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Konfirmation 1947: Warten auf die Schuhe aus Amerika

Lübbenau. Am kommenden Sonntag feiern 25 ehemalige Konfirmanden in der Lübbenauer Nikolaikirche ihre Konfirmationsjubiläen. Vor 50, 60, 65 oder mehr Jahren standen sie zur Segnung vor dem Altar. pm

Edith Klein und Hermann Belaschk aus Boblitz gehören zu den Wenigen, die das 70. Jubiläum, die Gnadenkonfirmation, feiern.

Es ist das Jahr 1947. Die Familien haben mit den Folgen des Krieges zu tun. Für das bevorstehende Fest musste also viel improvisiert werden, was zum Beispiel die Kleidung betrifft. Hermann Belaschk hatte Glück. Weil er der Älteste war, bekam er neue Schuhe und einen neuen schwarzen Anzug. Das war wohl eher eine Ausnahme.

Bei Edith Klein, die damals noch Kaiser hieß, wurde das übliche schwarze Konfirmationskleid von der Nachbarin genäht. Groß war die Enttäuschung, als die bei Verwandten in Amerika bestellten Schuhe nicht pünktlich eintrafen. Die Abgetragenen der Cousine wurden kurzerhand frisch besohlt und mussten als Notlösung herhalten. Trotz der Mangeljahre erinnern sich die beiden Boblitzer an Feiern, die es an nichts fehlen ließen: Mittagessen mit Suppe und Braten, im Anschluss Kuchen und Kaffee, später Abendessen und Geselligkeit. "Lebensmittel waren bei uns auf dem Land nicht so knapp", erinnert sich Edith Klein. "Jeder hatte eine kleine Landwirtschaft."

Schmerzhaft waren dagegen die Lücken, die der Krieg in der Familie hinterließ: Der Bruder war interniert, der Vater in Kriegsgefangenschaft geraten. Den Weg zur Kirche ging die damals 14-Jährige mit ihrer Mutter allein. Intensive Erinnerungen haben die beiden 84-Jährigen an Pfarrer Heimbach und die Konfirmandenstunden in der Kirchstraße 4. "Der Superintendent und seine Frau waren Respektspersonen, trotzdem haben wir unseren Schabernack getrieben", sagt Hermann Belaschk.

Zu Fuß ging es bei Wind und Wetter einmal in der Woche nach Lübbenau zum Unterricht. "Wer hatte schon ein Fahrrad?", sagt Edith Klein. "Gut war es im Winter, wenn wir mit Schlittschuhen bis in die Stadt fahren konnten". Schwänzen war damals wie heute nicht empfehlenswert, denn am Ende des Konfirmandenunterrichts stand eine Prüfung vor der Gemeinde an.

"Allein aus Boblitz waren wir elf Jugendliche, die am Palmsonntag 1947 konfirmiert wurden. Mit denen aus Lübbenau und den umliegenden Dörfern müssen wir mehr als 40 Konfirmanden gewesen sein. Den Stuhl, auf dem ich im Altarraum saß, musste ich selbst mitbringen", erinnert sich Edith Klein. "Das Lied ‚Hier liegt vor deiner Majestät im Staub‘ haben wir gesungen", weiß Hermann Belaschk.

Beide sind ihrem Boblitz ihr Leben lang treu geblieben, haben hier ihre Familien gegründet und Kinder großgezogen. Keine der Jubiläumskonfirmationen haben sie verpasst. Jedes Mal seien sie weniger in ihrem Jahrgang gewesen, dennoch freuen sie sich auf den festlichen Gottesdienst und das Wiedersehen mit den Bekannten.

Der Gottesdienst zur Jubelkonfirmation findet am Sonntag um 10.30 Uhr in der Nikolaikirche in Lübbenau statt. Kantorin Katharina Schröder begleitet an der Orgel.