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Kreativ gegen Hass im Internet

Im Teamwork entwickelten und produzierten Paul-Fahlisch-Gymnasiasten ihre visuellen Botschaften.
Im Teamwork entwickelten und produzierten Paul-Fahlisch-Gymnasiasten ihre visuellen Botschaften. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Das Pausensignal ertönt, das Video beginnt. Aus der Blickperspektive eines Schülers zeigt die Smartphone-Kamera, wie die Klasse nach draußen auf den Flur strömt. Daniel Preikschat

Dort wird der Schüler angerempelt und beleidigt. Eine Mitschülerin geht dazwischen und weist die Pöbler zurecht. Andere solidarisieren sich mit ihr. Ende des Videos.

Kleine Produktionen wie diese haben Siebt- und Achtklässler gestern bei einem Aktionstag am Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium zuwege gebracht. Insgesamt 25 Videos oder Foto-Abfolgen (Slide-Shows) sind entstanden, wie Schulsozialarbeiter Jens Munitzk erklärt. Jeder Beitrag eine Ansage gegen Hass im Internet in jeglicher Form - seien es diskriminierende, rassistische, sexistische, trans- oder homophobe Mitteilungen. "Die Schüler", erklärt Munitzk, "waren völlig frei in Themenwahl und Gestaltung."

Den Anstoß zur Auseinandersetzung mit dem hochaktuellen Thema an Schulen hat ausgerechnet Google gegeben. Genauer gesagt You-Tube, eine der Plattformen, auf denen weltweit immer wieder strafrechtlich relevante Hass-Botschaften lanciert werden. Die gesamten sozialen Medien inklusive beispielsweise Twitter, Facebook, Instagram oder WhatsApp werden dafür ausgenutzt. An Schulen, so Sozialarbeiter Munitzk, sei natürlich Mobbing ein besonderes Thema. Es ging an dem Aktionstag aber um das ganze Spektrum der Hasskommentare.

Dem gesamten Kollegium, sagt Schulleiter Matthias Lösche, war es wichtig, dass sich möglichst viele Schüler dem Thema stellen: "Es ist hochbrisant und hochpolitisch und betrifft schon unsere Jugendlichen." Sie könnten im Internet mit rassistischen oder diskriminierenden Inhalten konfrontiert, ja sogar selbst Ziel solcher Attacken werden. Medienkompetenz zu erlangen, sei da enorm wichtig. Daher habe man im Gymnasium gern an dem You-Tube-Projekt teilgenommen.

Dazu gehört, dass Pädagogen von deutschen Medienagenturen, die You-Tube beauftragt hat, in die beteiligten Schulen gehen. Unter anderem Robert Behrendt von der Mediale Pfade GmbH in Berlin. Mit vier Kollegen war er gestern im Lübbenauer Gymnasium, um die Produktion der Videos und Slide-Shows zu begleiten. Zuvor haben die Berliner im Psychologiekurs der zehnten Klasse Schüler zu Mentoren für die Siebt- und Achtklässler ausgebildet.

Zu ihnen gehörten Emmi, Rieke und Angelina. Die 16-jährigen Mädchen fanden es wichtig, mal erklärt zu bekommen, wie der Hass ins Internet kommt. Und vor allem: Wie man darauf am besten reagieren kann. Eben auch mit solchen Gegen-Videos, die zu produzieren auch noch Spaß macht.

Medienpädagoge Robert Behrendt spricht von einer "Gegenöffentlichkeit", mit denen Mobbern, Rassisten oder Sexisten auf kreative und solidarische Art begegnen werden könne. Vermittelt wurde am Aktionstag in Lübbenau freilich auch, so Behrendt weiter, wie nah mitunter Beleidigung, Verleumdung oder Volksverhetzung und freie Meinungsäußerung beieinanderliegen. Provokateure und Populisten bewegten sich auf diesem schmalen Grat oft leider sehr gekonnt.

Zum Thema:
An dem Projekt "# Nicht egal" beteiligen sich deutschlandweit 38 Schulen. Initiator You-Tube bedient sich dabei des pädagogischen Know-hows von Medienagenturen, beteiligt ist auch die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e.V.) und die Bundeszentrale für Politische Bildung. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). In den Schulen werden Schüler geschult, die dann mit jüngeren Schülern den Aktionstag durchführen, dabei jedoch pädagogisch begleitet werden. Vermittelt werden dabei auch rechtliche Grundlagen. Die erstellten Beiträge werden eher selten auch tatsächlich online gestellt.