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| 02:33 Uhr

Kochen, Cocktails, König Kunde

Jana und Uwe Pielenz vor ihrem Geschäft in der Altstadt mit einer historischen Aufnahme.
Jana und Uwe Pielenz vor ihrem Geschäft in der Altstadt mit einer historischen Aufnahme. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Es gibt nicht mehr allzu viele Läden wie den von Jana und Uwe Pielenz in Lübbenau. 120 Jahre alt wird das Fachgeschäft an der Ehm-Welk-Straße jetzt. Die Inhaber stellen sich dem Spagat zwischen Tradition und Moderne – und kümmern sich um mehr als nur ihren Laden. Jan Gloßmann

Kochen, Cocktails und der Kunde als König: So feiert das Fachgeschäft - heute geführt von Jana und Uwe Pielenz - seinen 120. Geburtstag am Freitag und Sonnabend. 1892 wurde der Handel mit Eisenwaren und Werkzeug gegründet, den Adolf Pielenz neben seinem Ofensetzer-Handwerk betrieb. Ältere Rechnungen gehen sogar auf das Jahr 1887 zurück, erzählt Uwe Pielenz, Inhaber in vierter Generation. Der Fundus zeigt die wechselvolle Geschichte - Kassen- oder "Schuldenbücher" der Lübbenauer Kunden, aber auch Schreiben von Rechtsanwälten. "Da muss es auch der Firma Pielenz mal nicht so gut gegangen sein", sagt Uwe Pielenz. 1907 hat die Familie das Grundstück an der heutigen Ehm-Welk-Straße gekauft, "für 15 000 Reichsmark, mit geborgtem Geld". Es existieren noch Rechnungen des Kürschnermeisters Ernst Kohl, doch beim Schwelgen in Vergangenem anlässlich des runden Geburtstages will Pielenz eines nicht: "antiquiert wirken".

Die Fassade des Ladens ist aufgefrischt worden, die Angebote wandeln sich, man sei "weg von der Massenware" und setze auf Qualität, die oftmals ein Leben lang halte. Man ist im Internet präsent, selbst wenn ein Online-Shop wohl für einen einzelnen Laden noch zu aufwendig ist. Das Handeln in der Lübbenauer Altstadt werde nicht einfacher, sagt Jana Pielenz. Sie ist Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Einzelhändler. Viele Händler können sich steigende Mieten nicht leisten, einige Geschäfte - besonders am Topfmarkt - stehen leer. Ein Einkaufsbummel sei so recht schwer. Gleichzeitig verzeichne die Altstadt Zuzug junger Familien, der Standort bleibe attraktiv. Allerdings müsse mehr investiert werden an Geld, Ideen und Einsatz, um einen Ertrag wie in früheren Jahren zu erzielen, sagt Uwe Pielenz. Immer wieder müssten neue Kunden angesprochen, begeistert werden. Potenzial ist da in der geteilten Kommune, in der manch Neustädter kaum über die Bahngleise in den Spreewald kommt. Uwe Pielenz steht der Bürgerinitiative vor, die um eine Lösung dafür kämpft. Man könnte sagen: nicht umsonst. Bei allem Wandel, die Geschichte des Pielenzschen Ladens soll noch nicht zu Ende sein.