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| 17:01 Uhr

Bauprojekt fast abgeschlossen
Kleingärtner gegen Fluten gut gerüstet

Wilfried und Johanna Kadalowski  vom Kleingartenverein „Jugend“ bei der Grabenschau in der Sparte mit Roswitha Schier (l.).
Wilfried und Johanna Kadalowski vom Kleingartenverein „Jugend“ bei der Grabenschau in der Sparte mit Roswitha Schier (l.). FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Acht Jahre hat es gedauert, für die Lübbenauer Neustadt und die Sparte „Jugend“ eine Hochwasserschutzanlage zu planen und zu bauen. Nun steht das Projekt vor dem Abschluss. Großen Verdienst daran haben auch die Kleingärtner.

Es war eine regelrechte Grabenschau, zu der Roswitha Schier vergangene Woche in der Lübbenauer Neustadt eingeladen worden war. Wilfried Kadalowski von der Gartensparte „Jugend“ fuhr mit der CDU-Landtagsabgeordneten auf dem Rad mehrere hundert Meter Graben ab. Sie verlaufen entlang der Spartengrenze, einer von ihnen führt sogar mitten hinein.

„Hier“, erläuterte der Vorsitzende der vor sieben Jahren gegründeten Interessengemeinschaft (IG) Wasser und Verkehr, „stehen wir im Hauptvernässungsgebiet“. Und genau hier, am tiefsten Punkt der Kleingartensparte, sei nun „der Badewanne der Stöpsel gezogen“ worden. Bedeutet: In einem Entwässerungsgraben von 265 Metern Länge läuft das Regenwasser aus der Kleingartensparte ab. Hinein in einen Nordgraben, der wiederum verbunden ist mit einem weiteren Stichgraben entlang der Sparte sowie mit dem Graben der Kraftwerkstraße. Eine Hochwasserschutzanlage, dank der den Laubenpiepern künftig bei Starkregenfällen keine Gefahr mehr drohen dürfte.

2010 und 2011 standen die Pächter mehrfach großflächig knietief im Wasser. Bepflanzung und Gebäude nahmen Schaden in dem nur langsam abfließenden Nass. Die Stadt Lübbenau und die LMBV planten damals schon eine Hochwasserschutzanlage für die Neustadt mit ihrem hohen Grundwasserstand. In diese Planungen für ein weitverzweigtes Grabensystem brachten sich die leidgeprüften Kleingärtner mit ihrer Interessengemeinschaft ein und suchten hartnäckig das Gespräch mit den zuständigen Behördenmitarbeitern. Die fanden sich bei der Stadt und der LMBV genauso wie beim Wasser- und Bodenverband sowie beim Landkreis.

Dank des Stichgrabens kann jetzt Regenwasser abfließen.
Dank des Stichgrabens kann jetzt Regenwasser abfließen. FOTO: LR / Daniel Preikschat

Seinesgleichen suchte dabei vor allem die enge Zusammenarbeit zwischen Kleingartenverein und Stadtverwaltung. „Akzeptanz im Rathaus“, so Kadalowski, verdienten sich die Laubenpieper durch Mitdenken und Mitanpacken. Vereinsintern war zum Beispiel zu klären, welchen Verlauf die Trasse für den Stichgraben in die Sparte hinein nehmen sollte. 25 Lauben bereiteten die Vereinsmitglieder vor für den Abriss. Bäume und Hecken im Grabenprofil mussten beseitigt, Schrott, Beton, Platten und Holz entsorgt werden, 170 Tonnen Müll.

Von Vorteil für Bau beziehungsweise Ertüchtigung des Grabensystems in der Neustadt war der Ausbau der Kraftwerkstraße, die an der Sparte vorbei ins Gewerbegebiet führt. Mit dem Landkreis einigte man sich auf eine durchlaufende straßenbegleitende Entwässerung mit Rohrdurchlässen, die an das Grabensystem angeschlossen werden konnte. 2017 wurde die Straße übergeben.

Wilfried Kadalowski erinnerte Roswitha Schier bei der Grabenschau an die gute Zusammenarbeit der Projektpartner aus gegebenem Anlass. Denn Ende diesen Jahres wird der Bau der Hochwasserschutzanlage für die Neustadt inklusive Gartensparte abgeschlossen sein. Kosten von rund einer Million Euro teilen sich Stadt und LMBV. Was im Herbst noch errichtet werden muss, ist ein Mönchsbauwerk, damit der Höhenunterschied zwischen dem Stichgraben in der Sparte und dem Nordgraben, in den das Regenwasser abfließt, überwunden werden kann.

Mehrfach war die Kleingartenanlage großflächig überschwemmt. Gartenlau-
ben ragten wie Inseln aus einem See heraus.
Mehrfach war die Kleingartenanlage großflächig überschwemmt. Gartenlau- ben ragten wie Inseln aus einem See heraus. FOTO: privat

Für die Kleingärtner der Sparte „Jugend“ scheint die Hochwassergefahr damit gebannt zu sein. Entlang des Grabens in der Sparte findet der Wasser- und Bodenverband obendrein für Fahrzeuge und Technik gute Wirtschaftswege vor mit Platz zum Parken und Rangieren. Eine Schranke verhindert, das Unbefugte den Weg befahren. Mittlerweile, so der Lübbenauer Kadalowski, sei auch eine bereits vorhandene Drainageleitung an das Grabensystem angeschlossen.

Weiterer Grund, Roswitha Schier in die Sparte einzuladen, war ihre Mithilfe. Wilfried Kadalowski lobt: „Sie hat uns viele Türen geöffnet, sich für uns stark gemacht über all die Jahre.“ Die Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete war es bei der Grabenschau denn auch, die warnte: „Was hier entstanden ist, muss auch erhalten werden.“ Geradezu „erschreckend schnell“ wachse in den Gräben das Schilf. Zu klären sei weiterhin, so Schier, wer die entstandenen Grünflächen beiderseits des Grabens in der Sparte pflegt, die nach dem Abriss der Lauben entstanden sind und nicht mehr Teil der vom Kleingartenverein gepachteten Fläche sind. Fast 8500 Quadratmeter immerhin.

Freuen über das neue Gewässer in der Sparte „Jugend“ können sich indes nicht nur die Kleingärtner, wie Wilfried Kadalowskis Frau Johanna bei der Grabenschau anmerkte. Die Störche, seit Jahren Dauergast, finden im neuen Feuchtgebiet ein weiteres Nahrungsangebot.