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Knollen ernten und Glück kaufen

Tobias Kienz und Anja Bechtloff haben auf dem Acker von Jens Suppan Kartoffeln gelegt, die zum Landeserntefest traditionell mit Hacke und Kartoffelschleuder geerntet werden.
Tobias Kienz und Anja Bechtloff haben auf dem Acker von Jens Suppan Kartoffeln gelegt, die zum Landeserntefest traditionell mit Hacke und Kartoffelschleuder geerntet werden. FOTO: P. Becker/peb1
Raddusch. Während Anja Bechtloff und Tobias Kienz Knollen stecken, die beim Dorf- und Erntefest des Landes am 9. und 10. September wie früher mit Hacke und Kartoffelschleuder geentet werden, hat sich Hufschmied Bernd Klinkmüller entschieden, im großen Festumzug auf einem Vierspänner mitzufahren. Hannelore Kuschy

"Geführt werden die Kaltblüter von einem Kunden aus Moritzburg, den Wagen kriege ich aus Paserin", erzählt er. Auf diesem Wagen wolle er darstellen, wie es mit der Arbeit früher war. "Vormittag ging's in die Schmiede, am Nachmittag auf den Acker." Deshalb werden auf dem Wagen Strohschneider und Bündchenpresse zu sehen sein. "Ein Schmied hat damals ziemlich Neese gemacht, weil die Landwirte nach der Kollektivierung eigene Werkstätten in der LPG hatten", erzählt der Radduscher. Er selbst hat im Auftrag des Starkstromanlagenbauers VEM 12 000 Transportwagen für Schaltgeräte gebaut. Sein Vater verdiente nach dem Krieg das erste Geld mit Kartoffelhacken. Zu fünf Stück gebündelt, wurden sie vom Radduscher Bahnhof aus zu BHG in der ganzen Region gebracht. Nach der Wende ging es für Bernd Klinkmüller mit dem Hufbeschlag los. Auch diese Arbeit will er auf dem Wagen darstellen. Er und seine Frau Cornelia sammelten schon jede Menge Hufeisen, die aufgetürmt auf dem Wagen liegen werden. "Anschließend wollen wir sie auf unserem Hof verkaufen - bei uns kann man eben Glück kau fen", kündigt er freudestrahlend an. Der Erlös soll für einen sozialen Zweck gespendet werden. Zum Anschauen für die Besucher will er vor seiner Schmiede natürlich auch Hufe beschlagen. Obwohl er heute Rentner ist, erreichen ihn immer wieder Anrufe, und er beschlägt nach wie vor die Hufe vom Pony bis zum Kaltblüter. Regelmäßig müsse die Arbeit wiederholt werden, denn das sei vergleichbar mit dem Menschen, dem die Nägel wachsen. Der Huf wachse in einem Jahr einmal um seine gesamte Länge.

Auch die Versorgung beim Fest ist gesichert. Der Schwiegervater von Sohn Stephan ist Fleischermeister und bietet Schwein am Spieß und Bratwurst an.