhof zum Übernachten ein. Wobei, so Mitarbeiterin Susann Bahnemann, die "Gurkenlounge" und das Zimmer "Spreewald à la carte" am beliebtesten sind. Die seien fast ständig vergeben. Insgesamt seien die Zimmer im vergangenen Jahr zu 60 Prozent ausgebucht gewesen.

Spreewelten-Prokurist Axel Kopsch findet, dass sich diese Quote im Vergleich mit anderen Übernachtungsbetrieben durchaus sehen lassen kann. Zumal der Standort, zwischen dicht befahrener Straße und Bahngleisen, nicht ideal erscheint. Doch das werde mehr als wettgemacht durch die einzigartige Gestaltung der Zimmer. "Schlafen im Kunstwerk" nannte es Matthias Platzeck bei einem Besuch vor zehn Jahren ganz hingerissen. Wo sonst, so der damalige Ministerpräsident, könne man neben Fischmotiven auf Leuchtflächen nächtigen oder umgeben von fantastischen Wandmalereien. Und das in Zimmern, die Jahre lang leerstanden, als der Bahnhof noch der Deutschen Bahn gehörte. Unsaniert und mit stark eingeschränkten Öffnungszeiten dümpelte er damals vor sich hin.

Leben in den Backsteinbau Baujahr 1860 brachte erst wieder die Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (WiS). Im Januar 2006 verkaufte der neue Eigentümer erstmals anstelle der Deutschen Bahn die Fahrkarten, betrieb zudem im Erdgeschoss, Touristinformation, Radverleih und Souvenir-Shop. 1,3 Millionen Euro waren da schon in die Sanierung investiert worden. Noch im gleichen Jahr, erinnert Axel Kopsch, holte die WiS von Künstlern Gestaltungsvorschläge für die Zimmer im Obergeschoss ein. Silvester 2006 kamen die ersten Pensionsgäste. In der verwaisten Mitropa öffnete ein Restaurant.

In den Folgejahren betrieb die WiS-Tochter Spreewelten GmbH den Bahnhof und steigerte den Gesamtumsatz durch Fahrkartenverkauf und Zimmervermietung von 350 000 Euro im Jahr 2006 auf 880 000 Euro 2015. Längst schreibe der Bahnhof trotz hoher Betriebskosten keine roten Zahlen mehr, so Axel Kopsch. Längst habe er sich auch als Gewinn für den Tourismus in der ganzen Region erwiesen.

Zum Thema:
Am kommenden Samstag, 9. Januar, können Interessierte den Lübbenauer Bahnhof bei einem Tag der offenen Tür erkunden. Von zehn bis 14 Uhr sind einige der Pensionszimmer zu besichtigen. Der SachsenDreyer unterhält mit Sketchen und Musik. Weiter gibt es Gutscheine und Preise zu gewinnen. Einige der Künstler, die damals die Zimmer gestaltet haben, stehen als Gesprächspartner zur Verfügung.