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Silvester-Konzert
Nackt im Spreewald-Museum

Zwei Berliner Paare, die ihren Jahreswechsel in Burg verbrachten, nutzten das Silvesterangebot des Spreewald-Museums Lübbenau, um sich die Fotoausstellung „Akt und Landschaft“ des Fotografen Klaus Ender anzuschauen.
Zwei Berliner Paare, die ihren Jahreswechsel in Burg verbrachten, nutzten das Silvesterangebot des Spreewald-Museums Lübbenau, um sich die Fotoausstellung „Akt und Landschaft“ des Fotografen Klaus Ender anzuschauen. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Kunstvoller Jahresausklang sorgt für willkommenen Besucheransturm in Lübbenau. Von Uwe Hegewald

Mit einer ausgeklügelten Strategie hat sich das Spreewald-Museum vom alten Jahr verabschiedet und für ein volles (Tor-)Haus gesorgt. Livemusik, nackte Tatsachen und prickelnder Sekt bildeten die betörenden Zutaten für sinnliche Momente auf drei Etagen.

„Das Veranstaltungsformat hat sich etabliert. Es gibt Gäste, die jedes Jahr kommen“, bestätigt Roswitha Winter. Im Spreewald-Museum Lübbenau und Freilandmuseum Lehde für Veranstaltungen und Projekte verantwortlich, führte sie auch zur Jahresabschluss-Veranstaltung Regie, schenkte Sekt ein, spülte Gläser, beantwortete Gästefragen und plauderte gegenüber der RUNDSCHAU das Geheimrezept aus. „Mit unserer Winterausstellung versuchen wir ein breites Publikum zu erreichen und schlagen dafür auch mal andere Wege ein. Die Ausstellung von Klaus Ender ist mal etwas völlig anderes“, räumt sie ein.

Berühmtheit erlangte der einstige Bäcker Klaus Ender und spätere Fotograf mit seinen Akt- und Landschaftsfotografien. Seine erste, gleichnamige Ausstellung, im September 1975, auf der er gemeinsam mit dem Cottbuser Fotografen Gerd Rattei 150 Schwarzweiß-Bilder präsentierte, lockte bereits am ersten Tag über 1000 Besucher in den Pavillon der Potsdamer Freundschaftsinsel. Dass die ästhetischen Aufnahmen bis heute nicht an Attraktivität verloren haben, zeigt die aktuelle Resonanz der Ausstellung, die noch bis Sonntag, 11. Februar 2018 besucht werden kann. Eine Beziehung der Nackedeis zum Spreewald ist schnell hergestellt: Anhand der abgelichteten Models können sich Touristen ein Bild davon machen, wie hübsch doch hiesige Spreewälderinnen anzusehen sind, wenn sich diese mal ihrer aufwendig geschneiderten Tracht entledigt haben.

„Wir sind von der Ausstellung angenehm überrascht. Der Grund unseres Museumsbesuches war eigentlich das Konzert mit dem Saxophonisten und der Gitarristin“, erklärte Sabrina Wideburg ihre Stippvisite. Mit „wir“ meinte die Dresdnerin einen sechsköpfigen Freundeskreis, der sich in Burglehn (Lübben) einquartierte, um einen entspannten Jahreswechsel zu verleben. Lebensgefährte Christoph Wellm bemerkte, die Vor- und Nachmittagsstunden des Silvestertages ohnehin in Lübbenau verbringen zu wollen. Inklusive Bummeln durch die Altstadt sowie Besuchen des Spreewaldhafens und Museums. „Das werden wir zuhause in Dresden für einen Besuch weiterempfehlen“, sagte der 28-Jährige. Besonders gefallen hätten ihm und „seiner“ Begleiterin die vielen Mitmachstationen im Spreewald-Museum.

„Dabei wurden auch die Kinder nicht vergessen“, ergänzte Sabrina Wideburg, die noch einen weiteren Doppelgrund ihres Kurzurlaubes im Spreewald anführte: „Mit Freunden gemeinsam Silvester verbringen und in den 24. Geburtstag hineinfeiern“, so das „ewige Neujahrskind“. Um das rund dreistündige Konzert mit Antje Neumann und Frank Widzgowski zu erleben, war im proppenvollen Museum mitunter etwas Geduld gefragt.

Bis in die Museumsgänge und Nebenräume verteilten sich Zuhörer, die den Melodien der Gitarristin und des Saxophonisten lauschen wollten. Das Musikerduo bestätigte, bisher nur selten so frühe Silvesterkonzerte wie im romantischen Museum gegeben zu haben. „Nach dem Konzert werde ich mir noch etwas Zeit für die Sonderausstellung nehmen“, teilte Frank Widzgowski in einer kurzen Pause mit, Schließlich wolle sich der Saxophon-Virtuose nicht die Fotogalerie entgehen lassen, die laut Veranstalter „ästhetisches Schauvergnügen“ verspricht. Als nicht weniger interessant erweist sich die begleitende Biografie des Fotografen Klaus Ender, dem die Aktmodels scheinbar nur so zuflogen. „Mein Model war immer das Mädchen von der Straße. Ob im Café oder am Strand – ich hatte stets meine Bildmappe dabei und konnte den Frauen so zeigen, welche Art von Fotografie ich betreibe. Von zehn Angesprochenen sagten neun ohne zu zögern ja“, so Ender in einem früheren Interview.