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Kittlitzer Ortsbeirat Elsner gibt auf

Hier, in der heutigen Förderschule, sollen Asylbewerber einziehen. Nein, bedroht worden sei er nicht, sagt Bernd Elsner dazu. Aber die 130 Plätze im geplanten Heim seien zu viel für Kittlitz.
Hier, in der heutigen Förderschule, sollen Asylbewerber einziehen. Nein, bedroht worden sei er nicht, sagt Bernd Elsner dazu. Aber die 130 Plätze im geplanten Heim seien zu viel für Kittlitz. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Es geht nicht mehr, er kann nicht mehr: Der Kittlitzer Ortsbeiratschef Bernd Elsner wirft hin. Grund sind die Diskussionen um die Pläne, im Lübbenauer Ortsteil ein Flüchtlingsheim mit 130 Plätzen einzurichten. Diese Größenordnung könne er nicht verantworten – er stößt an die Grenzen des wohlmeinenden Ehrenamtes. Jan Gloßmann

Bürger, Medien, Behörden: Bernd Elsner spürt den Druck in diesen Tagen von allen Seiten, und er spürt, dass er niemandem gerecht werden kann. "Ich teile die Ängste der Leute, aber es ist nicht so, dass wir Flüchtlingen ablehnen", sagt Elsner unumwunden. Wohl wissend, dass er für diese Position schnell mal in die rechte Ecke gestellt wird. Wohl wissend, dass Medien und Ämter etwas anderes von ihm erwarten.

Als Kittlitzer betrachtet er die Situation im Ort anders als Außenstehende: 130 Leute seien einfach zu viel für den Ortsteil, in dem etwa 40 Häuser bewohnt sind und niemand so haargenau weiß, wie viele Menschen dort leben. 370 sind es im gesamten Ortsteil, der allerdings weit verstreut auch aus den Gemeindeteilen Schönfeld, Eisdorf und Lichtenau besteht.

Elsner fühlt sich bedrängt und hält das nicht mehr aus. Die Kittlitzer wollen, dass er sich vor sie stellt. Medien rufen an oder kreisen durch den Ort auf der Suche nach Gesprächspartnern und passenden Bildern, vor allem für die Ablehnung des Heimes. Dazu, sagt Elsner , gab es in jüngster Zeit einen regen Mailverkehr mit Landratsamt und Bürgermeister. Elsner schreibt darin unter anderem: "Die Antworten auf die anstehenden Fragen wurden leider von den politisch Verantwortlichen nicht, noch nicht oder nicht ausreichend gegeben, so dass viele Bürger der Meinung sind, sie werden verheizt."

Mancher mag hier die Wortwahl "verheizt" als unpassend empfinden, schließlich wird zumindest ein Teil der Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kommen. Aber die Wortwahl steht für so viele Missverständnisse und Interpretationen, die derzeit nicht nur die Kittlitzer beschäftigen. Man fühlt sich falsch zitiert oder habe etwas anderes gemeint, als es das Zitat aussagt - die Unerfahrenheit mit den großen Medien zeigt sich in der "Verlassenheit da draußen" (Elsner) deutlich. Mittlerweile gebe es einen Wochenend-Tourismus der Neugierigen, die mit "allen möglichen Kennzeichen" durch den Ort streifen und gucken. "Das ist schon bedrohlich für uns Kittlitzer."

Ein Heim in dieser Größenordnung hält er für eine "total unglückliche Entscheidung". Das ist der Kern der Debatte - jenseits aller Diskussionen um Busverbindungen, medizinische Versorgung oder Kita-Plätze. Diese Größenordnung will und kann Elsner "nicht mitverantworten. Entscheidend ist die Übermacht, also, der Überhang". Die 130 Leute aber werden kommen; Landrat Siegurd Heinze sieht keine andere Möglichkeit, als das kreiseigene Haus in Kittlitz zu nutzen.

Eine Befreiung spüre er nicht, sagt Elsner wenige Stunden nach dem Rücktritt. "Zwischen Befreiung und Verrat vielleicht, ich weiß, ich lasse die anderen auch ein bisschen im Stich. Aber ich kann nicht mehr."

Kommentar: Überfordertes Ehrenamt