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Ausstellung
150 Aufnahmen von zeitloser Schönheit

„Die Woge“ hat Klaus Ender dieses Foto aus der Serie „Das Mädchen und das Meer“ genannt. Gefertigt wurde es 1969.
„Die Woge“ hat Klaus Ender dieses Foto aus der Serie „Das Mädchen und das Meer“ genannt. Gefertigt wurde es 1969. FOTO: Klaus Ender / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lübbenau. Die „neue alte“ Ausstellung Akt & Landschaft – Fotografien von Klaus Ender ist bis 11. Februar im Spreewaldmuseum zu sehen.

Ein Kontrastprogramm zur kalten Jahreszeit können Besucher ab heute im Lübbenauer Spreewaldmuseum erleben. Denn die am Donnerstag dort eröffnete Ausstellung mit 150 Akt- und Landschaftsaufnahmen des Fotografen Klaus Ender verbreitet unter anderem Sommerurlaubsflair. Passend dazu sind Titel wie „Strandvergnügen“, „Die Woge“ oder „Schaumgeboren“

Vor allem aber sind die Fotos etwas für Genießer von Form und Licht. Auf ästhetische Art versucht Ender, Frauenkörper und Ausschnitte von Landschaften, vor allem an Stränden und Küsten, in Beziehung zu setzen. In den gelungensten Kompositionen passen sich die Models harmonisch ein in die sie umgebende Natur.

Die „Natürlichkeit“ der Aufnahmen war für den 78-Jährigen immer wichtig gewesen, erzählt er. Um dem Anspruch gerecht zu werden, setzt er kein Blitzlicht ein und nutzte eine einfache Mittelformatkamera. Dekor oder Kosmetik sind verpönt bei ihm. Die Frauen sollen selbst, ganz ungezwungen, die Position finden, in der sie sich dann auch gern fotografieren lassen. Er leite sie dabei nur dezent an.

Anfangs, als junger Hobby-Fotograf, habe der gelernte Bäcker auf Rügen einfach Frauen an den FKK-Stränden gefragt, ob er sie fotografieren und die Aufnahmen veröffentlichen darf, erzählt Klaus Ender. Nur selten sei er abgewiesen worden. In der DDR, erinnert er sich, zeigten sich die Menschen noch ganz ungezwungen nackt. Heute sei das anders. Heute sei auch die Akt-Fotografie viel schriller und sexualisierter.

Klaus Ender war seinerzeit selbstbewusst genug, seine Fotos behaarlich anzubieten. 1965 druckte „Das Magazin“ sein erstes Foto. Für ihn sei das „der Ritterschlag“ gewesen. Der Bäcker machte sein Hobby zum Beruf, wurde bekannt, erwarb sich Renommee als ein Künstler und Fachmann. In Potsdam war 1975 die  Ausstellung „Akt & Landschaft ein  großer Erfolg. Sein Foto-Ratgeber „Mein Modell“ wurde stilbildend für Aktaufnahmen in der DDR.

In eben dieser DDR stieß er allerdings auch an Grenzen, worüber die Ausstellung im Lübbenauer Spreewaldmuseum ebenfalls Auskunft gibt. Als nunmehr freiberuflicher Bildreporter sollte Klaus Ender seinen ideologischen Anteil leisten am Aufbau des Sozialismus. „Nackte Ärsche“ zu zeigen, musste er sich von Kadern im Kulturbetrieb sagen lassen, eigne sich nicht dafür.

Aber es kam noch schlimmer. Da er Fotos auch an westdeutsche Verlage verkauft, stellte die Stasi Ender vor die Wahl: entweder Haftstrafe wegen ungesetzlicher Verbindungsaufnahme und Steuerhinterziehung oder Spionagetätigkeit. Klaus Ender bekennt freimütig: Mehr als 15 Jahre sei er gezwungen gewesen, Modelle, Freunde und Bekannte auszuhorchen. Derweil sei er selbst ebenfalls lückenlos überwacht worden. 1981 reiste er nach Österreich aus und kehrte erst 15 Jahre später zurück in die ehemalige DDR. Heute lebe er zufrieden auf Rügen.

Auch diese interessante Biografie von Klaus Ender können Besucher der neuen Ausstellung im Spreewaldmuseum nun kennenlernen. Wie auch sein Faible für Dichtung. Ender veröffentliche mehrere Gedichtbände. Romantisch anmutende Liebes- und Naturlyrik mit Fotos und Titel wie „Am Busen der Natur“, „Die Wolken“ oder „Die Stille“.

Museumssprecherin Jenny Linke und ihre Kollegen hat an den Fotos gerade die „Zeitlosigkeit“ beeindruckt. Aufnahmen aus den frühen Sechziger Jahren hätten auch 2017 gemacht worden sein können. Nur an den Frisuren konnte sie mitunter erkennen, dass doch ein paar Jahre vergangen sein müssen, sagt Jenny Linke. Die Sonderausstellung zeige viele Aufnahmen, die schon Besucher 1975 in Potsdam durch ihre Schönheit, Anmut und Würde faszinierten. Immerhin sei das damals die erste Aktausstellung in der DDR überhaupt gewesen, die auch international Beachtung gefunden habe. Neben seinem Talent sei auch der Mut des Fotografen erstaunlich

Im Spreewaldmuseum in Lübbenau werden neben einer Auswahl anspruchsvoller Aufnahmen aus der ersten Schau auch Arbeiten aus dem späteren Schaffen Klaus Enders zu sehen sein, so Museumssprecherin Jenny Linke weiter.

Unterschiede im Stil allerdings dürften allenfalls echte Kenner des Enderschen Oeuvres ausmachen können.