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| 13:18 Uhr

Neue Sonderausstellung
Am Anfang des Fortschritts

Harriet Bönisch erläutert Ministerpräsident Dietmar Woidke (li) zur Ausstellungseröffnung einen der frühesten Radfunde.
Harriet Bönisch erläutert Ministerpräsident Dietmar Woidke (li) zur Ausstellungseröffnung einen der frühesten Radfunde. FOTO: Peter Becker
Raddusch. Neue Sonderausstellung in der Slawenburg Raddusch beleuchtet die Entwicklung des Traktors. Von Peter Becker

Wann begann das eigentlich, dass mit dem Fortschritt der Menschheit, mit der Loslösung vom Jagen und Sammeln? Eine Antwort darauf gibt die kürzlich durch den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) in der Slawenburg Raddusch eröffnete Ausstellung.

Zugegeben: Niemand war dabei, als das erste Tier (war es eine Ziege, ein Rind?) vor irgendwas gespannt wurde, um es zu bewegen, vorerst noch über den Boden schleifend, denn das Rad sollte erst noch erfunden werden. Doch es ist belegt, dass es vor 5500 Jahren gewesen sein muss, ziemlich sicher im Orient. Das erste Zugmittel, der erste Traktor, hatte vier Beine und erleichterte das Leben der Menschen ungemein. Sie wurden sesshaft und holten sich dank tierischer Unterstützung, was sie zum Leben brauchten. Hinzu kamen der Pflug, aber bald auch die Streitereien um besseres Ackerland – auch ein Anfang, aber der kriegerischen Auseinandersetzungen, die es vorher bestenfalls um die Jagdgründe gab.

Nach weiteren Jahrtausenden, eigentlich erst kürzlich, begann die Technik die tierische Zugkraft abzulösen. In den USA wurde 1917 der erste Traktor erfunden, der bereits 1921 in den Ford-Werken vom Fließband lief. In Deutschland gab es um 1950 etwa 100 000 Traktoren und etwa 1,2 Millionen Pferde. Zwanzig Jahre später gab es noch viel mehr Traktoren, aber nur noch 200 000 Pferde – das Ende der tierischen Zugkraft wurde eingeläutet.

Das alles und noch viel mehr ist in der neuen Ausstellung der Slawenburg zu sehen. Großformatige Illustrationen von Ralf Kaiser und historische Dokumente belegen Einführung, Nutzung und Wandel der Zugtechnik. Inhaltlich zeichnet sich Bettina Pfaff von der Arche Nebra für die Ausstellung verantwortlich. Aber ohne die zahlreichen und oft in letzter Stunde und Minute agierenden Helfern wäre die Ausstellung nicht möglich geworden.

Harriet Bönisch nennt aus ihrem Burgteam zuerst Carsten Stoppa, Juliane Schudek und Ina Lingel. Radduscher unterstützten die Ausstellungseröffnung mit echten Traktoren: Werner Buchan kam mit einem Orenstein & Koppel von 1941 und einem Gartentrecker von 1969. Dietmar Woidke, selbst gelernter Landwirt, blieb etwas länger vor einem Modell des Zetor 300, einem DDR-Traktor, stehen und sagte, dass er diesen sehr gut kenne und sofort losfahren könnte. Dem Radduscher Hotelier Torsten Seidel hatte es der Lanz-Bulldog angetan. „Mit dem bin ich schon als Neunjähriger über das Acker getuckert. Angeworfen wurde er durch Vorglühen mit der Lötlampe und einem Schwungrad, praktischerweise war es das Lenkrad.“

Harriet Bönisch verwies in ihrer Eröffnung auch darauf, dass vor genau 15 Jahren die Slawenburg eröffnet wurde. Auf das aktuell schöne Wetter eingehend sagte sie, dass es auch oft mal Gewitterwolken gab, die sich aber immer konstruktiv auflösten und die Burg voranbrachten.

Der Verein Slawenburg Raddusch e.V. ringt um bestmögliche Ausgestaltung und sucht nach den besten Wegen, die Burg bei stets knapper Kasse im Fahrwasser zu halten. Jährlich 50 000 Besucher legen Zeugnis von der Arbeit aller ab. Für Ministerpräsident Dietmar Woidke ist die Burg „ein kleines Wunder in der Lausitz, denn ein Stück Geschichte hat wieder Gesicht bekommen und macht Mut auf Zukunft“.

Die Eröffnung wurde vom Vetschauer Bläserquartett „Tagesform“ begleitet. Zufällig anwesende Burgbesucher zeigten sich von der Anwesenheit Brandenburger Politprominenz überrascht und gesellten sich zur Eröffnungszeremonie. Im Restaurant der Burg sorgte das Team um Stephanie Thiel nach der Eröffnung für Abkühlung und Stärkung.

Nach 15 Jahren ist es an der Zeit, die Exponate und Räume einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen. Bereits in zwei Wochen beginnen die ersten Arbeiten, spätestens im April 2020 soll die neue Ausstellung der Öffentlichkeit übergeben werden.