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Bis in den Morgen getanzt
Rock ’n’ Roll in der Orangerie

Begegnung mit dem King of Rock ’n’ Roll: In der Orangerie entführte Elvis alias Nicholas Young aus Berlin seine Zuhörer in die musikalische Mitte des 20. Jahrhunderts. Dabei genoss der Hauptstädter das Kokettieren mit dem Publikum und ein gelegentliches Bad in der Menge.
Begegnung mit dem King of Rock ’n’ Roll: In der Orangerie entführte Elvis alias Nicholas Young aus Berlin seine Zuhörer in die musikalische Mitte des 20. Jahrhunderts. Dabei genoss der Hauptstädter das Kokettieren mit dem Publikum und ein gelegentliches Bad in der Menge. FOTO: Uwe Hegewald / Hegewald Uwe
Lübbenau. Lübbenauer und ihre Gäste feiern ausgelassen zur 17. Musiknacht und freuen sich über die geschenkte Stunde.

Elvis lebt. So zumindest empfinden es Fans des „King of Rock ’n’ Roll“, die Samstagnacht der Lübbenauer Orangerie einen Besuch abgestattet haben.

Nicholas Young ist während der Lübbenauer Musiknacht in die Rolle und in das Outfit der Musiklegende, dessen Tod sich am 16. August zum 40. Mal jährte, geschlüpft. „Ich war schon einmal mit einem kleineren Auftritt bei einer früheren Lübbenauer Musiknacht dabei, damals jedoch nicht mit begleitender Band“, berichtet der Berliner gegenüber der RUNDSCHAU. Young mimt den exzentrischen Musiker, lässt sich von seinen Bandkollegen Wasser und Handtuch reichen oder stützen, wenn er nach einer heftigen Tanzeinlage vor seinem Publikum in die Knie geht.

Bereits im Alter von sieben Jahren hat sich der Hauptstädter Elvis-Platten seines Vaters angehört. Seinerzeit beschloss er: „Ich werde einmal Musiker“, berichtet Nicholas Young.

Ähnlich war es bei MM „Mister Musiknacht“ Daniel Schmidgunst. Zum 17. Mal sind bei ihm die Fäden des Spreewald-Herbst-Krachers zusammengelauf. „Als ich bewusst zur Musik fand, war ich aber schon Teenager und hing an den Songs von Joe Cocker“, erzählt der passionierte Hobbymusiker und bekennender Fan von Bruce Springsteen.

Den „Boss“ ehren und selbst zur Gitarre zu greifen – dafür bleibt dem Cheforganisator der Lübbenauer Musiknächte jedoch keine Zeit. Daniel Schmidgunst hat es in den Heuschober gezogen, wo die „Faive Band“ aus dem benachbarten Lübben ihr Musiknacht-Debüt gibt. Und das unter erschwerten Bedingungen. Aufgrund des angekündigten Sturmtiefs „Herwart“ wird auf dem üblichen Zeltaufbau verzichtet und die Bühne kurzerhand in die Toreinfahrt platziert.

Frontgirl Helen Schmidt bittet um Verständnis, „dass die Faive Band heute wie eine Pyramide aufgestellt ist.“ Mit dem Vergleich liegt das Goldkehlchen goldrichtig: Im Spreewald sind die Straßen aus Wasser und die Pyramiden aus Heu. Heuschober eben. Und noch eine Sturmtief-Auswirkung muss die pilgernde Musik-Fangemeinde schlucken. Die Bertianer, im Vorjahr noch im Innenhof des Brauhauses Babben musizierten, zieht es notgedrungen ins Innere des Gebäudes.

Die Familie Lippmeyer, in Begleitung ihres über 70-jährigen Vaters, gelingt es dort ein Plätzchen zu erhaschen.„Stimmungsvolle Musik. Hier hätten wir es noch länger ausgehalten, aber wir wollen noch andere Gasthäuser ansteuern“, erzählt das aus Köln stammende Trio, das den Spreewald-Urlaub mit einem Besuch der Lübbenauer Musiknacht verbindet. Dass sich für die Musiknacht längst ein überregionales Interesse entwickelt hat, bestätigt Andrea Trogisch von der Touristinformation. „Der Kartenvorverkauf verlief ähnlich wie in den Vorjahren. Aufgefallen ist das Interesse von Touristen, die gezielt nachgefragt haben, wo sich die einzelnen Musikkneipen befinden“, erzählt sie.

13 Gasthäuser der Lübbenauer Altstadt haben sich am Event beteiligt. Sie servierten Livemusik, Kulinarisches und Erfrischendes. Und was macht Elvis alias Nicholas Young? Der serviert authentischen Rock ’n’ Roll, flirtet mit dem weiblichen Publikum und genießt das gelegentliche Verlassen der Bühne, um ein Bad in der Menge zu nehmen. „Elvis und seine Musik sind nie von uns gegangen, nur vor uns und leider viel zu früh“, hält ein Mittfünfziger fest. Während er beteuert, den ganzen Abend in der Orangerie bleiben zu wollen, zieht es Wenke und Gerald Beyer von Location zu Location. „Bis auf ein oder zwei krankheitsbedingte Ausfälle waren wir bisher bei allen Lübbenauer Musiknächten dabei“, erzählt das Paar aus Ranzow (Gemeinde Altdöbern).

Überhaupt gelten die Beyers als unternehmungslustig. Beim Landeserntefest in Raddusch, den Altdöberner Parksommerträumen und der Tour de OSL (Senftenberg) haben sie bereits mit RUNDSCHAU-Reportern die Wege gekreuzt. Am Samstag nun in Lübbenau und vielleicht auch noch in Cottbus? „Wir haben Tickets für das Konzert mit Nik P. in der Stadthalle. So gesehen war uns die Lübbenauer Musiknacht ein willkommener Einstieg für den kommenden musikalischen Höhepunkt“, erzählen die erfahrenen (Musik-)Nachtschwärmer.

Partyrock ließ das Flaggschiff schaukeln: Frontfrau Alice und ihrer Stimme sind das Markenzeichen der Band Prime Time aus Trebbin.
Partyrock ließ das Flaggschiff schaukeln: Frontfrau Alice und ihrer Stimme sind das Markenzeichen der Band Prime Time aus Trebbin. FOTO: Uwe Hegewald / Hegewald Uwe