Von Daniel Preikschat

Ludger Wimberg steht, tief in Betrachtung versunken, in seinem Garten. Er kann sich ganz offensichtlich an ihr nicht sattsehen. Sie hat ebenmäßige Gesichtszüge, große Augen, einen fein geschnittenen Mund. Auf ihrem Kopf trägt sie zwei Vögel, Weintrauben, Äpfel, weiteres Obst. Und sie ist aus Holz. Gefertigt aus einem Eichenstamm beim diesjährigen Spreewaldatelier.

Wimberg hat Fedir Bushmanov bei der Arbeit am Stamm gebannt zugesehen. Auf dem Kirchplatz in der Altstadt hatte der junge Ukrainer seinen Arbeitsplatz im Freien. Neben ihm sägten und feilten 14 weitere Bildhauer, die zum Spreewaldatelier 2019 eingeladen worden waren. 15 Stämme wurde bearbeitet. Gleich zu ihm gesprochen und eine Beziehung aufgenommen aber habe nur dieses eine Kunstwerk, das im Entstehen war, schildert der ehemalige Journalist und Buchautor Wimberg. So nahm er sich vor, bei der Auktion, mit der das Spreewaldatelier traditionellerweise abschließt, mitzubieten. „1500 Euro war mein Limit“, erzählt er. 1600 Euro sind es dann geworden, plus 200 Euro für den Stahlfuß. „Clean earth“ (dt. saubere Erde), so hat Bushmanov die Skulptur genannt, gehörte nun ihm.

In seinem Garten in Lübbenau hat Wimberg die Eichenholz-Schönheit nur mit einigem Aufwand aufstellen können. Zwei gute Freunde halfen, ein Nachbar und der Bauhof beim Aufladen. Im Kastenwagen wurde die Skulptur vom Kirchplatz in die Gartenstraße gefahren, auf Wimbergs Grundstück dann mit Paletten sowie Wagenheber- und Seilzugeinsatz dorthin platziert, wo sie hin sollte. Im Freien, dennoch überdacht und auf gepflastertem Grund, steht nun die Errungenschaft.

Wimberg hat Lichtstrahler zu ihren Füßen und über ihrem Haupt montiert. In verschiedenen Farbtönen wird sie nun nach Sonnenuntergang ins Licht gesetzt. Nofretete, wie Ludger Wimberg das Kunstobjekt manchmal auch nennt, sieht dabei immer gut aus. „Außer bei grünem Licht. Da sieht sie so aus, als wäre ihr schlecht.“ Eindruck macht „clean earth“ auch bei seinen Feriengästen, erzählt der Ostfriese, der nach der Wende in Lübbenau heimisch geworden ist. Das große Holzgesicht habe kürzlich ein Kleinkind allerdings etwas erschreckt. Obwohl Nofretete sehr friedvoll in den Garten blickt.

Glücklich macht auch eine andere Spreewaldatelier-Skulptur. Karin Linke, Geschäftsführerin des Medizinischen Zentrums Lübbenau (MZL), hat sie für die Gynäkologie und Geburtshilfe im Ärztehaus ersteigert – für mehr als 2000 Euro, wie sie sagt. Den Klapperstorch von Bildhauer Volker Steigemann finden auch Fachärztin Sabrina Glagau und ihr Team schön anzusehen und passend für eine Praxis, in der Eltern vom ersten Herzschlag des Kindes bis zur Geburt betreut werden. Das 1,70 Meter große Objekt steht nun im Wartebereich. Außerhalb des MZL haben im Laufe der Jahre bereits mehrere Spreewaldatelier-Skulpturen ihren Platz gefunden.

Ihre Freude haben werden aber auch die 33 anderen Freunde der Kunst, die am 21. September bei der Auktion „zugeschlagen“ haben. Da sind sind sich zumindest Queenie Nopper und Jürgen Othmer vom Kooperationsprojekt Lübbenaubrücke sicher. Wobei auch mit kleinem Geldbeutel Schönes zu bekommen war. Zeichnungen der zehn Karikaturisten, die ebenfalls traditionsgemäß beim Spreewaldatelier immer dabei sind, gab es schon ab 20 Euro. Die teuerste große Holzskulptur freilich hat ihre 2700 Euro gekostet.

Insgesamt, so Jürgen Othmer, betrug der Verkaufserlös 26 000 Euro.

Die Bildhauer und Karikaturisten müssen allerdings einen Teil des Versteigerungsgelds für ihre Objekte und Zeichnungen an den Veranstalter als Provision abtreten, erklärt Othmer. Dieses Geld werde benötigt für die Refinanzierung beziehungsweise sei bereits eingeplant für die Vorbereitung des nächsten Spreewaldateliers in zwei Jahren.

Man müsse aber auch ehrlich sagen, so der Leiter der Lübbenaubrücke, dass die Veranstaltung ohne die Zuwendungen von der Stadt Lübbenau sowie von einer Reihe von Sponsoren nicht finanzierbar wäre. Zu schweigen von der nicht monetären Unterstützung. Es werde Technik zur Verfügung gestellt, Arbeitskraft, Übernachtungsmöglichkeiten für die Künstler oder auch Speis und Trank, alles kostenlos. Das Spreewaldatelier dauere eine Woche. Straff zu tun jedoch haben die Helfer mindestens drei Wochen. Die lange Liste der Unterstützer, denen die Lübbenaubrücke dankt, zeigt: Das Spreewaldatelier ist ein großes Gemeinschaftsprojekt.

Wobei sich der Einsatz für die Spreewaldstadt lohnt. Die Lübbenauer selbst und viele Besucher der Stadt genießen diese eine Woche, besuchen die Rahmenprogramm-Veranstaltungen, nutzen die Mitmachangebote, haben Othmer und Nopper festgestellt. Musik, Theater und Lichtinstallation seien mittlerweile ebenfalls feste Bestandteile des Spreewaldateliers. Am Finaltag, dem Samstag, sei sogar alles zugleich zu erleben gewesen.

Queenie Nopper beobachtet zudem einen großen Zusammenhalt der Künstler untereinander, in der Kunstszene habe sich das Spreewaldatelier einen sehr guten Ruf erworben. Genügend gute Künstler zu finden, sei daher nicht so das Problem. Allerdings wolle man künftig noch stärker darauf achten, dass die Bildhauer und Karikaturisten mit einem Plan anreisen für ihre Arbeiten, der zum gewählten Spreewald-Atelier-Thema auch passt und einen Kunstanspruch erfüllt. Queenie Nopper war in diesem Jahr, in dem es um das Thema Plastik ging, nicht mit allen entstandenen Werken einverstanden. Aus dem Atelier dürfe keine Holzschnitzerei werden. Aber da werde man schon wachsam sein.