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| 01:34 Uhr

Kultische Schlangenköpfe im Spreewald

Gekrönte Schlangenköpfe im Freilandmuseum Lehde sind für die Touristen und Besucher immer ein Blickfang. Foto: Marx
Gekrönte Schlangenköpfe im Freilandmuseum Lehde sind für die Touristen und Besucher immer ein Blickfang. Foto: Marx FOTO: Marx
Lehde. Trotz der frostigen Temperaturen haben sich im Lübbenauer Ortsteil Lehde die Schlangen nicht zum Winterschlaf in ihre Höhlen verkrochen. Gemeint sind die kultischen Symbole der gekreuzten Schlangenköpfe an alten und zum Teil auch neuen Häusern. Bernd Marx

Die einst heidnischen Giebelzeichen sind mittlerweile ein marktförderndes Produkt in der Tourismusbranche. Viele Firmen, Unternehmen, Vereine, Museen und Gesellschaften haben die gekreuzten Schlangenköpfe in ihrer Anschrift oder im Firmenlogo verankert.

Wann die Menschen erstmals die markanten Kultzeichen an den schilfrohrgedeckten Dächern im Spreewald anbrachten, konnten Heimatforscher bisher nicht genau feststellen. Wissenschaftlich belegt ist, dass bereits Anfang des 18. Jahrhunderts die ersten Motive der auffälligen Windbretter in der Region zwischen Spree, Dahme, Berste und Oder auftauchten. Auch die Maler haben in jener Zeit die Auffälligkeiten an den Blockbohlenhäusern in ihren Gemälden festgehalten. Einst waren es Symbole um Schutz, Glück und Wohlstand für Haus, Familie und Tiere zu erbitten. Heute werden diese gekreuzten Schlangenköpfe von Touristen und Besuchern aus dem In- und Ausland mit der attraktiven Region Spreewald verbunden. Ohne jeglichen Schriftzug identifizieren die Menschen das markante Symbol mit der idyllischen Fließlandschaft zwischen Burg und Leibsch, Boblitz und Straupitz.

Auch wenn in den vergangenen Jahren die Anzahl der schilfrohrgedeckten Dächer abnahm, in fast allen Dörfern des Spreewaldes sind heute noch die gekreuzten Schlangenköpfe oder andere Motive anzutreffen. Viele Häuslebauer befestigen die Kultzeichen auch an ihrem neu errichteten Gebäude, obwohl sie mit Biberschwanzziegeln, Schieferplatten oder anderen modernen Dachmaterialien eingedeckt wurden. Im Unterspreewald sind heute noch viele Giebelverschönerungen in Runenform zu sehen. Im Oberspreewald, dazu gehört auch der Lübbenauer Ortsteil Lehde, sind fast nur noch die gekreuzten Schlangenköpfe zu erkennen. Ab und zu findet man auch noch den berühmten “Wendenstern„.

Nach Aussagen der Älteren gab es früher aber auch hier eine größere Motivvielfalt bei den verzierten Windleisten. Das Anbringen der etwa 20 bis 40 Zentimeter breiten Giebelzeichen war technisch notwendig, um die Schilfrohreindeckung gegen Wind und Sturm zu schützen. In Lehde gibt es noch zahlreiche Blockbohlenhäuser mit den schilfrohreingedeckten Dächern. Auf modernen Einfamilienhäusern, an den Dächern von Bungalows oder verzierten Briefkästen sind die gekreuzten Schlangenköpfe aber zur Freude von Einheimischen und Touristen auch anzutreffen.

Kunstvoll haben Zimmerleute diese Schlangenköpfe aus etwa 20 Zentimeter breiten Windbrettern gefertigt. Foto: Marx
Kunstvoll haben Zimmerleute diese Schlangenköpfe aus etwa 20 Zentimeter breiten Windbrettern gefertigt. Foto: Marx FOTO: Marx