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Kunst aus Eiche, auf Papier und klangvoll

Einen Stier, der eine Kuh auf dem Rücken trägt, hat Christoph Roßner 2015 aus dem Holz herausgearbeitet. Er wird auch in diesem Jahr dabei sein.
Einen Stier, der eine Kuh auf dem Rücken trägt, hat Christoph Roßner 2015 aus dem Holz herausgearbeitet. Er wird auch in diesem Jahr dabei sein. FOTO: dpr
Lübbenau. 15 Bildhauer und sieben Karikaturisten aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden beziehen am 16. September einen gemeinsamen Arbeitsplatz – das Spreewaldatelier auf dem Lübbenauer Kirchplatz. Hannelore Kuschy

Erstmals zeichnen die Karikaturisten unter freiem Himmel und lassen sich wie die Bildhauer bereits in den vergangenen Jahren von Passanten über die Schulter schauen.

Neben der Aquamediale in Lübben und der Spektrale in Luckau macht das Spreewaldatelier in Lübbenau das Dreigestirn im Kunstraum Spreewald komplett. Wenn es nach Holz, Terpentin und Acryl duftet, Späne fallen und Kettensägen kreischen, das dumpfe Schlagen der Beitel hörbar wird und lautlos die ersten Skizzen entstehen, dann ist die große Open-Air-Kunstwerkstatt geöffnet.

Die drei Meter langen Eichenstämme mit einem Durchmesser von rund 60 Zentimetern waren schon im vorigen Jahr in Altdöbern geschlagen worden. Was letztlich jeder Bildhauer aus diesem Holz herausarbeite, bleibe nicht selten bis weit in die Woche hinein unklar, so die Erfahrung von Queenie Nopper von der Lübbenaubrücke, die das Atelier gemeinsam mit der Stadt Lübbenau ausrichtet. Bis der Künstler schließlich von der Muse geküsst wird.

Neben Bewährtem steht dieses Mal auch Neues im Programm. "Wir wollen das bildhauerische Arbeiten, das Zeichnen und das Musizieren miteinander verbinden. Aber diese Genre-Mischung ist noch ein zartes Pflänzchen", sagt Projektleiter Jürgen Othmer. Das ordentlich wachsen könnte, weil vielversprechend. So ist für den 20. September um 18.30 Uhr unter dem Titel "HörGenuss und BilderLUST" ein Orgelkonzert mit einer Malerei-Performance in der Nikolaikirche angekündigt. "Kunst im öffentlichen Raum" wird am Sonntag, 17. September, um 17 Uhr im Künstlerzelt diskutiert: Was darf sie - was kann sie?

Was Kunst im öffentlichen Raum schafft, das weiß Lübbenau. Denn in seiner Stadt, bestätigt Bürgermeister Helmut Wenzel, leiste sie augenscheinlich Bedeutsames für die Stadtentwicklung. Möglichkeiten, Kunst im öffentlichen Raum Platz zu geben, böten sich weiterhin in der Dammstraße, an der Poststraße und auch am künftigen Themenspielplatz in der Altstadt. Erfreulich sei zudem, dass dieses Thema auch anderswo aufgegriffen werde wie in Raddusch durch den neuen Förderverein Kunstdorf Raddusch und die WBC in Calau, die mit dem Künstler Henry Krzysch eine ersprießliche Verbindung eingegangen sei.

Malerei im Großformat unter dem Titel "BilderLUST" von Rainer Ehrt, Egidius Knops und Lusici ist vom 8. September bis 1. November im Rathaus anzuschauen. Während des Spreewaldateliers gelten Sonderöffnungszeiten - Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Matthias Münch aus Niedergörsdorf, der schon Lübbenauer Oberschüler künstlerisch begleitet hat, wird auch die Kreativschule beim Spreewaldatelier betreuen. Bei einem großen Viertelspiel sollen Skulpturen, von denen es 60 bis 100 geben dürfte, fotografiert und in der Stadt verortet werden, um Kunst in Lübbenau darzustellen. Jugendliche aus dem Kreis können sich für einen Cartoon-Workshop am Donnerstag und Freitag von 11 bis 14 Uhr anmelden. Von Künstlern des Spreewaldateliers lernen sie die Grundlagen des Cartoon-Zeichnens und setzen sich kritisch-humorvoll mit ihrer Umgebung und den Menschen auseinander.

Am 22. September ab 12 Uhr haben Interessierte Gelegenheit, sich Kunstwerke des Spreewaldateliers und der Aquamediale anzuschauen, die sie bei der Auktion am Samstag, 23. September, von 15 bis 17 Uhr ersteigern wollen. Ab 19 Uhr erstrahlt der Werkplatz bei Live-Konzert und Tanzperformance im Feuerschein. Am Tag darauf beschließt ab 10.30 Uhr in der Nikolaikirche ein Gottesdienst das Spreewaldatelier 2017 und die Aquamediale.

Noch etwas für die Sinne ist das Traumstaken, eine poetische Kahnfahrt mit dem Theater Anu - vom 14. bis 16. September ab 19.30 Uhr, viertelstündlich ab Kleiner Hafen am Spreeschlösschen.