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Konfliktlotsen lösen Schülerstreit

Konflikte werden am besten am Runden Tisch geklärt: Jasmin Freigang und Josephine Apel (r.) vermittelten zwischen Richard Billy Prinz und Aaron Heider, die die beiden reumütigen Raufbolde simulierten, und schlichteten der Schulhofstreit.
Konflikte werden am besten am Runden Tisch geklärt: Jasmin Freigang und Josephine Apel (r.) vermittelten zwischen Richard Billy Prinz und Aaron Heider, die die beiden reumütigen Raufbolde simulierten, und schlichteten der Schulhofstreit. FOTO: Stephan Uhlig/stu1
Calau. Künftig können Schüler an der Carl-Anwandter-Grundschule ihren Schülerstreit selbst schlichten. Dafür wurden jetzt in einem Projekt neun Konfliktlotsen ausgebildet, die quasi als Mediator unter Schülern agieren. Sie können sowohl von den Schülern, als auch von ihren Lehrern als Vermittler eingesetzt werden, wenn ein Konflikt auftritt. Stephan Uhlig / stu1

Gedränge auf dem Pausenhof, ein Schüler kommt zu Fall und reist im Sturz dem Mitschüler das Pausenbrot aus der Hand. Der impulsive Mitschüler stürzt sich wütend auf den scheinbaren Verursacher. Es gibt Stress. Diese ganz typische Schulhofsituation simulierten die beiden Neuntklässler Richard Billy Prinz und Aaron Heider, Streitschlichter der Schlesier-Oberschule Calau, für die Prüfung der jüngeren Konfliktlotsen an der Grundschule. Nun galt es, diesen Konflikt in einem Gespräch aus der Welt zu schaffen. "Die Idee von Konfliktlotsen kam durch Anregung einiger Eltern an die Schule und wurde dann auch in unserem Projekt umgesetzt", bestätigt Sozialarbeiterin Grit König, die mit den Schülern der 5. Klasse typische Situationen von Schülerkonflikten analysierte. Schließlich vertrauen sich Schüler nicht immer ihren Lehrern, aber viel eher ihren Mitschülern an. "Wir haben zu unseren Gesprächen klare Regeln und versuchen zu vermitteln. Dabei wollen wir eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind", sagte Hannes Schöler, der wie alle anderen die Prüfung bestanden hat. Die Teilnehmer an diesem Lotsen-Projekt haben sich freiwillig gemeldet, weil "… ich nicht mit ansehen will, wenn sich unsere Mitschüler zanken", erklärte die couragierte Paula Birkhold.

Die Bandbreite von Schüler-Problemchen kann vielfältig sein, von Schlichtungen nach Rauferein bis hin zu Mobbing oder anderem Gezänk.

Dabei soll sich die Schlichterfunktion nicht nur auf den Schulhof begrenzen. "Zu Hause kann es ja auch mal Streit mit den Geschwistern geben. Da kann ich genauso gut vermitteln", sagte Jasmin Freigang.

Und Sebastian Glockauer ging sogar noch weiter: "Wenn ich vielleicht mal Polizist werde, kann ich das Streitschlichten gut gebrauchen."

Natürlich wäre es schön, wenn die Konfliktlotsen nicht zum Einsatz kommen müssen. Aber es wird nicht ausbleiben. An der Schlesier-Oberschule wird ebenfalls auf Mediatoren gesetzt, die dort Streitschlichter heißen. "Oft sind wir noch nicht gebraucht worden. Aber es ist gut, dass die Schüler unter einander wissen, dass sie einen Ansprechpartner haben. Das gibt mehr Sicherheit, wenn es wirklich mal nötig werden sollte", meinte Aaron Heider.

Wenn sie Konfliktlotsen tatsächlich zum Vermitteln gerufen werden, dann sollen die aktuellen Fälle auch in der Gruppe danach ausgewertet und besprochen werden. "Es ist wichtig, dass die Konfliktlotsen ein Gespür für Gerechtigkeit mitbringen, sich aber auch in die Gefühle der betroffene Mitschüler hinein versetzen können. Deshalb werden wir trotz bestandener Prüfung auch künftig an möglichen Konfliktlösungen arbeiten", so Grit König.