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| 16:04 Uhr

Bürgerinitiative soll gegründet werden
Anwohner fordern Soforthilfe gegen Autobahn-Lärm

 Blick von der Autobahnbrücke zwischen Klein und Groß Beuchow am Spreewald-Dreieck in Fahrtrichtung Cottbus und Dresden. Ein Laster reiht sich an den anderen, bevor die Fahrbahn einspurig wird.
Blick von der Autobahnbrücke zwischen Klein und Groß Beuchow am Spreewald-Dreieck in Fahrtrichtung Cottbus und Dresden. Ein Laster reiht sich an den anderen, bevor die Fahrbahn einspurig wird. FOTO: Hofmann Rüdiger
Klein Beuchow. Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) folgt der Einladung genervter Anwohner am Spreewald-Dreieck zur Hörprobe in Klein Beuchow. Die Rollgeräusche von der Autobahn 13 sind extrem belastend. Für Abhilfe ist ein sehr dickes Brett zu bohren. Von Kathleen Weser

Ein Paket, das das Tempo der Fahrzeuge auf dem Spreewald-Dreieck drosselt und die Rollgeräusche durch den Zwang zur konstanten Geschwindigkeit reduziert, fordern vom Lärm geplagte Bürger in Klein Beuchow.

Durch das Dorf führt die viel befahrene Landesstraße nach Lübbenau, westlich der Ortslage verläuft die Autobahn 13 – die künftig noch weit mehr Lieferverkehre mit Lastkraftwagen aufnehmen muss. Das besagen die Verkehrsprognosen für die Schnellstraße zwischen Dresden und dem Schönefelder Kreuz. Deshalb steht diese Bundesautobahn auf dem Ausbauplan des Landes Brandenburg für die Lausitz – auch, um die Region stark zu machen für den Strukturwandel nach der Braunkohle. Die Kosten dafür liegen im dreistelligen Millionen-Bereich.

Lärmgeplagte Familien verlangen Soforthilfen von Verkehrsministerin Schneider

Doch das Ringen um den sechsspurigen Ausbau der A 13 und die Planungen, die dann zwingend modernen Ansprüchen an den Lärmschutz für große überregionale Verkehrsadern genügen müssen, kann noch acht bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Das sagt Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD), die am Dienstagabend in Klein Beuchow eine Hörprobe auf dem gepflegten Grundstück von Adina Flasch und Jörg Rohde genommen hat. „Die Autobahn ist laut zu hören. Auf diesem schönen Grundstück mit Freunden gemütlich und stressfrei einen Kaffee zu trinken, ist nicht möglich. Das ist auch nicht schön zu reden“, bestätigt die Ministerin.

 Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD/l.) informiert sich vor Ort über die Lärmbelastung in Klein Beuchow. Die gestressten Bürger, auch Adina Flasch (r.), bitten um Unterstützung.
Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD/l.) informiert sich vor Ort über die Lärmbelastung in Klein Beuchow. Die gestressten Bürger, auch Adina Flasch (r.), bitten um Unterstützung. FOTO: Kathleen Weser

Die Physik folgt ihren Gesetzen. Das Anwesen ist besonders von den Rollgeräuschen der Fahrzeuge der nahen Autobahn betroffen. Denn Klein Beuchow liegt auf einer Anhöhe in der flachen Landschaft am Rande des Spreewaldes. Hier im Garten zu sitzen, die Terrasse zu nutzen und nachts gar ein Fenster zu öffnen, das ist schlicht unmöglich. Denn die Topografie des Geländes sorgt dafür, dass die Schallwelle zur Höchstform aufläuft. Der Wunsch nach Ruhe und Schlaf bleibt unerfüllt. Und deshalb ist die Einladung der genervten und auch teilweise gesundheitlich angeschlagenen Anwohner an die Verkehrsministerin eine dringliche Bitte um Soforthilfe.

Autobahn-Anwohner wollen nicht warten

Auf den großen Verkehrsplan mit Lärmschutz für die A 13 können und wollen die Bürger nicht warten. Statt Bergen wollen sie lediglich Schilder versetzen auf dem Autobahnkeuz. Ulrich Metzdorf ist überzeugt davon, dass bereits eine deutlich verlängerte Tempo-60-Zone auf Höhe der gesamten Auf- und Abfahrten und die Kontrolle der reduzierten Geschwindigkeit durch eine feste Messstation eine Wohltat für die lärmgeplagten Ohren der Anwohner in Klein Beuchow wären.

Adina Flasch argumentiert fast verzweifelt, dies wenigstens zu versuchen. Einige Schilder zu verändern, müsse doch den Versuch wert und könne nicht wirklich ein unlösbares Problem sein.

Geräuschpegel wird errechnet

Mit einem Antrag auf Lärmsanierung, mit dem das große bürokratische Rad gedreht werden müsste, scheitern die Bürger. Das steht schon fest. Denn in deutschen Landen wird der justitiable Geräuschpegel an der Autobahn nicht gemessen, sondern errechnet. Und die Rechenwerte, die erreicht werden müssten für die behördliche Pflicht zur Abhilfe, sind in Klein Beuchow nicht gegeben.

Dabei spielen die europäischen Werte für verpflichtende Lärmaktionspläne den Leuten voll in die Karten. Wohngebiete dürfen nicht unter dauerhaft gesundheitsbelastendem Geräuschpegeln stehen. Doch der Bund legt zweierlei Messlatten an: Die Rechenmethode für Lärm an Straßen ist eine andere als die für Umweltdaten und damit das Wohnumfeld. „Das missfällt uns schon lange. Brandenburg hat deshalb die Initiative in den Bundesrat eingebracht, die Berechnungsmodelle zu harmonisieren“, bestätigt Landes-Verkehrsministerin Kathrin Schneider. Das Interesse der anderen Bundesländer, deren Votum dafür gebraucht wird, sei sehr verhalten.

Ministerin will keine Versprechungen machen

Vor der Geräuschkulisse der viel befahrenen Autobahn sind Unmut und Verständnis, Hoffnung und Verzweiflung, Emotion und Resignation gleichermaßen zu spüren. Und Ulrich Metzdorf will es schließlich genau wissen: „Unterstützen Sie uns, Frau MInisterin?“ Kathrin Schneider sagt: „Ich mache Ihnen keine Versprechungen, die ich nicht halten kann. Wenn die Argumente stimmen und die Vorschläge etwas bringen, dann haben Sie meine Unterstützung.“

Überzeugt werden muss der Bund, um dessen Straße es bis zum versetzten Verkehrsschild geht. Dass bei etwa 40 000 Fahrzeugen auf dem Spreewald-Dreieck, an dem sich die Autobahnen von Dresden nach Berlin (A 13) und aus Richtung Cottbus (A 15) kreuzen, Handlungsbedarf zum Lärmschutz für Anwohner besteht, muss gut begründet sein. Ein Vergleich, mit dem der Antrag der Klein Beuchower letztlich sachlich konkurriert: Die A 7 ist bei Hamburg mit 140 000 Gefährten täglich belastet. Das ist ein dickes Brett, das die Klein Beuchower jetzt mit einer Bürgerinitiative bohren wollen. Die soll in knapp einer Woche gegründet werden.