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| 02:32 Uhr

Kreis reagiert auf Oster-Prügelei

Vetschau. Flüchtlinge zehn verschiedener Nationen leben in der Gemeinschaftsunterkunft am Stradower Weg in Vetschau. Schlägereien wie die zu Ostern sind nicht an der Tagesordnung, versichert der Kreis. Er zieht Konsequenzen aus diesem Vorfall. Denn Anwohner fühlen sich nicht mehr sicher. Daniel Preikschat und Hannelore Kuschy

Die Anwohner des Stradower Wegs in Vetschau wohnen vis a vis der Unterkunft für 200 Flüchtlinge. In 100 Meter Entfernung sind die Garagen zu sehen, die Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken für Saisonarbeiter hergerichtet und dem Landkreis für die Asylbewerber zur Verfügung gestellt hat. In den ersten Wochen nach Ankunft der neuen Nachbarn, sagt Bodo Sallani, sei es auch wirklich so ruhig gewesen wie von allen Seiten erhofft.

Seit etwa drei Wochen jedoch habe sich das geändert. Fast täglich sehe man, sobald es dämmert, junge Männer den Stradower Weg Richtung Stadt gehen - und angetrunken wieder zurückkehren. Oft, bestätigen Mandy und Roland Reichelt vom Gasthaus "Spreewaldhof", haben sie Bierkästen dabei, die sie offensichtlich mit in die Unterkünfte nehmen. Von dort höre man dann oft, wie sich Männer streiten, bekomme mit, wie wenig später die Polizei eingreifen müsse. "Die kommen nicht nur mit einem Streifenwagen, das sind manchmal vier, fünf", erzählt Roland Reichelt. Auch der Anblick von Rettungswagen sei keine Seltenheit.

Die Prügelei Ostern sei keine Ausnahme gewesen, sagen die Anwohner. Vielmehr reihe sich der Zwischenfall ein in eine Kette ähnlicher Vorkommnisse. Wenn auch nicht immer mit vielen Verletzten. Bodo Sallani möchte nicht daran denken, was passiert, wenn in den nächsten Wochen die vor allem rumänischen Erntehelfer kommen und dort die Nachbar-Wohngaragen beziehen. Dann leben dort noch mehr Nationalitäten auf engem Raum.

Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, sagt: "Ich fühle mich nicht mehr sicher." Für sie ist die Unterbringung so vieler Flüchtlinge in den Saisonarbeiter-Unterkünften nicht richtig durchdacht. Es sei schnell entschieden worden. Bedenken der Anwohner hätten niemanden interessiert. Dabei, sagt Mandy Reichelt, hätten die Vetschauer noch am 6. Januar ein Fax mit 13 Unterschriften an den Kreis gesendet. Mit der Bitte, erst nach einem Gespräch mit den Anwohnern zu entscheiden. In der Antwort sei jedoch lediglich auf den Tag der offenen Tür zehn Tage später hingewiesen worden. Alle Messen seien da schon gesungen gewesen.

Die Anwohner betonen, dass sie keine Vorbehalte gegen die Flüchtlinge haben. Ihre Kritik richte sich vielmehr gegen diejenigen, die für diese Unterbringung verantwortlich sind. Schleunigst müsse die Situation entschärft werden.

Dafür spricht sich auch Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) aus: "Es gibt Bürgerängste, die ernst zu nehmen sind." Die Prävention durch die Polizei sei bereits ein gutes Zeichen. Jedoch bestätigt Polizeisprecherin Ines Filohn nicht, dass permanent ein oder mehrere Polizeifahrzeuge dort im Einsatz seien. "Die Kapazität haben wir nicht." Anders sehe es aus, wenn die Beamten gerufen werden, wie das Ostern der Fall gewesen sei.

Spreewaldbauer Ricken als Vermieter sieht die Polizeipräsenz als Zeichen der Sicherheit und verweist auf den OSL-Kreis als zuständige Behörde für alle Flüchtlingsfragen.

Rund 200 Flüchtlinge, die zwölf verschiedene Sprachen sprechen und aus zehn verschiedenen Nationen stammen, würden nach Angaben von Harald Schulz, Leiter des Asyl- und Ausländeramtes beim Kreis, derzeit in der Unterkunft leben. Eine Schlägerei wie die zu Ostern habe es bis dahin nicht gegeben. Dass Flüchtlinge Alkohol mit in die Unterkunft nehmen, könne nicht verboten werden, so Schulz. "Damit würden wir sie in ihren Freiheitsrechten einschränken", begründet er. Wohl aber sollen nun Gruppenverantwortliche unter den Flüchtlingen benannt werden, denn der Großteil der Bewohner würde sich für die Gewalttäter schämen.

Die Polizei sei präventiv unterwegs - mit ihr gäbe es eine "sehr gute" Zusammenarbeit. Ab heute sollen statt bislang zwei Sozialarbeiter des DRK drei in der Unterkunft Dienst tun. Zwischen dem Landwirtschaftsbetrieb einschließlich Erntehelfer und der Flüchtlingsunterkunft soll es eine klare Trennung geben, sagt Harald Schulz. Außerdem sei Deutschunterricht für die Flüchtlinge am Stradower Weg geplant.