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| 18:16 Uhr

Ferienspaß
Kochen wie in der Steinzeit

Yasira Islam und Clara Wannagat (v.l.) beim Mahlen des Getreides.
Yasira Islam und Clara Wannagat (v.l.) beim Mahlen des Getreides. FOTO: Peter Becker
Raddusch. Ein ganz besonderes Ferienprogramm erlebten die Hortkinder aus Missen in dieser Woche in der Slawenburg Raddusch. Dort konnten sie selbst koche, wie unsere Urahnen in der Steinzeit. Von Peter Becker

Bei glühender Mittagshitze ein Feuer zu entfachen, um darin Steine fast zum Glühen zu bringen, kostet alle Beteiligten große Mühe. Dem Archäotechniker Frank Trommer aus Blaubeuren und seinen Helfern ebenso wie den Kindern des Missener Schulhorts. „Aber in der Steinzeit war es vielleicht auch mal so heiß, und wenn die Menschen nicht hungern wollten, mussten sie da ebenso durch, wie ihr jetzt“, versuchte Frank Trommer zu motivieren. Eigentlich war Motivation nicht nötig, denn den Kindern war die Erwartung und die Neugier ohnehin ins Gesicht geschrieben – und unter dem neumodischen Partyzelt war es dann auch gar nicht ganz so heiß. Dennoch musste alles erst einmal hergestellt werden: das Steinzeitmesser fürs Wurzelgemüse, das Mehl fürs Fladenbrot und natürlich auch die Kochmulde aus Ziegenfell.

Die hatte Frank Trommer allerdings schon selbst vorbereitet und mit Wasser gefüllt. Die Kinder gaben Steine ins benachbarte Grubenfeuer, um diese nach eineinhalb Stunden in die Kochmulde zu  bringen. Großes Erstaunen allerseits, dass Steine Wasser zum Kochen bringen. „Und wenn es schon mal kocht, dann können wir auch Eier darin zubereiten“, sagte Frank Trommer und legte vorsichtig einige Wachteleier hinein. In der Zwischenzeit mühten sich die zumeist Acht- bis Elfjährigen, ein Feuersteinmesser herzustellen, den Griff aus Haselnuss und Steinsplitter, die mit heißem Baumharz und Bienenwachs befestigt werden.

Eine andere Gruppe war mit dem Zermahlen, eher dem Zerquetschen, von Getreide beschäftigt. Yasira Islam und Adina Schulz wurde es ordentlich warm dabei. „Puh, das war früher nicht einfach für die Menschen, die mussten viel Zeit und Geduld haben“, lautet Yasiras Einschätzung, während sie mit aller Kraft den Mahlstein bewegt. Sie pustet sich dabei das Haar aus der Stirn – und mancher Schweißtropfen hat so vielleicht den Weg ins Mahlgut gefunden. Der Lohn aller Mühen ist dann das Verzehren der Steinzeitsuppe aus selbstgemachten und in der Sonne getrockneten Nudeln, des aus dem Lehmofen stammenden Fladenbrots und der Eier aus dem Ziegenfellkochtopf.

Juliane Schudek, Museumspädagogin der Slawenburg: „Wir bieten in den Sommerferien an mehreren Terminen derartige Mitmachangebote an, die vom Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gefördert werden. Neben einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung geht es uns um Vermittlung von Wissen über unsere steinzeitlichen Vorfahren. Die Kinder sollen erkennen, welche Mühen es machte und immer noch macht, Lebensmittel herzustellen.“

Clara Wannagat sitzt im Schneidersitz, vor sich den Holzteller mit der Suppe und den von ihr selbst zubereiteten Nudeln. „Die habe ich mit dem Feuersteinmesser in Streifen geschnitten. Ich dachte erst, dass es mir nicht schmecken würde, weil die Nudeln nicht so schön aussehen, aber ich habe mich geirrt.“ Yasira Islam pflichtet bei: „Solche Nudeln möchte ich zu Hause auch mal machen. Mal sehen, ob mir das gelingt!“