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| 15:10 Uhr

Neue Ausstellung
Ein Calauer Wahrzeichen wird 60

Heinz Schmidt hat ein Modell vom 1958 erbauten Funktrum geschaffen und es der Ausstelung zur Verfügung gestellt.
Heinz Schmidt hat ein Modell vom 1958 erbauten Funktrum geschaffen und es der Ausstelung zur Verfügung gestellt. FOTO: Uwe Hegewald
Calau. Ausstellung des Calauer Heimatvereins widmet sich der lokalen Funkturmgeschichte. Von Uwe Hegewald

Wer Heiligabend vor 60 Jahren im Raum Calau ein Fernsehgerät besaß, durfte sich zufrieden die Hände reiben. Erstmals sendete dort ab dem 24. Dezember 1958 der Calauer Fernmeldeturm, ein auf den Müggelbergen bei Berlin abgebauter Gittermast, das 1.Programm des Deutschen Fernsehfunks. Der Mitte der 80er-Jahre erfolgte Neubau eines massiven Fernmeldeturms führte 1989 zum Abriss des 90 Meter hohen Gittermastes. Glücksfall für Nostalgiker: Heinz Schmidt hatte lange zuvor ein Modell geschaffen und dieses für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. „Die Bastelarbeit liegt über 50 Jahre zurück. Größtenteils habe ich dafür Kupferkabel in verschiedenen Stärken verwendet“, erzählt der Calauer Tüftler und passionierte Gartenbahnbauer (Spur 2N). „Wir wussten gar nicht, dass es dieses Modell in unserer Stadt überhaupt gibt und sind Herrn Schmidt überaus dankbar, dass er uns dieses als Leihgabe zur Verfügung stellt“, führt André Bareinz zur Ausstellungseröffnung, am Freitag an. Er ist der Initiator und Motor der Schau, die ab sofort im Calauer Haus der Heimatgeschichte zu sehen ist.

Frühe Rundfunkempfänger und zwei Wand-Panoramen skizzieren die lokale Rundfunkgeschichte der Stadt mit allem Für und Wider. Bürgermeister Werner Suchner erinnerte an den 1987 in Betrieb gegangenen neuen, 190 Meter hohen Sendemast, der mit seiner Reichweiten-Erweiterung auch das „Tal der Ahnungslosen“ im Raum Dresden stabilen Empfang der DDR-Programme bescherte, aber bei vielen Lausitzern für Entsetzen sorgte. Fortan sei es schwierig gewesen, ARD, ZDF oder SFB3 zu empfangen. „Neuer Ehrgeiz war geweckt, um mittels technischen Aufrüstungen oder Abschirmungen die begehrten Signale aus dem Westen zu empfangen“, so das Stadtoberhaupt.

Ein spektakulärer Brand der Sendeanlagen, am 26. April 2011, in 120 Metern Höhe, führte zu einem völligen Ausfall und dazu, dass Calau deutschlandweit in die Schlagzeilen geriet. „Irgendwie auch nachvollziehbar, passieren solche Brände weltweit nur alle 50 Jahre“, so Suchner. Neben ihm und den beiden Ausstellungs-Vorbereitern André Bareinz und Matthias Nerenz gesellte sich Frank Suwald zum traditionellen Durchschneiden des Bandes. Seit 31 Jahren arbeitet der Referent und Ausbilder von der Media Broadcast GmbH im Calauer Funkturm. „Als ich damals angefangen habe, waren wir noch 30 Mitarbeiter, heute sind es drei“, so Calaus „Technischer Türmer“. Frank Suwald zeigt sich „überrascht und begeistert, dass der Calauer Heimatverein die Ausstellung zur Geschichte des Fernmeldeturms ins Leben gerufen hat“.

Der „Lange Calauer“ ist ein Sendeturm für Fernseh- und Radioprogramme, Mobilfunk und Richtfunk und wurde 2010 und 2012 grundlegend saniert. Wehmutstropfen fürs Mitarbeiterteam: Der durch den Brand in Mitleidenschaft gezogene Aufzug ist nicht wieder in Betrieb genommen worden. Für die Belegschaft, die jährlich zwei- bis dreimal bis ganz nach oben muss, heißt es nach rund 630 kräftezehrenden Stufen: Sie haben ihr Ziel erreicht! Der Rundschau-Anmerkung, dass man für die Strapazen mit einem fantastischen Blick über die Niederlausitz belohnt wird, erteilt Frank Suwald eine deutliche Absage. „Um unseren Kunden so wenig Empfangseinschränkungen wie möglich zuzumuten, erfolgen Arbeiten in der Regel nachts zwischen 1 und 4 Uhr. Da ist nichts mit Fernsicht“, begründet er.