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| 19:39 Uhr

Ausstellung
Maler und Kalligraph stimmen auf Fontane-Jahr ein

 Schloßpark Repten – eins von 16 Gemälden Günther Rechns in der Lübbenauer Rathaus-Galerie.
Schloßpark Repten – eins von 16 Gemälden Günther Rechns in der Lübbenauer Rathaus-Galerie. FOTO: Günther Rechn / Daniel Preikschat
Lübbenau. Ungewöhnliche Ausstellung mit Werken Günther Rechns und Ingo Schieges in Lübbenau.

Im Lübbenauer Rathaus können Besucher seit Donnerstag in der Betrachtung von Ölbildern schwelgen und zugleich schmunzeln über geistreiche Zitate Theodor Fontanes. Denn wohl erstmals, seit es Ausstellungen in der Rathaus-Galerie gibt, werden die Arbeiten von gleich zwei Künstlern gezeigt. Der Lübbenauer Schriftkünstler Ingo Schiege steuert 32 Kalligrafien von Sprüchen Theodor Fontanes bei, der Cottbuser Maler Günther Rechn 16 Ölgemälde, die überwiegend Landschaftsansichten zeigen. Wobei die Ausstellungsmacher versucht haben, einen gewissen räumlichen Abstand zwischen den doch sehr verschiedenartigen Arbeiten zu wahren.

Wer sich einmal an die kantige Frakturschrift gewöhnt hat, entziffert schnell die Sinnsprüche Theodor Fontanes, die Schiege ausgewählt hat. Jeder Buchstabe sieht aus wie ein kleines Banner, das ausgerollt wurde. Was wohl die Bedeutung von Sätzen noch betonen soll wie etwa: „Geizhälse, die Plage ihrer Zeitgenossen, aber das Entzücken ihrer Erben“ oder: „Der Zauber steckt immer im Detail.“

Nicht so leicht direkt auf Theodor Fontane zu beziehen, sind die Ölgemälde Günther Rechns, die den Betrachter in Landschaften hineinziehen. Zu sehen sind zum Beispiel der Schlosspark Repten, die Landschaftspyramide im Branitzer Park, ein Rosengarten oder auch ein Feldrand. Mit der von Laudator Dieter Thiel, einem Psychologen und Freund des Malers aus Cottbus, so genannten „besonderen Strichführung“ erzielt der Maler Wirkung. Theodor Fontane war zwar weder im Reptener noch im Branitzer Park. Das ergab sich auch aus dem Vortrag des Lübbenauers Michael Lange, Autor des Buchs „Theodor Fontane – In den Spreewald“. So kam der Dichter im August 1859 mit der Postkutsche nach Lübbenau, um noch am selben Tag mit dem Kahn bis Burg und wieder zurück gestakt zu werden. Fontane hielt sich also immerhin in der Nähe der von Günther Rechn realistisch gezeichneten Orte auf.

Die realistische Darstellung, fußend auf guter Beobachtungsgabe, zeichne eben auch Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ aus sowie später seine Romane, die dem poetischen Realismus zugeordnet werden, so der stellvertretende Lübbenauer Bürgermeister Reiner Schamberg, der die Ausstellungseröffnung moderierte. Der Realismus ist auch für Ingo Schiege das Verbindende. Er zeichne die Werke Fontanes ebenso aus wie die Arbeiten, die nun in der Rathaus-Galerie zu sehen sind. Und das noch bis Mitte März, so Rathaus-Mitarbeiter Philipp Hoffmann, der die Ausstellung betreut hat.

Die meisten Besucher dürften die knapp 50 Exponate am kommenden Sonntag haben, wenn Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) zum Neujahrsempfang einlädt. In den vergangenen Jahren kamen stets rund 100 Gäste. Mal sehen, wie viele in diesem Jahr kommen.