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| 17:54 Uhr

Unternehmerabend in Klein Beuchow
Klimawandel – Experte gibt Landwirten Tipps

Wie können Landwirte auf den Klimawandel reagieren? Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst machte dazu in der Gaststätte in Klein Beuchow vor einem Fachpublikum Anmerkungen aus agrarmeteorologischer Sicht.
Wie können Landwirte auf den Klimawandel reagieren? Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst machte dazu in der Gaststätte in Klein Beuchow vor einem Fachpublikum Anmerkungen aus agrarmeteorologischer Sicht. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Klein Beuchow. Agrarmeteorologe wartet mit interessanten Informationen auf für rund 80 Betroffene aus der Region bei Unternehmerabend.

Ein halbes Grad mehr Jahresmitteltemperatur, die Vegetationsperiode zehn Tage länger, statt 35 Sommertage 45 – ein Vergleich der gemessenen Werte für die Zeiträume 1961 bis 1990 und 1981 bis 2010 liefert klare Hinweise auf einen Klimawandel. Was der Leipziger Agrarmeteorologe Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst am Mittwoch beim Unternehmerabend der Spreewaldbank im Klein Beuchower Gasthaus mitzuteilen hatte, dürfte seine 80 Zuhörer sehr nachdenklich gemacht haben. Zumal die meisten von ihnen entweder Landwirte sind oder berufsmäßig mit der Landwirtschaft zu tun haben.

Gerade in diesen Tagen ist auch in der Region zwischen Altdöbern und Bestensee offensichtlich, was Falk Böttcher auf Grundlage des jüngsten UNO-Weltklimaratberichtes weiter ausführte: Frosttage machen sich zunehmend rar und tage- oder gar wochenlang aufliegende und vor zu großer Kälte schützende Schneedecken gibt es kaum mehr noch. Zugleich steige aber das Spätfrostrisiko, wie man voriges Jahr in der Region beispielsweise bei der Apfelernete gemerkt haben dürfte.

Zu den Niederschläge merkte der Agrarmeteorologe an: Sie würden mittlerweile häufiger im Winter als im Sommer fallen, wenn sie der Landwirt besser gebrauchen könnte. Und aufgrund der Niederschlagsintensität fließe viel vom wertvollen Nass wieder ab, ohne dass es die Böden aufnehmen könnten.

Veränderungen, auf man in der Landwirtschaft reagieren muss – und auch kann. Böttcher nannte einige Stellschrauben, an denen sich drehen ließe: Sortendiversifizierung, Fruchtfolgen, Bodenbearbeitung, Zusatzbewässerung beziehungsweise Wasserspeicherung. Gepflügte Böden würden Niederschläge weit weniger gut aufnehmen können als konservierend behandelte Böden, hieß es. Stoppelbearbeitung trockne Äcker eher aus, eine Strohauflage hingegen mindere die Verdunstung. Müsse das an sich nötige Regenwasser schon abgeleitet werden, sollte das möglichst schadlos passieren. Also ohne viel Nährstoffe gleich mit wegzuspülen und möglichst erosionsfrei.

Der Treibhauseffekt wurde im Vortrag Böttchers nicht verteufelt. Ohne ihn, sagte er, würde die Jahresdurchschnittstemperatur nicht 15 Grad plus betragen, sondern 18 Grad minus. Was sicher keiner wolle. Seit den Achtziger Jahren jedoch haben die vom Menschen gemachten Ursachen weltweit einen deutlich größeren Einfluss auf die Klimaerwärmung als die natürlichen Ursachen.

Auf die Frage, wer denn der größte Klimawandelverursacher ist, konnte Böttcher ganz klar sagen: die Elektrizität und Wärme produzierende Kohleverstromung in China, in den USA und in Deutschland.

Allerdings trage die Landwirtschaft ihren nicht unerheblichen Teil dazu bei, den Treibhauseffekt zu forcieren. Man könne aber auch gegensteuern, sprach Falk Böttcher seine Zuhörer direkt an: „Bei der Düngung können auch sie etwas tun. Was die Pflanzen nicht aufnehmen, geht in die Atmosphäre.“ Daher sollte beispielsweise Gülle nicht schon aufgebracht werden, wenn die Pflanzen noch gar nicht so weit sind.

Trotz der beunruhigenden Nachrichten ließen sich die Gäste der Spreewaldbank im Anschluss das deftige Buffett schmecken. Auch wenn es aufgrund leichter Vortrag-Überlänge etwas später eröffnet werden konnte als geplant. Auch dazu wusste der Referent etwas zu sagen und zitierte eine Tante: „Das Kochen ist keine Kunst. Die Kunst besteht darin, es warm zu halten.“